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Männer in Erziehungsberufen:Die Bezahlung ist ein Problem

Denn die Fachleute sind sich einig: Gerade in den ersten vier Klassenstufen sind Männer im Lehramt als Rollenbilder und Bezugspersonen von entscheidender Bedeutung. "Kinder sollten immer beide Rollenmuster kennenlernen, auch bei der Konfliktbewältigung und der Austragung von Streit", sagt Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV). Relativ viele Kinder erlebten schon zu Hause keine männliche Bezugsperson, weil die Mütter alleinerziehend seien. "Und in der Grundschule muss ein Kind sehr viel Glück haben, eine männliche Bezugsperson zu finden - oft ist da nur der Hausmeister."

Ein Versuch, mehr Männer in Kitas zu bringen, ist die Akademisierung der Ausbildung. So bieten zahlreiche Fachhochschulen und Universitäten inzwischen Studiengänge als Alternative an: Die Fächer heißen "Frühkindliche Bildung und Erziehung", "Bildung und Erziehung im Kindesalter" oder "Early Education" und schließen mit dem Bachelor ab. Bisher lief die Erzieherausbildung in Deutschland ausschließlich außeruniversitär - im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern.

Ein weiteres Problem ist die Bezahlung, denn nach Expertenmeinung bekommen Erzieher und Grundschullehrer zu wenig Geld. "Ein Grundschullehrer kriegt das gleiche Geld wie der Lehrer in einer Hauptschule, hat aber eine höhere Lehrverpflichtung", sagt Wenzel. Eine ganze Besoldungsstufe trennt Grundschul- und Gymnasiallehrkräfte. Auch das sei in anderen Ländern anders, betont Wenzel: "In Finnland etwa verdient die Erzieherin so viel wie ein Oberstudienrat."

Das Bundesfamilienministerium hat vor allem die frühkindliche Bildung im Blick und will "Mehr Männer in Kitas" bringen, so der Name seiner Initiative: Mit 13 Millionen Euro werden 16 Modellprojekte in 1300 Kindertagesstätten aus 13 Bundesländern gefördert, zudem gibt es Aktionen in Schulen, Praktika und viele Informationsveranstaltungen für junge Leute.

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