Männer im Vorzimmer "Ich bin leidenschaftlicher Dienstleister"

Angesichts der Aufgaben im Sekretariat gebe es viele Vorurteile, sagt Benedikt Weis. Mal abgesehen davon hat er keine Probleme damit, im Büro Kaffee zu servieren.

(Foto: OH)

Männer im Sekretariat sind die Ausnahme, Benedikt Weis ist einer von ihnen.

Interview von Benjamin Haerdle

Nur ungefähr bei fünf Prozent liegt der Männeranteil im Bereich des Office-Managements nach Schätzungen des Bundesverbands Sekretariat und Büromanagement (BSB). Als Mann in einem Beruf, der noch immer vorwiegend von Frauen ausgeübt wird, hat es der Sekretär Benedikt Weis manchmal mit Sticheleien zu tun. Aber damit kann er umgehen. Der 36-Jährige ist Assistent bei der MLP Finanzberatung SE.

Sie arbeiten seit sechs Jahren als Assistent. Darf man Sie auch als Sekretär bezeichnen?

Ja, ich habe da keine Befindlichkeiten. Es spiegelt sich aber in dem Wort Assistent sehr gut wider, dass sich das Aufgabengebiet der Sekretärin oder des Sekretärs deutlich erweitert hat. Mein aktueller Chef mag das Wort Sekretär. Der Begriff habe Anmut und sei überhaupt nicht negativ, sagt er. Das sehe ich auch so.

Was sind denn Ihre Aufgaben?

Ich kümmere mich vor allem um die Anliegen meines Chefs in der ersten Führungsebene, also eine Ebene unter dem Vorstand. Ich sorge für seinen reibungslosen Tagesablauf, koordiniere alle Termine und Anrufe. Ist mein Chef noch in einer Besprechung, checke ich unter anderem frühzeitig seine E-Mails, um ein möglicherweise dringendes Thema abzufangen. Durch meine Beteiligung an operativen Bereichsthemen, etwa bei Personal- und Budgetangelegenheiten, fülle ich eine vielschichtige und anspruchsvolle Rolle aus.

Ihr Job gilt als klassischer Frauenberuf. Begegnen Sie oft Vorurteilen?

Im beruflichen Kontext nie, im privaten kam das schon vor. Ein Freund sagte mir, ich sei Sekretärin. Ich nahm ihm die weibliche Form nicht übel. Allerdings zeigte es mir, dass es immer noch eine Ausnahme ist, als Mann in einem solchen Job zu arbeiten. Beruflich erlebe ich so viel Wertschätzung, dass ich mich in meiner Rolle als Assistent äußerst wohl fühle. Und wer solche Vorurteile hat, zeigt eigentlich nur seine Unwissenheit über das Berufsfeld.

Wie verlief Ihre Karriere?

Ich habe eine Ausbildung zum Bankkaufmann gemacht und bin danach bei der MLP in der Bank gestartet. Nach zehn Jahren mit verschiedenen Aufgaben bei MLP wollte ich meine Kenntnisse und Fähigkeiten als Assistent in der Führungsebene einbringen. Das notwendige Wissen für den Quereinstieg habe ich mir dann in einer Weiterbildung zum geprüften Managementassistenten BSB angeeignet.

Was reizt Sie an der Aufgabe?

Ich bin leidenschaftlicher Dienstleister - und es freut mich, meinem Vorgesetzten Arbeit abzunehmen. Das macht mir einfach unheimlich Spaß.

Was zeichnet gute Assistenten aus?

Die Chefs sind alle unterschiedlich, jeder hat seine Persönlichkeit. Deshalb ist es wichtig, sich auf andere Menschen einstellen zu können. Diskretion, Loyalität, Verlässlichkeit, Ordnung sowie ein wertschätzender Umgang mit Kollegen sowohl innerhalb als außerhalb des Bereichs, in dem ich arbeite, sind weitere wichtige Kriterien.

Früher galt es auch als Vorteil, hübsch auszusehen und guten Kaffee kochen zu können. Letzteres ist heute sicherlich kein Einstellungskriterium mehr?

Nein, es geht darum, seinen Vorgesetzten zu entlasten. Ich habe aber auch keine Probleme damit, einen Kaffee zu servieren. Das gehört genauso zum Job wie viele andere Aufgaben.

Gibt es Unterschiede, wie ein Mann oder ein Frau ein Sekretariat leitet?

Es gibt dafür Methoden, die sich jeder in Aus- und Weiterbildung aneignen kann. Diese gelten für Mann und Frau gleichermaßen. Wie ich mit meinem Chef zusammenarbeite, liegt nicht am Geschlecht, sondern an der persönlichen Haltung.