bedeckt München 17°
vgwortpixel

Macht im Job:"Moralische Appelle dringen nicht zu Chefs durch"

Gehen Frauen und Männer unterschiedlich mit Macht um?

Die Führungsforschung zeigt, dass Frauen in allen Dimensionen, die erfolgreiche Führung ausmachen, etwas besser abschneiden als Männer. Sie sind besser darin, Visionen zu vermitteln, sie geben klarere Aufgabenbeschreibungen und können Mitarbeiter besser motivieren. Andererseits gibt es Hinweise, dass Frauen in Führungspositionen ähnlich häufig zu Mobbing-Tätern werden wie Männer. Inwieweit das daran liegt, dass sie sich an den Verhaltensweisen ihrer mehrheitlich männlichen Kollegen orientieren, ist bisher unklar. Insgesamt äußern Frauen weniger Interesse an Machtpositionen als Männer. Das mag auch daran liegen, dass immer noch weibliche Rollenvorbilder fehlen.

Welche Tipps können Sie Arbeitnehmern geben, die es mit einem "harten Hund" zu tun haben?

Wenn Sie mit einer mächtigen Person verhandeln und etwas für sich herausschlagen wollen, ist es wichtig, Ihrem Gegenüber nicht mit moralischen Appellen zu kommen. Sätze wie "Aber Sie müssen mir doch zugestehen, dass ..." oder "Können Sie für mich nicht eine Ausnahme machen?" werden schlicht nicht durchdringen. Mächtige Personen sind daran interessiert, Veränderungen zu vermeiden und den Status quo zu sichern. Denn wem geht es besser mit der jetzigen Situation als dem Chef? Das heißt für die machtlose Person - den Mitarbeiter -, dass er versuchen muss, dem Mächtigen klarzumachen, welchen Profit er aus einer Entscheidung zieht. Vorgesetzte sind immer dann bereit, sich auf andere Interessen einzulassen, wenn sie auch ihnen nutzen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Nehmen wir an, Sie möchten auf Teilzeit reduzieren. Dann sollten Sie beim Chef nicht nur argumentieren, dass sie die Nachmittage für Ihre Familie brauchen. Sondern Sie könnten beispielsweise anbringen, dass sich dadurch die Möglichkeit ergibt, jemanden mit ergänzenden Kompetenzen ins Team zu holen.

Wie verhält man sich am besten, wenn der befreundete Kollege zum Vorgesetzten - und zum Ekel - wird?

Wenn Freunde auf gleicher Hierarchieebene zusammengearbeitet haben und der eine befördert wird, birgt das immer ein hohes Konfliktpotenzial. Das Verhältnis der beiden wird sich in jedem Fall verändern. Ob es zum Zerwürfnis kommt, hängt zum einen davon ab, wie der Vorgesetzte gegenüber seinem Freund auftritt - ob er seine Autorität herausstellt, um sein neues Standing zu festigen. Eine Rolle spielt auch, ob der nicht Beförderte selbst sehr karrierebewusst oder eigentlich ganz zufrieden mit seinem jetzigen Posten ist.

Es gibt auch Leute ohne Macht-Gen?

Natürlich gibt es Menschen, die weniger machtorientiert und in einer Position ohne Personalverantwortung zufriedener sind. Denn Chef sein bedeutet auch, nicht mehr Teil einer Gruppe zu sein, sondern eine herausgehobene Position einzunehmen. Plötzlich wird nicht mehr mit einem, sondern über einen getuschelt, die Kantinen-Verabredungen werden weniger - und auf Partys von Kollegen ist man nicht mehr eingeladen. Das muss man aushalten können.

Kann man sich Machtbewusstsein antrainieren?

Wie machtbewusst jemand ist, ist eine Typfrage. Was man aber trainieren kann, ist selbstbewusstes Auftreten und Netzwerken. Denn in Unternehmen machen nicht immer die Personen Karriere, die die beste Arbeit leisten, sondern oft diejenigen, die die besten Kontakte haben. Wenn ich das weiß, kann ich versuchen, mehr Energie in den Aufbau meines eigenen Netzwerks zu stecken und mir so Aufstiegsmöglichkeiten eröffnen.

© Süddeutsche.de/jobr/dd/bavo
Zur SZ-Startseite