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Lohngefälle zwischen den Geschlechtern:Keine Lust auf Machtspiele, keine Zeit für Tratsch

Es gibt Geschichten, die legen nur einen einzigen Schluss nahe: Weil sie eben Frauen sind. Eine Geschichte wie die von Anna Berger. Ihren wahren Namen und Arbeitgeber möchte sie nicht preisgeben, schließlich macht sie ihre Arbeit gern. Trotzdem fühlt sie sich klar benachteiligt.

Anna Berger hat als Jahrgangsbeste an ihrer Fachhochschule (FH) ein Studium der Architektur abgeschlossen. Als sie in einem Münchner Großunternehmen eine Stelle als Projektleiterin antrat, wurde sie dort eine Gehaltsstufe tiefer eingruppiert als andere Einsteiger - angeblich, weil sie nur einen FH-Abschluss hatte. Berger arbeitete sich hoch: wurde stellvertretende Abteilungsleiterin, übernahm schließlich die Leitung - jedoch nur kommissarisch. Unterdessen hatte sie noch einen Universitätsabschluss in Betriebswirtschaftslehre gemacht, wieder mit 1,0. Ihrem Gehalt half das nicht auf die Sprünge und auch nicht der Karriere. Die Leitung ihrer Abteilung übernahm nun ein Mann.

Nicht wenige Frauen lassen sich von so etwas entmutigen. Die Folge ist, dass sie sich lieber auf Kinder und Familie konzentrieren, um dem zermürbenden Kampf um die Karriere zu entkommen. Damit zementieren sie den Status Quo.

Ganztagesbetreuung sichert Vollzeitbeschäftigung

Doch vielen fehlt nicht nur die Lust auf Machtspiele, sondern manchmal auch die Zeit für Tratsch. Das sagt Gertrud Schmidt-Podolsky. Die 60-Jährige ist Gründungsmitglied der Frauen-Union im Landkreis Dachau und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Gleichstellung. Dass es mit der Lohngleichheit nicht vorangeht, sagt Schmidt-Podolsky, liege auch daran, dass die Interessen der Frauen auch bei Arbeitnehmerverbänden und Gewerkschaften zu wenig Beachtung fänden. Sich dort zu engagieren, sagt Schmidt-Podolsky, koste aber viel Zeit. Zeit, die Frauen mit Beruf und Familie und Haushalt häufig nicht hätten.

Genauso fehle ihnen oft die Zeit zum Pausentratsch oder zum Feierabendbier. Wer Teilzeit arbeite, nehme sich oft keine Zeit für eine Pause. Und eine Frau, die nach der Arbeit ihr Kind abholen muss, bleibt nicht auf ein Bier.

Liegt es also doch an der Politik? An einer bayerischen Politik, die für ganz Deutschland ein Betreuungsgeld durchgesetzt hat? 150 Euro für 135 Stunden unbezahlte Arbeit im Monat und ein Kind zu Hause, statt in einer kommunalen Kita. Die Ganztagsbetreuung in Kinderkrippe, Kindergarten und Schule sichert jedoch, auch das zeigen die Statistik und die Geschichte, die Vollzeitbeschäftigung der Frauen - früher in der DDR und heute in Frankreich oder Norwegen.

Doch bayerische Politiker sprechen von Wahlfreiheit. Einer Wahlfreiheit, die junge Leute nicht haben. Etwa 19 Prozent der arbeitslosen Frauen sind Alleinerziehende. Viele von ihnen müssen in München Stellenangebote abweisen oder können nach dem Ende der Elternzeit nicht an ihren Platz zurückkehren, weil sie keinen Betreuungsplatz für ihr Kind haben. Die Bundesarbeitsagentur spricht von "spezifischen Problemen, die auch im Zusammenhang mit persönlichen oder familiären Verpflichtungen zu sehen sind".

Gertrud Schmidt-Podolsky sieht das Problem nicht nur in fehlenden Krippenplätzen. "Die Arbeitgeber müssen umdenken", sagt sie. Wenn alle 30 Stunden arbeiteten, hätten alle mehr Zeit für die Familie. Und schließlich würde die Teilzeitarbeit, wenn auch Männer sie machten, ihr schlechtes Ansehen verlieren. Schmidt-Podolsky deutet damit noch einen und vielleicht den wichtigsten Grund für die Lohnungleichheit an: Frauenarbeit wird weniger wertgeschätzt.