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Lohn:"Das Gehalt ist unangemessen"

Kaum ein Studium sei so lernintensiv wie das der Pharmazie, sagt Stefan Laufer.

(Foto: privat)

Der Verdienst von Apothekern ist vergleichsweise gering. In Pharmaunternehmen wird meist besser bezahlt.

Stefan Laufer ist seit dem Jahr 2016 Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG). Der Apotheker und Professor für Pharmazeutische Chemie lehrt an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

SZ: Ist das Pharmaziestudium in seiner verschulten Art noch zeitgemäß?

Stefan Laufer: Der Aufbau des Studiums ist bundesweit einheitlich durch die Approbationsordnung für Apotheker geregelt. Die Studierenden sollen breit und auf dem höchstmöglichen Niveau ausgebildet werden, damit man einen für alle Bereiche gleichermaßen qualifizierenden Abschluss gewährleisten kann - von der Tätigkeit in der öffentlichen Apotheke bis zur Industrie. In acht Semestern funktioniert das nur mit einem Minimum an Wahlmöglichkeiten.

Warum wird die Regelstudienzeit dann nicht erhöht?

In vielen anderen europäischen Ländern dauert das Pharmaziestudium länger als vier Jahre, in den USA sogar zwischen sechs und sieben Jahre. Ich halte zehn Semester für ideal. Das ist ohne zusätzliche Gelder allerdings nicht machbar.

Welcher Voraussetzungen bedarf es?

Interessierte sollten bereit sein, das Lernen zu lernen, weil in kurzer Zeit viel Wissen gespeichert werden muss. Kaum ein anderes Studium ist derart lernintensiv wie das der Pharmazie. Es ist ein naturwissenschaftliches Studium, das Brücken zur Anwendung der Arzneimittel in der Medizin schlägt. Fehlende Kenntnisse in Chemie, Physik, Biologie und Mathematik rächen sich im Studium.

Wo können Pharmazeuten arbeiten?

Sie können in Krankenhausapotheken oder staatlichen Einrichtungen wie Ministerien und Behörden bei der Erarbeitung von Gesetzen mitwirken, bei Prüfinstitutionen Arzneimittel analysieren oder als Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr anfangen. Ein wichtiges Beschäftigungsfeld ist auch die pharmazeutische Industrie - von der Entwicklung über die Herstellung bis zur Zulassung und Qualitätssicherung von Arzneimitteln. Ein großer Teil der Absolventen entscheidet sich zwar nach wie vor für die Tätigkeit in einer öffentlichen Apotheke - es werden jedoch Jahr für Jahr weniger, weil die Berufsfelder außerhalb der klassischen Apotheke stärker werden. Oftmals gibt es dort auch besser geregelte Arbeitszeiten und mehr Gehalt.

Verdienen Apotheker so schlecht?

Das Gehalt ist unangemessen - verglichen mit der Ausbildung. Angestellte Apotheker werden tariflich bezahlt. Berufsanfänger verdienen nach dem Bundesrahmentarifvertrag im ersten Berufsjahr 3463 Euro brutto, ab dem elften 4199 Euro brutto. Höhere Gehälter gibt es in der Industrie. Die meisten Firmen bezahlen ihre Angestellten nach den Tarifen des Verbands angestellter Akademiker und leitender Angestellter der Chemischen Industrie (VAA). Mit Promotion sind es gut 77 000 Euro brutto im Jahr.

© SZ vom 20.09.2019

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