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Homosexualität am Arbeitsplatz:Wenn der Chef fragt, muss die Notlüge helfen

Symbolbild

(Foto: Simon Abrams / Unsplash)
  • Wer in Deutschland nicht heterosexuell ist, hält das am Arbeitsplatz in der Regel geheim. Das hat eine Studie des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group gezeigt.
  • Von den 4000 befragten Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern betrachtet es mehr als jeder fünfte als Karriererisiko, sich zu outen. Das kann für Unternehmen zum Nachteil werden.
  • In anderen Ländern herrscht am Arbeitsplatz größere Offenheit.

Deutsche Arbeitgeber und Kollegen sind offenbar nicht so offen gegenüber unterschiedlichen Lebensmodellen, wie es Diversity-Kampagnen vermuten lassen. Insbesondere Menschen mit einer nicht-heterosexuellen Orientierung haben es hierzulande schwer, ihre Identität offen zu leben. Das zeigt eine Umfrage der Boston Consulting Group.

Die Unternehmensberatung hat 4000 sogenannte LGBT-Menschen mit mehr als 60 Nationalitäten befragt. 85 Prozent der befragten deutschen Arbeitnehmer, die also schwul, lesbisch oder in anderer Weise nicht heterosexuell sind, würden sich laut der Umfrage outen, trauen sich aber nicht.

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22 Prozent der Interviewten betrachten es als Karriererisiko, ihre sexuelle Orientierung öffentlich zu machen. Und das, obwohl mehr als jede Dritte überzeugt ist, dass das ihr oder sein Leben viel einfacher machen würde. Vergleichsweise offen gehen dagegen Arbeitnehmer im Vereinigten Königreich, Brasilien und den USA mit ihrer sexuellen Identität um. 63 Prozent der befragten Briten haben sich in ihrem Arbeitsumfeld geoutet, der internationale Durchschnittswert liegt bei 52 Prozent.

In der Bundesrepublik dagegen haben sich nur 37 Prozent der Menschen, die befragt wurden, geoutet, ähnlich niedrige Zahlen wie in Italien, den Niederlanden und Spanien. 42 Prozent der Deutschen gaben sogar an, ihren Chef anzulügen, wenn der nach ihrer Beziehung fragt.

Gerade Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften kann mangelnde Offenheit schaden. Für die deutschen Befragten ist die LGBT-Freundlichkeit eines Unternehmens das wichtigste Auswahlkriterium bei einem neuen Arbeitgeber, vor Gehalt und Standort. Schon jetzt gibt es von Arbeitgebern zahlreiche Initiativen: Mehr als 3000 Unternehmen haben die "Charta der Vielfalt" unterzeichnet, in großen Konzernen widmen sich Mitarbeiter exklusiv dem Thema.

Der Kommunikationskonzern Vodafone etwa verleiht einen Award innerhalb der Firma an gute Vorbilder. Bei der Deutschen Bahn gibt es das firmeninterne Netzwerk "Railbow". "Viele Unternehmen sind zuerst das Thema 'Gender Diversity' angegangen", sagt Studienautorin Annika Zawadzki. "Nun definieren sie, welche weiteren Dimensionen von Diversity für sie wichtig sind. LGBT hat sicherlich noch nicht die Bedeutung, die das Thema haben sollte."

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