Lebenskunst ist ... ... sich von Neidern nicht beirren zu lassen

Neider setzen alles daran, anderen die Freude zu verderben. Damit ihr Vorhaben nicht sofort durchschaut wird, gehen sie nach einem Stufenplan vor. Stefan F. Gross weiß, wie man den durchkreuzt.

Von Stefan F. Gross

Kein Gewinn sind Neider. Ihr Haupt-Charakterzug besteht darin, dass sie alles ertragen, nur keine Menschen, die sich durch positive Merkmale von ihnen selbst unterscheiden.

Messer im Rücken: Erst heuchelt der Neider Anteilnahme, dann sticht er zu.

(Foto: Foto: iStock)

Das Unangenehme an Neidern ist, dass bereits Kleinigkeiten genügen, um ihrer Missgunst Nahrung zu liefern. Ein Kollege erhält eine Anerkennung. Eine Freundin kauft sich ein schickes Kleid. Ein Bekannter macht eine schöne Reise. Ein Nachbar leistet sich ein neues Auto. Alles das empfindet der Neider nicht als Teil der Normalität, sondern als Angriff auf sich persönlich. Warum hat er kein Lob bekommen? Warum ist er nicht so modisch gekleidet? Warum fliegt er nicht in den Süden? Und warum fährt nicht er das neueste Modell? Das sind die Fragen, die er der Welt und seinem Schicksal voller Vorwurf stellt.

Wer glaubt, dass sich der Unmut des Neiders nur auf materielle Dinge richtet, der irrt. Was den Neider wirklich zur Weisglut bringt, ist ein Mensch, der sich trotz aller Unwägbarkeiten des Lebens seine Heiterkeit und Zufriedenheit bewahrt hat. Wehe also, jemand erklärt dem Neider, dass das Leben voller Chancen sei und dass man genießen solle, was im Augenblick gut läuft. Eine Denkweise dieser Art stellt alles in Frage, was der Neider glaubt und was den Neider ausmacht.

Flächendeckende Verunglimpfung

Die Folge davon ist, dass der Neider alles daran setzt, einem anderen die Freude über ein angenehmes Ereignis zu verderben. Damit sein Vorhaben nicht sofort durchschaut wird, geht er dabei in einer Art Stufenplan vor. Der erste Schritt besteht in geheuchelter Anteilnahme: "Ihr neuer Fernseher ist wirklich toll." Als zweites folgt ein abwertender Spruch, der die vorangegangene Zustimmung wie ein Kartenhaus zusammenfallen lässt: "Nur schade, dass die Farben so blass herauskommen." Und als Abrundung folgt eine flächendeckende Verunglimpfung im Bekanntenkreis: "Ich kann gar nicht verstehen, wie man sich dieses Modell andrehen lassen kann. Hat doch ganz miese Testergebnisse!"

Kurz gesagt: Ohne Neider hätte die Welt ein Problem weniger. Lassen Sie sich deshalb vom Wirken der Neider künftig weniger beirren und belasten. Die folgenden drei Empfehlungen helfen Ihnen dabei:

1. Richtige Sichtweise Machen Sie sich klar, dass Erfolg auch Neid auslösen kann. Wollen Sie deshalb auf Erfolge verzichten? Wohl kaum! Am besten also, Sie sehen die Dinge wie Oscar Wilde: "Die Anzahl unserer Neider bestätigt unsere Fähigkeiten."

2. Keine Angeberei Viele Menschen schwanken innerlich, ob sie sich mit Ihnen über ein Ereignis freuen sollen oder nicht. Je weniger Sie Ihre Taten selbst loben, desto leichter machen Sie es den anderen, Ihnen Wohlwollen statt Neid entgegenzubringen.

3. Mehr Gelassenheit Denken Sie daran, dass Neid zu den "sieben Todsünden" gehört. In Wahrheit verdienen Neider deshalb unser Mitleid. Wer weiß, was ihnen später einmal blüht!

Und wie gehen Sie mit Neid und Neidern um? Bitte schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen!

Stefan F. Gross ist Managementdozent, Autor und Kolumnist. Er beschäftigt sich intensiv mit dem Thema der Verbindung von beruflichem Erfolg mit persönlicher Lebenskunst. Seine Kolumne "Lebenskunst" erscheint jeden Dienstag auf sueddeutsche.de.