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Langeweile im Büro:Der Chef spielt eine wichtige Rolle

SZ: Welche Rolle spielt der Chef?

Sauer: Eine sehr große. In zahlreichen Unternehmen führt der Vorgesetzte gar nicht, sondern erledigt selbst die Aufgaben, die hochinteressant sind. Problematisch ist es, wenn Vorgesetzte nicht delegieren, sondern alles an sich reißen.

SZ: Wie muss ein guter Chef sein?

Sauer: Er muss die Aufgaben klar formulieren. Informieren, delegieren und kontrollieren, das ist wichtig. Gerade die Kontrolle ohne Gängelung wird in Deutschland oft vernachlässigt. Doch die ist maßgeblich, damit der Chef sehen kann, ob die vorgegebenen Ziele erreicht werden können. Vielleicht braucht der Mitarbeiter Unterstützung oder irgendwelche Hilfsmittel, um die Aufgabe zu erfüllen. Es genügt nicht, einmal oder zweimal im Jahr ein Zielvereinbarungs-Gespräch zu führen. Vorgesetzte müssen ihre Mitarbeiter permanent unterstützen. Führungskräfte müssen mitbekommen, ob ihre Leute sinnvoll eingesetzt sind.

SZ: Bore-out bedeutet, dass Mitarbeiter den Sinn in der Arbeit nicht mehr sehen. Wie lässt sich das ändern?

Sauer: Mitarbeiter wollen heute einen sinnerfüllten Beruf allein schon deshalb, weil sie gut qualifiziert sind. Die Anforderungen an die Sinnhaftigkeit sind daher höher als vor fünfzig Jahren. Auf der anderen Seite ist die Komplexität gestiegen. Wenn man eine komplexe Aufgabe bekommt, ohne zu wissen, mit welchen Mitteln und in welcher Zeit die zu erledigen ist, dann hat man vielleicht ein Problem. Da sind wieder die Führungskräfte gefordert. Führung ist in zahlreichen Firmen eine echte Schwachstelle. Da muss mehr investiert werden.

SZ: Wie schaffen Vorgesetzte, dass sich die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit identifizieren?

Sauer: Führungskräfte müssen signalisieren, dass sie eine dienende Funktion gegenüber dem Unternehmen und den Mitarbeitern haben. Nicht wenige Führungskräfte finden sich großartig. Vorgesetzte müssen dafür sorgen, dass ihre Leute vernünftig arbeiten können. Wer seine Großartigkeit beweisen muss, ist ein schlechter Chef.

SZ: Wie erkennen Chefs die Stärken ihrer Mitarbeiter?

Sauer: Da gibt es für mich ein ganz einfaches Verb. Das heißt beobachten, beobachten, beobachten. Führung besteht darin, dass man schaut, wie sich Mitarbeiter in bestimmten Situationen verhalten, wie sie auf Arbeitsanforderungen reagieren und wie sie mit welcher Qualität in welcher Zeit ein Ergebnis abliefern. Daraus kann man schon viel ableiten.

SZ: Wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden durch Bore-out?

Sauer: Nach Untersuchungen des Bundesarbeitsministeriums fühlen sich z. B. 60 Prozent der bis 30-jährigen Arbeitnehmer in Deutschland unterfordert und könnten mehr leisten. Das ist enorm.