Kultusminister wollen Schnell-Abitur entschärfen

Das auf acht Jahre verkürzte Gymnasium (G8) soll schüler- und familienfreundlicher werden. Nach heftigen Debatten einigten sich die Kultusminister darauf, den Schülern mehr Zeit für individuelles Üben zu geben.

Von Tanjev Schultz

Das auf acht Jahre verkürzte Gymnasium (G8) soll schüler- und familienfreundlicher werden. Länder, in denen Eltern und Kinder über einen zu hohen Lerndruck klagen, wollen ihre Lehrpläne nachbessern. Darauf hat sich die Runde der 16 Kultusminister am Donnerstag in Berlin verständigt. Die Schulen sollen außerdem mehr Hilfe bei der Organisation des Unterrichts erhalten und verstärkt zu Ganztagsgymnasien ausgebaut werden, in denen sich Lern- und Erholungsphasen abwechseln.

Schulklasse in Bremen: in acht Jahren zum Abitur.

(Foto: Foto: ap)

Eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium wird es jedoch nicht geben. Auch die Zahl der Schulstunden, die bis zum Abitur vorgeschrieben sind, soll nicht reduziert werden. Sie soll aber flexibler gehandhabt werden dürfen. So sollen Übungsstunden und Projektarbeiten über den bisher schon üblichen Rahmen von fünf Stunden hinaus angerechnet werden. Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) deutete an, in Bayern könne es auch noch zur Reduktion der Pflichtstunden bis zum Abitur kommen, da das Land bisher über dem bundesweit vorgeschriebenen Pensum liege. Er lote aus, ob der "Verpflichtungscharakter" mancher Stunden aufgehoben werden könne, sagte Schneider der Süddeutschen Zeitung. Dies könnte bedeuten, dass es künftig im bayerischen G8 mehr Förderstunden als Wahlangebote gibt. Die Qualität des Abiturs müsse aber gewahrt bleiben, betonte Schneider.

Über die Frage, ob und wie das Stundenpensum gelockert werden könnte, kam es in der Kultusministerkonferenz (KMK) zu heftigen Debatten. Bundesweit sind derzeit 265 Wochenstunden von der fünften Klasse bis zum Abitur vorgeschrieben, also im G8 durchschnittlich etwa 33 Wochenstunden pro Schuljahr. Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte vor der Wahl in der Hansestadt gefordert, das Stundenpensum bis zum Abitur auf 251 zu senken. Sowohl die Lehrerverbände als auch etliche Kultusminister sehen dadurch aber die Qualität des Abiturs in Gefahr. "Wir können uns nicht auch noch eine Debatte über die Qualität des Abiturs leisten", sagte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD).

265 Wochenstunden bis zum Abitur

Die KMK-Präsidentin, Saarlands Bildungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, und Hamburgs Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig (beide CDU) hatten einen Vorschlag eingebracht, der eine völlige Flexibilisierung des Stundenpensums erlaubt hätte. Dies traf aber auf den Widerstand sowohl der SPD als auch Bayerns und der ostdeutschen Bundesländer. Am Ende einigten sich die Minister darauf, dass auch künftig 265 fachlich zugeordnete Wochenstunden bis zum Abitur nötig sind, diese jedoch nicht nur den regulären Unterricht, sondern auch Übungsstunden umfassen dürfen. Bisher konnten nur fünf Stunden Wahlunterricht auf die 265 Pflichtstunden angerechnet werden.

Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD) sagte, die Sorgen der Eltern und die Probleme der Schüler im G8 müssten "sehr ernst genommen werden". Schwierigkeiten gebe es aber derzeit vor allem in Ländern, die von der Union regiert würden. In Rheinland-Pfalz beginnt das G8 erst im kommenden Schuljahr und auch nur an Gymnasien, die zuvor ein Ganztageskonzept vorlegt haben. Schleswig-Holstein führt ebenfalls erst im kommenden Schuljahr das G8 ein.