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Kündigung:Wende im Fall Frikadelle

Fristlos entlassen wegen einer Frikadelle: Der Chef, der nach 34 Jahren einer Sekretärin gekündigt hatte, lässt offenbar von seiner harten Linie ab. Aber an der Kündigung hält er fest.

Nach 34 Jahren hatte der Bauverband Westfalen einer Sekretärin in Dortmund fristlos gekündigt - weil sie eine Frikadelle und zwei halbe Brötchen vom Buffet des Chefs gegessen hatte. Die Entlassung hatte vielfach Empörung ausgelöst. Doch nun scheint der Arbeitgeber eingelenkt zu haben.

Kleiner Happen mit großer Wirkung: Eine Frikadelle und zwei halbe Brötchen führten zur fristlosen Entlassung einer Sekretärin - doch nun kommt es vielleicht doch noch zu einer gütlichen Einigung.

(Foto: Foto: iStock)

Zwar sei die Kündigung nicht zurückgezogen worden, wie ein Pressesprecher des Bauverbandes Westfalen im Gespräch mit sueddeutsche.de klar stellte, es gebe jedoch außergerichtliche Gespräche mit dem Ziel einer "sozialverträglichen Lösung" des Konflikts.

In der ARD-Sendung "Anne Will" hieß es am Sonntagabend noch, dass der Arbeitgeber die Kündigung rückgängig machen wolle. Noch kurz vor der Sendung, die sich unter dem Titel "Wegen Frikadelle gefeuert - gnadenlose Arbeitswelt" mit Kündigungen wegen Bagatelldelikten befasste, habe ein Prozess vor dem Arbeitsgericht "unausweichlich" erschienen, berichtete Moderatorin Anne Will.

Doch dann habe sie gerade die folgende Meldung erreicht: "Der Arbeitgeber ziehe die Kündigung zurück. Er sei juristisch nicht gut beraten gewesen", sagte die Moderatorin.

Von einem Einlenken des Arbeitgebers berichtete auch die Bild-Zeitung - allerdings war hier nur von der Bereitschaft zu einem Vergleich die Rede. Bauverbands-Geschäftsführer Hermann Schulte-Hiltrop habe sich in einem offenen Brief bei der Sekretärin entschuldigt.

"Ich war mit einer fristlosen Kündigung [...] nicht besonders gut beraten. [...] Ich hätte mit mehr Fingerspitzengefühl handeln können", hießt es demnach in dem offenen Brief. Schulte-Hiltrop hoffe, dass die gefeuerte Sekretärin seine Entschuldigung annehme.

"Ich habe mich für die menschliche Härte dieser fristlosen Kündigung entschuldigt und ihr angeboten, einen Vergleich hinzukriegen. Wir sind sicher, dass wir eine gütliche Einigung außerhalb des Gerichts finden werden", zitierte das Blatt den Bauverbands-Geschäftsführer weiter.

Der Rechtsanwalt der Sekretärin, Wolfgang Pinkepank, begrüßte das Angebot: "Wir werden gemeinsam versuchen, die Kuh vom Eis zu bekommen. Meine Mandantin ist auch nach der Verhandlung nicht der Meinung, dass der Bauverband ein schlechter Arbeitgeber ist. Immerhin hat sie dort 34 Jahre gerne gearbeitet", schrieb die Zeitung weiter.

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