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Kündigung im Job:Im Abgang unsterblich

"Minister No More!" lautet eine der bekanntesten Kündigungen der politischen Welt. Diese und andere Beispiele zeigen: Man kann mit Haltung abtreten - und in Erinnerung bleiben.

Von Dorothea Grass

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Quelle: dpa, afp, AP, getty images. Collage: Jessy Asmus/ SZ.de

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Yanis Varoufakis war bis Anfang Juli 2015 der Finanzminister Griechenlands, dann postete er auf seinem persönlichen Blog unter der Überschrift "Minister No More!" sein Kündigungsschreiben. Er vergaß dabei nicht, seinem Ärger gegen die Ministerkollegen Luft zu machen. Die zeigten eine "gewisse Präferenz" dafür, dass er "abwesend" sei. Er als Linker wollte nicht an seinem Amt kleben. Ein Gutes hatte es auf jeden Fall, dass er den Job aufgab: Er musste sich nicht mehr "den Arm abhacken" - wie er befürchtet hatte.

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Greg Smith war bis zum März 2012 Vizepräsident des New Yorker Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen Goldman Sachs. Seinen Abtritt aus der Branche zelebrierte er in einem Artikel in der New York Times mit der Zeile "Why I am Leaving Goldman Sachs". Darin holte er zu einem Rundumschlag aus: "Die Umgebung hier ist so giftig und zerstörerisch, wie ich es noch nie erlebt habe", schrieb er etwa. Die Werte, die die Firma lebe, könne er mit seinem Gewissen nicht länger vereinbaren. Und auch erstaunliche Interna gab er preis: So würden die Angestellten von Goldman Sachs ihre Kunden im internen Mailverkehr zuweilen als "Muppets" bezeichnen. Deppen also.

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Als Steven Slater, Flugbegleiter des Anbieters Jet Blue, im August 2010 im Flugzeug mehrmals und ohne Erfolg einen Passagier darum bitten musste, nach der Landung zunächst sitzen zu bleiben, riss ihm der Geduldsfaden - und er nahm buchstäblich den Notausgang.

Wie es soweit kommen konnte? Die Legende will es, dass besagter renitenter Fluggast Slater mit dem Handgepäck eine überzog. Daraufhin machte der Stewart eine Bordansage, die es so wohl noch nicht gegeben hatte: "Ich arbeite nun seit 20 Jahren in diesem Business. Doch das war's jetzt, mir reicht es." Medienberichten zufolgte löste er daraufhin die Notrutschen aus, schnappte sich eine Bierdose und rutschte in die Freiheit.

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Chris Holmes, Sicherheitsmitarbeiter am Londoner Flughafen Stansted, schmiss an seinem 31. Geburtstag im Jahr 2013 mit einem besonderen Kündigungsschreiben den Job - in Form eines kunstvoll verzierten Kuchens. In Zuckergussschrift formulierte er seine Kündigung, und kündigte an, seinen Traum vom Leben als Zuckerbäcker zu verwirklichen.

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Jonathan Schwartz, ehemals CEO von Sun Micro, kündigte 2010 fast schon auf poetische Weise. Er schrieb ein Haiku und veröffentlichte es auf Twitter: "Financial crisis/Stalled too many customers/CEO no more."

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Kevin Nalty ist ein unter dem Namen "Nalts" erfolgreicher Youtube-Comedian, der auch als Berater für virales Marketing arbeitet. Laut Wikipedia wurden seine Videos mehr als 225 Millionen mal angeklickt (was erstaunlich erscheint, wenn man sich zum Beispiel einen seiner größten Erfolge, das Video "Farting in public", ansieht).

Eine Zeit lang war Nalty zum Broterwerb als "Product Director" bei der Pharmafirma Merck tätig. Wie er dort kündigte, um sich fortan nur noch seiner Leidenschaft, dem Drehen von Internetvideos, zu widmen? Natürlich per Video. Der Film, in dem er eine Version des Mariah-Carey-Lieds "Treated me kind" Playback singt und dabei in schwarzen Lettern "Do what you love" (Tu, was Du liebst) auf die Brust geschrieben hat, wurde ein großer Erfolg.

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Die Programmiererin Karen X. Cheng schnappte sich 2012 eine Gitarre und eine Videokamera, um ihre Kündigung beim Software-Unternehmen Microsoft vorzutragen und schließlich bei Youtube hochzuladen. Zur Melodie von "American Pie" sang sie "Bye bye, Excel and I".

Im Unterschied zu vielen anderen Beispielen ist bei Cheng allerdings von Bitterkeit keine Spur zu bemerken. Gut gelaunt erzählt sie in ihrem Lied, es habe ihr Spaß gemacht, Zellen und Zahlen im Excel-Programm tanzen zu lassen. Doch nun ziehe sie es vor, nach San Francisco zu gehen, um dort als Designerin zu arbeiten.

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Der US-amerikanische Talkmaster Conan O'Brien reagierte ziemlich angefressen, als er 2010 mitbekam, dass die von ihm moderierte Tonight Show beim Sender NBC auf einen Sendeplatz nach Mitternacht rutschen sollte, um einer Show von Jay Leno Platz zu machen. O'Brien kündigte per Pressemitteilung.

Sein Ärger klang von der ersten bis zur letzten Zeile durch. Die Verschiebung verändere nicht nur die komplette Sendung, schrieb er. Sie sei auch unfair gegenüber seinem Kollegen Jimmy Fallon, dessen Sendeplatz sich noch weiter in die Nacht verschieben würde. Doch dann folgte ein P.S., das darauf schließen lässt, dass ihm sein Humor auch in dieser bitteren Stunde erhalten blieb: "Ich entschuldige mich wirklich für meine Haare, sie sahen schon immer so aus."

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Und - weil sie so schön ist - zum Abschluss eine Kündigung aus der nicht-realen Welt. Als Lester Burnham, Hauptfigur des Films "American Beauty" von 1999 und verkörpert von Schauspieler Kevin Spacey, genug von seiner Arbeit in einem Zeitschriftenverlag hat, legt er eine Vorstellung hin, die wohl manchen frustrierten Mitarbeiter von so viel Chuzpe träumen lässt. Mit einem Lächeln auf dem Lippen gesteht er seinem Chef: "14 Jahre lang bin ich eine Hure der Werbebranche gewesen, ich könnte mich nur noch dadurch retten, in dem ich Brandbomben werfe."

Sein nächster Job macht ihn schließlich glücklich. Er wird Verkäufer in einer Fast-Food-Kette, weil er dort endlich "so wenig Verantwortung wie möglich" trägt.

© SZ.de/dgr/jobr
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