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Kryptische Stellenanzeigen:Floskeln können viel verraten

Hauptsache Englisch: Neumodische Berufsnamen verwirren viele

In Stellenanzeigen sind die Berufsbezeichnungen heute oft englisch - viele Bewerber können nur ahnen, was ihre Aufgaben sein könnten.

(Foto: dpa)

Gerade Berufsanfängern sind Stellenanzeigen oft ein Rätsel. Ist fließendes Englisch wirklich immer ein Muss? Und bei welchen Signalwörtern sollten sich Jobsuchende eine Bewerbung zweimal überlegen?

Stellenanzeigen können richtig lustig sein - unfreiwillig. Zum Beispiel bei der Bundesbank: Um dort als Reinigungskraft zu arbeiten, sollten Bewerber - zusätzlich zur mehrjährigen Joberfahrung in der Raum- und Möbelpflege natürlich - das Silberne Rettungsschwimmerabzeichen, Erfahrungen in der Gastronomie und PC-Kenntnisse mitbringen.

Zugegeben, das Beispiel ist extrem. Sonst wäre es auch nicht für die "Goldene Runkelrübe" nominiert. Ins Leben gerufen von zwei Personal-Spezialisten und vergeben nach dem Votum des Internetpublikums, zeichnet der Preis unter anderem die schlechteste Stellenanzeige des Jahres aus. "Wir haben uns darüber geärgert, was sich manche Unternehmen an Personalkommunikation erlauben", sagt Personalberater Henner Knabenreich, einer der beiden Runkelrüben-Initiatoren.

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Jobsuche kann auch Spaß machen. Dann nämlich, wenn Arbeitgeber bei der Stellenanzeige kreativ werden - und grandios scheitern. Der Schmähpreis "Goldene Runkelrübe" zeichnet Beispiele peinlicher Personalkommunikation aus.

Aber worauf müssen Bewerber wirklich achten, wenn sie sich erfolgreich auf eine ausgeschriebene Stelle bewerben wollen? Ist fließendes Englisch wirklich immer ein Muss oder reichen vielleicht auch ganz normale Schulkenntnisse? Und wie versiert muss eigentlich der Umgang mit "den gängigen Office-Anwendungen" sein?

"Unternehmen wissen selbst nicht genau, wen oder was sie suchen"

"Ich habe oft den Eindruck, die Unternehmen wissen selbst nicht genau, wen oder was sie suchen. Also packen sie einfach alle möglichen Anforderungen in die Stellenanzeige", sagt Knabenreich. Für Jobsuchende macht es das schwierig, vor allem, wenn sie in Sachen Bewerbung unerfahren sind.

Denn die Sprache der Personaler ist nicht völlig zufällig - ihre Floskeln können geübten Lesern sogar viel verraten. Signalwörter wie "Belastbarkeit" oder "Reisebereitschaft" deuten etwa häufig auf einen stressigen Job und viele Abende in Hotels hin. Und wenn der Bewerber "flexibel" und "motiviert" sein soll, kann das einen spannenden Job bedeuten - oder, dass man verheizt wird. "Ich kann immer nur raten, über das Unternehmen weiter zu recherchieren", so Knabenreich. "Anhand der Ergebnisse kann man dann leichter entscheiden, ob man sich bewerben will."

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Wie muss ein Bewerbungsschreiben aussehen? | Darf ich im Lebenslauf schummeln? | Was gilt es im Vorstellungsgespräch zu beachten? | Wie läuft ein Assessmentcenter ab? Der Bewerbungs-Ratgeber von SZ.de gibt Tipps.

Sind Stelle und potenzieller Arbeitgeber attraktiv, entscheiden Gefühl und Auftreten des Bewerbers. "Natürlich versuchen wir, Anzeigen so realistisch wie möglich zu formulieren. Trotzdem sind auch immer Punkte dabei, die ein Kann sind", sagt Marion Blatt, Leiterin Personal beim Druck-Spezialisten Cewe. "Wir schmücken das mit wenigen Phrasen aus, weil es beiden Seiten nicht weiterhilft", sagt auch Jan Butenhoff, Personaldirektor im Bremer Stammwerk des Satellitenbauers OHB.