Kritik am Bildungssystem Enttäuschte Eltern

Föderalismus abgeschafft, der Nachwuchs lernt länger gemeinsam - und auf teuren Privatschulen: Dürften Eltern in Deutschland entscheiden, sähe das Bildungssystem völlig anders aus.

Wenn Eltern minderjähriger Kinder in Deutschland entscheiden dürften, wäre der Föderalismus in der Bildung längst Vergangenheit. Das geht aus einer am Montag in Berlin präsentierten Forsa-Umfrage hervor.

Eltern wünschen, dass bundesweit gleiche Bedingungen und Anforderungen für die Kinder geschaffen werden.

(Foto: Foto: ap)

Demnach fordern 91 Prozent der Befragten, dass der Bund und nicht mehr die Länder für die Bildung und damit auch das Schulsystem verantwortlich sein sollte. So sollen bundesweit gleiche Bedingungen und Anforderungen für die Kinder geschaffen werden. Dazu sollen unter anderem Lehrpläne und Abschlüsse vereinheitlicht werden.

Hintergrund sind Klagen vieler Eltern, bei einem Umzug von einem in das andere Bundesland mit völlig anderen Lernbedingungen und Lehrplänen für ihre Kinder konfrontiert zu werden.

Zu viele Fördertöpfe

Die große Unzufriedenheit spiegelt sich in der Absage an das staatliche Schulsystem wider: Über die Hälfte der Eltern (54 Prozent) würden ihren Nachwuchs lieber auf eine Privatschule schicken - wenn sie es sich leisten könnten. Ein großer Kritikpunkt am öffentlichen Schulsystem ist eine zu frühe Trennung der Kinder in verschiedene Schulformen (64 Prozent).

Enttäuscht sind die meisten Eltern der Umfrage zufolge auch darüber, was der Staat ihnen finanziell zugute kommen lässt. Der Aussage: "Es gibt so viele unterschiedliche Fördertöpfe, dass keiner durchblickt und viele Eltern das Gefühl haben, bei ihnen kommt nichts an", stimmten 81 Prozent der Befragten zu. Dass der Staat die Fördermittel gerecht verteilt, finden nur 22 Prozent.

Wenn sich Eltern eine finanzielle Förderung wünschen dürften, stünde eine Grundsicherung für jedes Kind von bis zu 400 Euro auf Platz eins (35 Prozent). Auf den Plätzen folgen kostenlose Betreuung im Kindergarten (34 Prozent), mehr Kindergeld (31 Prozent) sowie eine vollständige Absetzbarkeit der Kosten für Kinderbetreuung, Schule oder Haushaltshilfe (25 Prozent).

Trotz der familienpolitischen Offensive von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sehen über die Hälfte der Befragten (54 Prozent) weiter Probleme darin, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. 43 Prozent schlagen zur Erleichterung vor, Angebote zur Kinderbetreuung zu flexibilisieren. Helfen könnten nach Ansicht von 37 Prozent auch verbesserte Angebote für Teilzeitarbeit mit Zeitkonten und breitere Angebote für flexible Arbeitszeiten (35 Prozent).

Keine Qualitätsdebatte

Fast drei Viertel der Eltern (72 Prozent) meinten dementsprechend, sie hätten von der "Betreuungsoffensive" von der Leyens so gut wie nichts gemerkt. Zu wenig Betreuungsplätze gebe es vor allem für Kinder unter zwei Jahren (62 Prozent). Eine Qualitätsdebatte findet der Umfrage zufolge allerdings bislang kaum statt.

Trotz der Unzufriedenheit unterscheiden sich die Eltern in ihrem Wahlverhalten kaum von der Gesamtbevölkerung. 35 Prozent würden - Stand Mai - bei der Wahl für die Union votieren, 26 Prozent für die SPD, 14 Prozent für die FDP, 13 Prozent für die Grünen und acht Prozent für die Linken.

Für die repräsentativen Studie "Wenn Eltern die Wahl haben" im Auftrag der Zeitschrift Eltern befragte Forsa vom 18. bis 28. Mai 450 Väter und 550 Mütter von Kindern unter 18 Jahren. In Deutschland leben rund 14 Millionen minderjährige Kinder. Welchen Anteil die Eltern an der Gesamt-Wahlbevölkerung haben, ist laut Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner nicht errechnet.