Krisenkommunikation:Eine Art Handlungsanleitung für schwierige Momente

Doch nicht alle Rettungskräfte sind - wie Franziska Lipka - intuitiv in der Lage, in der belastenden Situation das Richtige zu tun. Der Psychologieprofessor Frank Lasogga von der Technischen Universität Dortmund begründete Ende der 1980er-Jahre mit seinem Kollegen Bernd Gasch das Fachgebiet der Notfallpsychologie in Deutschland, mit dem Ziel, Rettungskräften und Laienhelfern Tipps für den Ernstfall an die Hand zu geben. "Wir waren beide kurz zuvor in Situationen geraten, wo wir Ersthelfer bei Unfällen waren", erzählt Lasogga. "Und obwohl wir Psychotherapeuten waren, hätten wir uns gewünscht, eine Art Handlungsanleitung für diese schwierigen Momente zu haben. Wir gingen zur Polizei, aber auch die sagten: Dazu haben wir nichts gelernt."

Also entwickelten die beiden Psychologen in Absprache mit professionellen Helfern und Betroffenen einen notfallpsychologischen Leitfaden, eine Anleitung für die Kommunikation mit Schwerverletzten, Gewaltopfern und den Angehörigen unvermittelt Verstorbener. Gerade in letzterem Falle sollten die Überbringer der Todesnachricht mit vielfältigen Reaktionen wie Weinen, Schock oder auch Apathie rechnen, sagt der Psychologieprofessor.

"Umso wichtiger ist, dass Überbringer von Todesnachrichten bestimmte Regeln beherzigen: Sie sollten sich unbedingt mit Namen vorstellen und die Institution benennen, von der sie kommen. Und sich vergewissern, dass sie es mit der richtigen Person zu tun haben", sagt Lasogga. "Wenn sie eintreten dürfen, sollten sie in kurzen, einfachen Sätzen eindeutig von 'Tod' oder 'verstorben' sprechen." Anschließend sollten die Helfer vor Ort bleiben und den Empfängern Zeit geben, das Gehörte zu verarbeiten, aktiv zuhören, gegebenenfalls Fragen beantworten oder anderweitige Hilfe anbieten. "Bei der Notfallpsychologie geht es ja nicht nur um die psychische Erste Hilfe, sondern auch um die Prävention - also darum, eine akute Belastungsreaktion oder posttraumatische Belastungsstörung bei den Betroffenen zu verhindern."

"Ich kann durch meinen Beruf mein Leben viel mehr wertschätzen"

Ob angehende Polizisten, Ärzte, Rettungssanitäter oder auch Personalchefs die Regeln der Notfallpsychologie erlernen, hängt überwiegend vom individuellen Engagement ihrer Ausbilder oder ihrer Eigeninitiative ab. Verpflichtend ist gar nichts, die Bundesländer organisieren ihre Notarzt- und Polizeiausbildungen sowie die Rettungsdienstleitstellen unterschiedlich. In vielen Gegenden Deutschlands unterstützen mittlerweile ehrenamtliche Helfer des Kriseninterventionsteams des Deutschen Roten Kreuzes die Beamten - eine gute Entwicklung, um die professionellen Helfer zu entlasten, die ja oft nach kurzer Zeit wieder los müssen, zum nächsten Einsatz.

Notärztin Franziska Lipka liebt ihren Job dennoch, trotz aller traurigen Momente. "Es gibt viele schöne Einsätze", sagt sie. "Und ich kann durch meinen Beruf mein Leben viel mehr wertschätzen. Ich weiß, es könnte jeden Moment alles vorbei sein. Seitdem genieße ich jeden Tag bewusster."

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