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Krankmeldungen:Gegen Verschnupfungen aller Art

Attest per Fax schicken

Auch bei häufigen Kurzerkrankungen ist eine Kündigung nur schwer möglich. ,,Dazu müssen schon deutlich mehr als 30 Krankheitstage pro Jahr vorliegen", so der Arbeitsrechtsexperte. Die Kündigung sei außerdem nur zulässig, wenn der Arbeitgeber von weiteren Erkrankungen in der Zukunft ausgehen müsse und ihm deshalb eine weitere Zusammenarbeit nicht zuzumuten sei. Um eine solche Prognose erstellen zu können, muss der Krankheitsverlauf der vergangenen beiden Jahre analysiert werden.

Sind die Kurzerkrankungen allerdings auf einen früheren Arbeitsunfall zurückzuführen, erwarten Arbeitsgerichte eine erhöhte Rücksichtnahme von den Unternehmen. "Es sind also noch mehr als 30 Krankheitstage erforderlich, damit gekündigt werden kann", sagt Daub.

Urlaubsanspruch hält sich

Besonders ärgerlich ist es, im Urlaub zu erkranken. Auch hier rät der Experte, den Arbeitgeber so schnell wie möglich über die Erkrankung und ihre voraussichtliche Dauer zu informieren. Auch die Adresse am Aufenthaltsort sollte mitgeteilt werden. Sinnvoll sei es zudem, dem Arbeitgeber ein Attest per Fax zu schicken. Zumindest der Urlaubsanspruch wird während der Krankheit nicht verbraucht - die Zeit der Erkrankung muss dem Arbeitnehmer also wieder gutgeschrieben werden.

Doch darf man während einer Erkrankung auch in den Urlaub fahren oder zumindest tagsüber das Haus verlassen? "Erlaubt ist grundsätzlich alles, was dem Heilungsprozess nicht schadet", sagt der Arbeitsrechtler. Eine längere Abwesenheit von daheim sollte aber in jedem Fall mit dem Arzt abgeklärt werden. Am besten spricht man mit seinem Arbeitgeber, um das Vertrauen und das Arbeitsklima nicht zu belasten. "Man sollte bedenken, dass der Chef von den Aktivitäten während der Krankheit erfahren könnte. Je nachdem, was der Arbeitnehmer macht, gerät er dann leicht in den Verdacht zu simulieren oder sich genesungswidrig zu verhalten." Nicht selten würden verhaltensbedingte Kündigungen ausgesprochen, wenn der Chef glaubt, der Arbeitnehmer sei nicht krank.

Burnout und Depressionen

Ist man nicht selbst erkrankt, dafür aber das eigene Kind, besteht ein sogenannter Freistellungsanspruch. Einen solchen haben Mutter oder Vater, wenn ein Arzt der Meinung ist, das Kind müsse zu Hause betreut werden. "Ein Freistellungsgesuch ist allerdings nur möglich, wenn es keine andere Aufsicht im Haushalt gibt", sagt Daub.

Der Arbeitgeber muss übrigens auch dann den Arbeitsplatz freihalten, wenn man für eine unbefristete Zeit krankgeschrieben wurde. Dies gilt vor allem bei psychischen Erkrankungen, Burnout oder Depressionen. "Erst vollständig auskurieren, dann wieder arbeiten", heißt Daubs Devise. Und die gilt sowohl bei langwierigen Erkrankungen als auch bei kurzen Erkältungen. Schließlich sollen keine Kollegen angesteckt werden. "Außerdem hat der Arbeitgeber die Fürsorgepflicht, seinen kranken Mitarbeiter nach Hause zu schicken, wenn er sich am Arbeitsplatz nur herumquält", sagt Stefan Daub. Denn: "Nur ein gesunder Arbeitnehmer kann gute Arbeit abliefern."

© SZ vom 13.12.2008/bön
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