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Kommunikation im Job:Denken Sie mit oder scrollen Sie nur?

Das Smartphone kann Besprechungen beleben - aber auch zerstören.

Smartphone-Dilemma: Aus der kurzen Recherche während einer Besprechung kann schnell eine längere Ablenkung werden.

(Foto: imago/Westend61)

Smartphones in Besprechungen sind ein Streitthema in vielen Unternehmen. Dabei könnten sie die Zusammenarbeit sogar verbessern.

Wie lange wird man sich noch erinnern an jene Zeit, als die Menschheit noch nicht ganztägig auf kleinen Bildschirmen herumwischte? Damals blätterten die Leute im Bus in riesigen Zeitungen statt auf Kleinstgeräte zu starren. Fremde fragten einen nach dem Weg. Paare schwiegen sich im Restaurant tatenlos an statt verstohlen ihre Mails abzufragen. Personen, die auf offener Straße laut Selbstgespräche führten, hielt man für verrückt, inzwischen handelt es sich meist um Wichtigtuer mit Freisprechanlage.

Vor zehn Jahren kam das erste iPhone auf den Markt, seitdem scheint die Kommunikation aus den Fugen geraten zu sein. Es wird zu wenig geredet, klagen die einen. Es wird zu viel geredet, klagen die anderen. Es wird das Falsche geredet, sagen Dritte.

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Fakt ist: Smartphones sind Teil des Lebens geworden - privat wie beruflich. Bei Besprechungen hat man sich daran gewöhnt, dass die zuckenden, fiependen Dinger mit am Tisch sitzen. Im Großraumbüro gesellen sich zum Dauerklingeln der Telefone das Klicken, Platschen, Klopfen ankommender Botschaften. Konferenzen werden durchs Daddeln unterhalb der Tischkante erträglicher, und im Aufzug rettet einen der Blick auf den Bildschirm vor quälendem Smalltalk.

Neue Technologien befördern Gespräche sogar, sagt die Expertin

Machen Smartphones den Berufsalltag nun besser oder schlechter? Sind sie Lust oder Frust? Angela Keppler beschäftigt sich schon lange mit solchen Fragen. Die Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität Mannheim hat in diversen Studien untersucht, wie technische Medien Teil des Alltags werden. Ihr Fazit: Kommunikation hat sich durch ihre ständige Verfügbarkeit dauerhaft verändert. Von einem Verkümmern der Gesprächskultur kann aber keine Rede sein.

Die neuen Technologien befördern und beleben vielmehr Gespräche. Man überprüft mal eben Tatsachen, erledigt manches nebenbei oder bezieht Abwesende in die Unterhaltung ein - alles Dinge, die bis vor Kurzem undenkbar waren, die jedoch eine Besprechung bereichern und beschleunigen können.

Trotz aller Faszination und Bequemlichkeit, die mit den Allround-Telefonen einhergehen - es bleibt ein Unbehagen. "Wir kommunizieren gleichzeitig mit Anwesenden und Abwesenden, damit geht Aufmerksamkeit verloren", sagt Keppler. "Und das wirkt auf viele unhöflich."