Kolumne "Was ich am Job hasse":Lest ihr selbst, was ihr da schreibt?

Kolumne "Was ich am Job hasse": Nur ein fehlerfreier Satz! Das wäre doch schön.

Nur ein fehlerfreier Satz! Das wäre doch schön.

(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Es ist nicht allein die Menge an Mails, die nervt. Es ist die Art, wie sie verfasst sind.

Kolumne von Katja Schnitzler

Wenn die Kollegen Mails wenigstens noch mal lesen würden, bevor sie auf Senden tippen. Dann wäre Kollege T. vielleicht aufgefallen, dass er mich per Großbuchstaben anschreit, weil die Shift-Taste mal wieder zu nah an der Feststelltaste war. Und ich frage mich nach dem lautstarken "BESTE GRÜSSE", ob ich in letzter Zeit versäumt habe, dem Kollegen T. auf dem Flur das tägliche "Schön, dass du da bist!" entgegenzuschmettern.

Die Kollegen machen es sich viel zu einfach: Als ob sie sich mit einer Nachricht, die sie per Klick&weg versenden, keine Mühe geben müssten. Im beruflichen Mailverkehr gehört daher der Doppeldecker - erst ohne Anhang, dann mit - schon zum nervtötenden Bürostandard. Und auch sonst leben die lieben Kollegen ihre Marotten bei Mails aus.

Kollegin B. etwa - die Unvollendete - pflegt ihre Mails mittendrin abzubrechen, gerne nach dem Halbsatz: "Besonders wichtig ist, dass du ..." Regelmäßige Pausen einplanst? Zu Ende denkst? Was nur, was?

Oder Kollege A., der faule Kopist: Er macht sich nicht die Mühe, das gesamte Skype-Gespräch mit anderen Beteiligten im Kern zusammenzufassen, bevor er das Thema per Mail in die Bürowelt verbreitet. Er löst das mit Copy&Paste, sämtliche LOL-Emoticons inklusive. OMG.

Und erst Kollegin T., die Unermüdliche: Sie schickt auch dann noch nahezu aussagefreie Antwortmails ("Alles klar", "Okay, danke", "Bis später", "Melde mich dann wieder"), wenn die Konversation vier Mails zuvor beendet war.

Doch am schlimmsten und häufigsten sind die Fehler-Ignoranten, die ihren Adressaten zumuten, sich den Sinn ihrer Mail aus dem Buchstabensalat selbst zusammenzureimen. ("Treffn um %, vitte püntklich!")

Nur ein fehlerfreier Satz, das wäre schön

Wie schön war es, als sich Menschen zum Briefeschreiben noch Zeit nahmen. Als sie mit Tintenfässchen und Siegellack das Schriftstück zeremoniell vorbereiteten für die lange Reise, das Papier benetzt mit einem Hauch Parfum zur Erquickung des Empfängers. Und auch der Inhalt war wohlbedacht - bei einigen wenigen so sehr, dass ihre geistreichen Briefwechsel zu Literatur wurden.

Natürlich können wir im Büroalltag zur nächsten Themensitzung nicht mit einer ziselierten, tiefsinnigen Mail laden, über die das Literarische Quartett gejubelt hätte - so viel Zeit muss wirklich nicht sein. Aber ein, nur ein fehlerfreier Satz! Das wäre doch schön. Ohne Buchstaben-Dreher, ohne Grammatik-Verstümmelung. Schlicht und einfach richtig. Nicht so wie Kollegin Z., die mit ihrer wöchentlichen Rundmail ohne Punkt und Komma, wahrscheinlich auch ohne Sinn und Verstand, nervt. Jede Brieftaube hätte sich geschämt, so etwas auszuliefern.

"Die nächste Kauderwelsch-Mail von Kollegin Z. drucke ich auf DIN A3 aus und hänge sie korrigiert ans Schwarze Brett! Eine Unverschämtheit, und herablassend noch dazu!! Einfach respektlos!!!", wüte ich ausrufzeichenreich. Leider mache ich das schriftlich. Noch bedauerlicher ist, dass ich statt auf Weiterleiten zum Lieblingslästerkollegen auf Antworten klicke. An alle.

© SZ.de/sks/rus
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