Kolumne "Was ich am Job hasse" Kollegenschwein mit fremden Federn

Mancher Kollege schafft es immer wieder, alle anderen in den Schatten zu stellen, obwohl sie die ganze Arbeit machen.

(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Manche Kollegen sind faul und fies: Erst lassen sie die anderen schuften, dann sacken sie den Lohn für die Mühen ein.

Kolumne von Katja Schnitzler

Wäre Kollege G. ein Hahn, würde er sich mit Pfauenfedern schmücken. Und die Pfauen zerrupft hinter sich lassen auf seinem Weg die Hühnerleiter hinauf nach ganz oben. Herr G. ist ein Kollegenschwein und eine Rampensau noch dazu, um bildlich im Zoo zu bleiben. Er stiehlt Lob, Komplimente und Anerkennung. Nur wenn der Chef tadelt, will er es nicht gewesen sein.

Da ist er dann so zurückhaltend, beinahe unsichtbar, wie er es in der Arbeitsphase des Projekts war. Bei der Planung wirkte G. zwar recht aktiv, schließlich fiel diese noch in den Aufmerksamkeitsradar des Chefs. Kollege G. tat sich dabei mit seinen Lieblingseinwürfen "da müsste man doch ...", "man sollte dringend ..." und "auf keinen Fall darf man vergessen ..." hervor. Allerdings ist nicht nur mir seit langem klar: Mit "man" meint Kollege G. nie sich selbst.

Nur der Chef blinzelt weiter beeindruckt in die verbalen Blendraketen, die G. in einem guten Licht dastehen lassen. Der Chef denkt: Kollege G. wuppt das Projekt, ich weiß es in den besten Händen! Das Team denkt: Begegne du mir mal allein in der dunklen Kaffeeküche!

Büro-Typologie

Blender, Arbeitstier oder schwarzes Schaf?

Denn G. schafft es immer wieder, alle anderen in den Schatten zu stellen, obwohl sie die ganze Arbeit machen. Ich nutze die Präsenz der Führungskraft, um G. auf eine Aufgabe festzunageln: Ob er also das schwer umzusetzende "man sollte dringend" übernehme?

"Würde ich wirklich sehr gerne", erdreistet sich G. zu sagen, ohne Erröten oder plötzliches Längenwachstum der Nase. Nur leider, leider müsse er ja die Planung für das andere Projekt des Chefs noch ausarbeiten. Wenn er damit aber durch sei ...

Kaum naht der Chef, springt G. aus dem Büro

Später erfahre ich, dass er diese Planung längst auf die neue und noch unerfahrene Mitarbeiterin C. abgewälzt hatte, die gute Seele, die seine honigsüßen Sprüche noch nicht durchschaut hat ("Du würdest mir wirklich aus der Klemme helfen, ich wäre dir ewig dankbar. Ewig!"). Sie wird schon bald merken, dass diese Ewigkeit bei G. tatsächlich kein Anfang und kein Ende hat - es gibt sie gar nicht. In der Regel vergisst er zu erwähnen, wenn er dem Chef die fertige Planung überreicht, dass er das Ergebnis lediglich ausgedruckt, gelocht und in eine ansehnliche Mappe gehüllt hat.

Auch während der Realisierungsphase des Team-Projekts verschwindet Kollege G. in der Versenkung. Er ist höchstens als flüchtiger Schatten auf dem Flur wahrnehmbar, der sich in die Ecken und vor der Arbeit drückt. Außer der Chef naht, dann springt G. wie ein Schachtelteufel aus seinem Büro, eifrig in Unterlagen blätternd, die sich bei genauerem Hinsehen als Ausdruck seiner aktuellen Aktienkurse entpuppt hätten.

Erst kurz vor der Präsentation meldet sich G. wundersamerweise von ganz allein beim Team: Wir werden misstrauisch, als er sich anbietet, das Skript nochmal auf Fehler durchzusehen. Aber wir sind unaufmerksam, da erschöpft. Schließlich haben wir in letzter Zeit hart gearbeitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, findet offenbar auch G.

Fast als wäre er dabei gewesen

Wir stehen im betriebseigenen Theater namens Konferenzraum, um gemeinsam unser Teamwork vorzustellen nach dem Motto: geteilte Arbeit, geteiltes Lob. Doch schon nach drei Sätzen geht etwas gewaltig schief: Kollege G. tritt vor, zentriert das Scheinwerferlicht auf sich und spricht souverän von gefährlichen Klippen, die er zu umschiffen hatte, von Untiefen, die ihn beinahe aufhielten, und von hohem Seegang, dem er trotzte.

Es klingt fast, als wäre er dabei gewesen. Als Kapitän, nicht als blinder Passagier.

Wir sind fassungs- und leider auch sprachlos. Der Chef ist begeistert: "Dieser G., ein Teufelskerl, wie der das immer wieder hinbekommt!" Gönnerhaft nickt er ihm zu. Und mustert kritisch den reglosen Rest vom Team, der sich da so lethargisch im Hintergrund hält und ungläubig blinzelt. Was machen eigentlich die den ganzen Tag, während G. schuftet?

Was ich am Job hasse Lest ihr selbst, was ihr da schreibt?
Was ich am Job hasse
Kolumne "Was ich am Job hasse"

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Es ist nicht allein die Menge an Mails, die nervt. Es ist die Art, wie sie verfasst sind.   Kolumne von Katja Schnitzler