Körpersprache von Frauen im Büro:Frauen müssen sich mehr anstrengen

Trotz Gleichberechtigung müssen sich Frauen mehr anstrengen. Die Frage ist nun: Was kann frau in bestimmten Situationen tun, um zu vermeiden, aufgrund ihrer sozialverträglicheren Körpersprache ins Hintertreffen zu geraten? Denn allem Anschein nach bringen Männer hier von Natur aus etwas mit, das Frauen sich erst erarbeiten müssen. Doch wie? Maskuline Verhaltensweisen an den Tag legen? Auf männliche Einsicht warten? Beides hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Körpersprache ist stets Ausdruck unserer Emotionen. Und da sie einen Wirkanteil von mehr als 50 Prozent an der Kommunikation hat, sollte man diesen Aspekt nicht außer Acht lassen. Wer die Karriereleiter stringent aufwärtsklettert, wird auf dem Weg zur Führungskraft, also einer Machtposition, nach und nach eine Körpersprache entwickeln, die entsprechende Signale sendet.

Frauen sollten jedoch bedenken, dass Gleichberechtigung noch lange nicht Gleichbehandlung bedeutet. Mehr als Männer sollten sie daher einige Dinge beachten: Ein fester Händedruck, ein entschiedener, klarer Auftritt, ein unverbindliches Lächeln (anstelle eines verbindlichen Lächelns, das die Erwartung und damit die Abhängigkeit von einer Reaktion zeigt) und vor allen Dingen: ein gerader, offener Blick, der auch mal einen Moment des Abwartens oder Schweigens erträgt.

Auch der Tonfall, in dem Anfragen und Aufträge vorgetragen beziehungsweise vermittelt werden, ist entscheidend. So ist die oben zitierte Frage: "Könnten Sie das bitte bis morgen erledigen?" im Normalfall ohnehin rhetorisch, eine Antwort hierauf wird nicht erwartet. Wieso also nicht gleich eine Anordnung erteilen? Das Wort "bitte" darf man dennoch getrost mit einbauen.

Wer dieses Vorgehen mit Überzeugung praktiziert, wird spüren, dass sich auch die dazugehörige innere Haltung von Mal zu Mal stärker entwickelt, bis sie zur Selbstverständlichkeit wird. Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass dies ohne Übung nicht funktioniert und dass der eine oder andere Mitarbeiter solch ein Verhalten überdies als kühl betrachten mag.

In diesem Zusammenhang muss auch das eigene Harmoniebedürfnis in Frage gestellt werden. Führungskräfte dürfen und sollten zwar ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter haben; doch es ist nicht ihre vorrangige Aufgabe, von ihnen gemocht zu werden. Wer Weisungen erteilt, wird immer wieder mal auf Ablehnung stoßen. Doch das ist besser, als durch oberflächliche Gleichmacherei Sympathien halten zu wollen. Dies gilt übrigens auch für Männer. Doch während man diese dann oft als "lockere Chefs" bezeichnet, wirft man den Frauen mangelndes Durchsetzungsvermögen vor. Gerecht ist das nicht.

Jan Sentürk ist Experte für Körpersprache und Kommunikation. Der Pädagoge ist Buchautor, Redner und Trainer. Sein aktuelles Buch Positive Körpersprache - Entdecke die Sprache des Lebens ist im Mai erschienen. Seit 2000 lehrt er an der Kasseler Akademie für Absatzwirtschaft.

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