Körpersprache von Frauen im Büro:Lieber einmal drängeln als endlos bitten

Frauen tun sich beim beruflichen Aufstieg schwerer als Männer. Das liegt auch an ihrer Körpersprache.

Jan Sentürk

Frauen sind in der Minderheit - zumindest in Führungspositionen. Und obwohl sie ihren männlichen Kollegen in Sachen Entscheidungsfähigkeit in nichts nachstehen, müssen sie um die ihnen entgegengebrachte Akzeptanz in einem männlich dominierten Umfeld immer noch kämpfen. Hat ihre Körpersprache etwas damit zu tun?

Körpersprache Frauen

Frauen bewegen ihre Arme eher aus dem Ellebogen, Männer aus der Schulter: Angela Merkel (CDU) neben Matthias Platzeck (SPD).

(Foto: dpa)

Körpersprachliche Machtgesten sind männlich. Weibliche Körpersprache unterscheidet sich von männlicher in erster Linie nicht in der Bedeutung der Gesten, sondern vielmehr in deren Anwendung: Viele Körperhaltungen, die für einen Mann selbstverständlich - wenngleich längst nicht immer angebracht - sind, würde eine Frau schlichtweg nicht einnehmen. Beispielsweise jene, bei denen der Genitalbereich offen präsentiert wird.

Dies gilt ebenso für typische Machtgesten, denn auch diese sind vorwiegend männlich: Kurze, knappe Bewegungen, die Ausweitung der eigenen sowie die fehlende Rücksichtnahme auf fremde Distanzzonen. Zusammen mit einem mechanischen Lächeln und einem reduzierten Blickkontakt sendet man damit Signale, die eindeutig den eigenen Machtanspruch unterstreichen.

Generell beanspruchen Männer mehr Platz und führen ihre Körpersprache raumgreifender aus. Demgegenüber ist die weibliche Körpersprache deutlich rücksichtsvoller und bescheidener: Sie enthält weichere Bewegungen und benötigt weniger Raum. So stehen beispielsweise die Füße einer Frau im Stand näher beieinander. Reicht sie ihre Hand zum Gruß, liegt dabei die Hauptbewegung ihres Arms im Ellbogen; beim Mann liegt sie im Schultergelenk. Ein Mann holt weiten Schrittes aus, Frauen neigen zu kleineren Schritten. Männer drängeln, stoßen und schubsen eher und fassen Frauen in Einzelfällen wesentlich selbstverständlicher an, als diese es tun würden - und als es ihnen angenehm ist.

Diese Form der Nähe resultiert allerdings weniger aus Fürsorglichkeit, sondern daraus, dass Männer Besitz ergreifender agieren. Es ist bekannt, dass Frauen mehr soziale Eigenschaften und Fähigkeiten haben als Männer; entsprechend äußert sich dies eben auch in ihren körpersprachlichen Signalen.

So wird der männliche Vorgesetzte, der seinem Mitarbeiter einen Aktenstapel vorlegt und ihn mit den Worten: "Erledigen Sie das bis morgen!" auffordert, diesen schnellstmöglich abzuarbeiten, seine Aufforderung mit einem auf den Stapel deutenden Zeigefinger unterstreichen. Dieses dominante Signal macht deutlich: Hier handelt es sich um eine klare Order. Dem Naturell einer Frau entspräche in diesem Fall eher, eine Bitte vorzubringen, etwa: "Könnten Sie das bitte bis morgen erledigen?" und diese mit einer nach oben geöffneten Handfläche zu unterstützen. Für ihr männliches Gegenüber allerdings implizierte diese Variante vermutlich eine geringere Dringlichkeit.

Auch beim Handgruß, der einzigen in unserer Kultur in geschäftlichen Zusammenhängen gestatteten Körperberührung, setzen sich Männer häufiger durch. Etwa beim "Ranzieher" (1), beim "Schraubstock" (2) oder beim "Deckler" (3). Alle Varianten dominieren das Gegenüber, indem sie es entweder in die eigene Intimzone ziehen (1), dessen Hand zu impulsiv drücken oder gar quetschen (2) oder ihm - durch die Position der eigenen Hand mit dem Handrücken nach oben - die untergeordnete Position aufzwingen (3). Frauen, die auf diese und andere Machtdemonstrationen verzichten, gelten zu Recht als wesentlich umgänglicher, drohen allerdings deshalb - zumindest körpersprachlich - leichter zu unterliegen.

Frauen müssen sich mehr anstrengen

Trotz Gleichberechtigung müssen sich Frauen mehr anstrengen. Die Frage ist nun: Was kann frau in bestimmten Situationen tun, um zu vermeiden, aufgrund ihrer sozialverträglicheren Körpersprache ins Hintertreffen zu geraten? Denn allem Anschein nach bringen Männer hier von Natur aus etwas mit, das Frauen sich erst erarbeiten müssen. Doch wie? Maskuline Verhaltensweisen an den Tag legen? Auf männliche Einsicht warten? Beides hat wenig Aussicht auf Erfolg.

Körpersprache ist stets Ausdruck unserer Emotionen. Und da sie einen Wirkanteil von mehr als 50 Prozent an der Kommunikation hat, sollte man diesen Aspekt nicht außer Acht lassen. Wer die Karriereleiter stringent aufwärtsklettert, wird auf dem Weg zur Führungskraft, also einer Machtposition, nach und nach eine Körpersprache entwickeln, die entsprechende Signale sendet.

Frauen sollten jedoch bedenken, dass Gleichberechtigung noch lange nicht Gleichbehandlung bedeutet. Mehr als Männer sollten sie daher einige Dinge beachten: Ein fester Händedruck, ein entschiedener, klarer Auftritt, ein unverbindliches Lächeln (anstelle eines verbindlichen Lächelns, das die Erwartung und damit die Abhängigkeit von einer Reaktion zeigt) und vor allen Dingen: ein gerader, offener Blick, der auch mal einen Moment des Abwartens oder Schweigens erträgt.

Auch der Tonfall, in dem Anfragen und Aufträge vorgetragen beziehungsweise vermittelt werden, ist entscheidend. So ist die oben zitierte Frage: "Könnten Sie das bitte bis morgen erledigen?" im Normalfall ohnehin rhetorisch, eine Antwort hierauf wird nicht erwartet. Wieso also nicht gleich eine Anordnung erteilen? Das Wort "bitte" darf man dennoch getrost mit einbauen.

Wer dieses Vorgehen mit Überzeugung praktiziert, wird spüren, dass sich auch die dazugehörige innere Haltung von Mal zu Mal stärker entwickelt, bis sie zur Selbstverständlichkeit wird. Ehrlicherweise muss gesagt werden, dass dies ohne Übung nicht funktioniert und dass der eine oder andere Mitarbeiter solch ein Verhalten überdies als kühl betrachten mag.

In diesem Zusammenhang muss auch das eigene Harmoniebedürfnis in Frage gestellt werden. Führungskräfte dürfen und sollten zwar ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter haben; doch es ist nicht ihre vorrangige Aufgabe, von ihnen gemocht zu werden. Wer Weisungen erteilt, wird immer wieder mal auf Ablehnung stoßen. Doch das ist besser, als durch oberflächliche Gleichmacherei Sympathien halten zu wollen. Dies gilt übrigens auch für Männer. Doch während man diese dann oft als "lockere Chefs" bezeichnet, wirft man den Frauen mangelndes Durchsetzungsvermögen vor. Gerecht ist das nicht.

Jan Sentürk ist Experte für Körpersprache und Kommunikation. Der Pädagoge ist Buchautor, Redner und Trainer. Sein aktuelles Buch Positive Körpersprache - Entdecke die Sprache des Lebens ist im Mai erschienen. Seit 2000 lehrt er an der Kasseler Akademie für Absatzwirtschaft.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB