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Körpersprache im Büro:Wohin mit den Handflächen?

Givens: Sie können Schulterzucken vermeiden - das würde ihrem Boss verraten, dass Sie selbst nicht überzeugt davon sind, ein höheres Gehalt verdient zu haben. Sie sollten Ihrem Chef direkt in die Augen sehen. Natürlich ist es in unserem Kulturkreis üblich, den direkten Augenkontakt immer wieder zu unterbrechen. Wenn Sie den Blick abwenden, sollten Sie aber vermeiden, auf den Boden zu blicken. In ihrer Gestik sollten Sie darauf achten, dass die Handflächen nach unten zeigen, das zeigt Selbstbewusstsein. Diese Geste strahlt nahezu weltweit Überzeugung aus. Zeigen die Handflächen nach oben, hat das hingegen eher etwas Bittendes.

David Givens

Kommunikationswissenschaftler David Givens erklärt, warum Anzug und Krawatte im Büro für Männer so wichtig sind.

(Foto: privat)

sueddeutsche.de: Und wie sehe ich meinem Chef an, ob ich noch Verhandlungsspielraum habe?

Givens: Ein gutes Zeichen ist ein Nicken, eine weitverbreitete Geste der Zustimmung, vor allem in Europa und den USA. Schon das leichteste Kopfnicken zeigt, dass der Chef Sie versteht und auf Ihrer Seite ist. Wenn der Chef zur Seite blickt, anstatt Sie anzusehen, ist das ein Zeichen, dass Ihr Argument ihn nicht überzeugt. Wenn Sie das beobachten, sollten Sie ihre Taktik ändern und ein anderes Argument bringen, bis der Chef Sie wieder ansieht.

sueddeutsche.de: Wie unterscheidet sich Körpersprache von Land zu Land?

Givens: Wenn Ihr Chef aus Spanien kommt, würde zu viel Augenkontakt als unfreundlich empfunden. In Russland und Bulgarien dagegen sehen sich die Leute lange direkt in die Augen und verleihen damit ihrer Aussage mehr Glaubwürdigkeit. In den USA und in Deutschland ist eine Kombination von direktem Augenkontakt und kurzem Wegblicken üblich. In China und Japan ist es besser auf den Boden zu blicken und direkten Augenkontakt zu vermeiden. Schauen Sie ihrem Chef dort direkt in die Augen, heißt das, Sie maßen sich an, genauso mächtig zu sein wie er.

sueddeutsche.de: In Ihrem Buch widmen Sie ein ganzes Kapitel dem Thema Haare. Gibt es denn Haarschnitte, die die Chancen auf Erfolg im Job erhöhen?

Givens: Der beste Haarschnitt ist der Haarschnitt, der in der Branche üblich ist. Wie der aussieht, erkennen Sie, wenn Sie Fachmagazine lesen und darin die Bilder ansehen. Es ist immer gut, sich am Chef zu orientieren. In den USA und in Europa sind bei Männern sehr kurze Haare üblich, wenn der Chef so einen Haarschnitt hat, kann es nicht falsch sein, ihn nachzuahmen. Auch Frauen sollten sich am Stil weiblicher Führungskräfte orientieren. Generell ist der Haarschnitt sehr wichtig. Mit unserem Haarschnitt machen wir eine Aussage über unsere Persönlichkeit. Die Haare sind das erste, was andere Menschen an uns wahrnehmen.

sueddeutsche.de: Sollte man den eigenen Haarschnitt öfter mal ändern?

Givens: Im Geschäftsleben ist es besser, Konstanz zu zeigen, indem man das gleiche Aussehen behält. Wenn man beginnt, seinen Haarschnitt zu häufig zu ändern, wirkt das bedrohlich auf die Unternehmensführung. Zu starke Veränderungen sind immer ein bisschen verdächtig.

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