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Karrierestrategie:Karriereberater würden Trumps Ministern gratulieren

Donald Trump sei jemand, der ein außerordentliches Bedürfnis danach habe, dass Leute positiv über ihn reden, "ein Narzisst", sagt Blickle: "Während Beobachter ein Lob als wirklich überzogen empfinden, denkt der Narzisst, er habe es wirklich verdient." Da kann der Schleimanteil noch so hoch sein: Der Narzisst fühlt sich in seiner Sicht der Dinge schlicht bestätigt. Wenn den US-Ministern etwas an ihren Ämtern liegt, haben sie sich mit ihrem verbalen Kniefall lehrbuchartig verhalten.

Menschlich mag man ihnen Heuchelei vorwerfen können. Doch die Rollenverteilung drängt sie auch ein bisschen dazu. In seiner Position als US-Präsident ist Donald Trump auf Ergebenheit angewiesen. "Es ist entscheidend, dass ihm als Alphatier Tribut gezollt wird, auch wenn der bloß geheuchelt ist", sagt Blickle. Das wiederum ist in vielen hierarchisch organisierten Unternehmen ähnlich.

Deutsche Arbeitnehmer können deshalb von den US-Ministern lernen. Wer nach oben strebt, sollte seinem Chef so viel Anerkennung geben, wie es diesem angenehm ist und die Vorstellung von seiner eigenen Rolle verlangt - wahrscheinlich entspricht sie nicht der eines amerikanischen Superpräsidenten. Wirtschaftspsychologe Uwe Kanning von der Hochschule Osnabrück schätzt, dass die meisten Führungskräfte in Deutschland sich als "nüchterne Entscheidungsträger" und "Macher" sehen.

"In der Regel dürfte Einschleimen im Beruf nur dann etwas bringen, wenn derjenige, bei dem man sich einschleimt, den 'Manipulationsversuch' nicht als solchen bemerkt", sagt Kanning - das kann neben dem Vorgesetzten natürlich auch ein Geschäftspartner sein. Das Schleimen müsse also subtil geschehen. Das heißt: "Nicht die Krawatte loben, sondern in Diskussionsrunden zustimmend nicken, sich insgesamt als ähnlich darstellen, auch wenn es um Hobbys oder Weltanschauung geht."

Subtil und allgemein schmeicheln ist im Job aussichtsreicher

Wer gut ist im Lesen von Gesichtern und dem Empfangen subtiler Signale, hat dabei Vorteile. Manche Menschen wüssten intuitiv, wer mehr Zuspruch sucht, wann der richtige Zeitpunkt ist und wie viel Lob der andere sich zugesteht, sagt Gerhard Blickle. Bei allen anderen helfe nur üben. Zum Beispiel mit einem selbstgewählten Mentor und Berater, den man in diesen Dingen für kompetent hält.

Karriereberaterin Kristina Erhart empfiehlt, Anerkennung unter vier Augen auszusprechen: "Wenn man sich in größerer Runde von den anderen abhebt und den Chef lobt, wirkt das eindeutig wie Schleimen", sagt Erhart. Und das Lob sollte sich immer im beruflichen Kontext bewegen. "Sie fahren ein tolles Auto; Waren Sie beim Friseur? - das kommt fadenscheinig rüber, davon rate ich ab", sagt sie.

Als Einflussstrategie funktioniere Lob am besten, wenn es möglichst allgemein gehalten sei, sagt der Psychologe Blickle. Auch das haben die US-Minister gut vorgemacht. "Wenn jemand die wundervolle Zusammenarbeit lobt, dann geht das schneller ins Hirn, als wenn er beteuert, der dritte Absatz auf Seite 24 eines neuen Gesetzes sei besonders gut gelungen", erklärt er. Bis man alle Regeln des subtilen Anbiederns beherrsche, riskiere man jedoch, dass man bei Arbeitgebern und Kollegen "eher als Arschkriecher denn als charming boy" gelte.

© SZ.de/ewid/sks

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