Karriereplanung "Trotzdem fühle ich mich nicht entspannt"

Seit einem halben Jahr ist die zweifache Mutter nun zu Hause und hat finanziell mehr oder weniger ausgesorgt. "Trotzdem fühle ich mich nicht entspannt", sagt sie. "Ich dachte, ich kümmere mich endlich mal um den Garten und gehe vormittags ins Museum. Habe ich beides noch nicht getan. Ich weiß noch nicht, wie ich meine Tage füllen soll. Nur Mutter und Haushalt, darauf habe ich keine Lust."

Experten überrascht das nicht. Altersforscher wissen längst, dass die Frührente entgegen aller Erwartungen nur selten glücklich macht. Die deutsche Altersforscherin Ursula Staudinger von der Columbia University in New York hat jüngst in einer umfangreichen Vergleichsstudie mit Daten aus elf Industrieländern gezeigt, dass es ungesund ist, ohne eine Tätigkeit zu leben: Frührentner haben Staudinger zufolge sogar eine unterdurchschnittliche Lebenserwartung, selbst wenn man Vorerkrankungen herausrechnet. Denn die Verbindlichkeit und Sichtbarkeit durch die Berufstätigkeit sei, so Staudinger, sinnstiftend und außerdem mit regelmäßiger körperlicher und geistiger Aktivität verbunden. Diese Dinge außerhalb bezahlter Arbeit herzustellen, sei nicht so einfach. Staudinger plädiert deshalb für ein Altersteilzeitmodell, das einen langsamen und gleitenden Ausstieg aus dem Job ermöglicht.

Rücktritt vom Rücktritt

Heike Spilker hat sich schon entschieden, dass sie nicht auf Dauer zu Hause bleiben will. Eine Weile noch, dann möchte sie sich um eine Teilzeitstelle bemühen. "Ich bin ein Verwaltungsmensch, eine kleine Firma, in der ich mich nicht überarbeiten muss, das wär's", sagt sie. Das Gehalt käme dann einfach zur Lohnfortzahlung ihres Arbeitgebers hinzu, insgesamt sehr komfortabel.

Und auch Achim Sauer steigt wieder ein in den Job. Nach seiner zweijährigen Pause, die er insgesamt als "solala" bezeichnet, hat der Wirtschaftswissenschaftler ab dem kommenden Schuljahr eine Teilzeitanstellung als Quereinsteiger an einer Berufsschule gefunden. Fünfzehn Stunden die Woche soll Sauer Berufsschüler in Wirtschaftslehre und Rechnungswesen unterrichten. Er freut sich darauf, zumal er dann noch genug Zeit für Entspannung und Hobbys hat. "Für meine Ehe ist es besser, wenn wir beide arbeiten", sagt Sauer. "So haben wir beide etwas zu tun. Aber das Beste ist, dass wir parallel Schulferien haben. Das macht dann immer noch drei Monate Segeln."

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