Karriere mit Texitilien Besser als in Hollywood

Er hatte keine Ausbildung, kein Studium, aber eine Idee: Der Textilunternehmer Danilo Wiehler hat es in Rostock mit bestickten T-Shirts vom Jung- zum Großunternehmer gebracht.

Von Varinia Bernau

Die Geschichte von Danilo Wiehler scheint eher nach Hollywood zu passen als ins Gewerbegebiet am Stadtrand von Rostock: Kein Studium, nicht einmal eine Ausbildung - nur eine aus dem Urlaub mitgebrachte Idee. So beginnt die Geschichte. 17 Jahre alt war Danilo Wiehler damals, Anfang der neunziger Jahre, als er sich im Gartenhaus seiner Eltern selbst an den Stickereien versuchte, die ihm in Kanada aufgefallen waren. Heute, 18 Jahre später, führt er die größte Textildruckerei in Mecklenburg-Vorpommern: 2000 Stück gehen dort täglich durch die Produktion - vom bedruckten Polohemd für die Kassierer des Discounters Lidl bis zum bestickten Frotteetuch für die Kreuzfahrtschiffe von Aida.

Danilo Wiehler brütete über Business-Plänen, während seine Freunde auf Partys gingen.

(Foto: Robert Haas)

Nun investiert Wiehler vier Millionen Euro, um eine zweite Fabrikhalle zu bauen. In den nächsten Wochen sollen die Arbeiten beginnen. Langfristig will er dort noch einmal so viele Textilien besticken, beflocken, bedrucken, um sie dann quer durch die Republik zu verschicken.

Die meisten seiner 1800 Kunden sitzen eher im Südwesten als im Nordosten. Schulkleidung etwa liefert Wiehler vor allem nach Bayern und Baden-Württemberg. Ein kleiner Bereich der Produktion ist das bislang, aber einer, von dem sich der Unternehmer viel verspricht. Immer mehr Eltern, glaubt der 35-Jährige, wünschen sich, dass ihre Kinder in einheitlichen Shirts statt in Markenpullis auf dem Schulhof stehen. Ständig neue Segmente auszuloten, das gehört zum Geschäft - auch weil große Konzerne, selbst ein starker Mittelstand, in der Region fehlen.

Den Rostocker Ruderclub mit Trikots zu beliefern, sei zwar Ehrensache, weil dieser einst der erste Kunde war, erzählt Wiehler. Geld verdient er aber mit großen Aufträgen, etwa für die Telekom oder den Ölkonzern Shell. So wuchs sein Unternehmen langsam, aber stetig. Erst vor zwei Jahren bedruckte Wiehler seine Lieferwagen mit einem Firmenlogo, vorher gewann er neue Kunden ausschließlich über Empfehlungen von Stammkunden. Billiger kann Werbung nicht sein. Besser auch nicht.

Es sind all diese Dinge, die Wiehler aufzählt, wenn man ihn fragt, wie das kommen konnte, dass die Geschichte, die nach auf Zelluloid gebannten Klischees klingt, sich an der Ostseeküste ereignet hat. Er erzählt dann auch, dass er über Businessplänen brütete, während die Freunde abends um die Häuser zogen. Den ersten Urlaub nahm er nach 15 Jahren: drei Monate reiste er mit dem Rucksack quer durch Asien. Er erzählt diese Dinge, um zu zeigen, dass sich da jemand ins Zeug gelegt hat. Es gab Momente, in denen er überlegte, ob der Preis für den Erfolg nicht zu hoch ist. Wiehler hat seine Antwort darauf gefunden: "Vermeintlich verpasste Dinge kann man nachholen. Was man nicht nachholen kann, ist, sich eine Basis zu schaffen."

Noch immer hat sein Tag mindestens zehn Arbeitsstunden und das Wochenende oft nur einen Tag. Nein, sagt Wiehler nach einem kurzen Zögern, dass er es vom Jung- zum Großunternehmer gebracht habe, habe nichts mit Glück zu tun. "Vielmehr mit Disziplin." Es ist der Glaube an kaufmännische Tugenden. Und eigentlich passt der ganz gut in eine alte Hansestadt. Viel besser als nach Hollywood.

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