Karriere Wer Erfolg haben will, muss leidensfähig sein

Die unternehmerische Kreativität bestehe unter anderem darin, reale Bedürfnisse, aber auch unausgesprochene Wünsche aufzuspüren und Lösungen dafür anzubieten. Damit der Unternehmer daran nicht allein arbeitet, sondern auch die Kreativität seiner Mitarbeiter nutzen kann, sollte ein "Klima der Offenheit und des Vertrauens" bestehen, sagt Holm-Hadulla. Außerdem seien wichtig: klare Hierarchien, transparente Aufgabenverteilung, eine Kultur der Anerkennung und die Möglichkeit, sich spontan miteinander auszutauschen.

Es gibt viele Studien darüber, was die Kreativität in Unternehmen fördert. Laut einer Umfrage des Stuttgarter Beratungsunternehmens Iqudo beispielsweise, verdanken Kreative ihre Ideen häufig "inspirierenden Mitarbeitern". Zur Rolle des direkten Vorgesetzten für den Ideenreichtum im Job haben kürzlich Forscher der National Taipei University in Taiwan eine Untersuchung veröffentlicht. Demnach sind gerechte Chefs im Vorteil. Sie hätten Mitarbeiter, die offener ihre Meinung sagen, was wiederum die kreative Leistung fördere. Das wirke sich besonders dann aus, wenn das Firmenklima als innovativ wahrgenommen wird und der Eindruck herrscht, originelle Ideen würden geschätzt. "Es kommt nicht auf gelegentliche kreative Highlights an, sondern auf eine nachhaltige Bereitschaft zu Veränderung", sagt Holm-Hadulla.

"Karriere zu machen ist immer anstrengend und mühsam." Simone Bagel-Trah, Henkel-Aufsichtsratsvorsitzende

Wer schafft es, eine Zeitlang einen Marshmallow zu betrachten, ohne hineinzubeißen? In den Sechzigerjahren testete der amerikanische Psychologe Walter Mischel bei Vorschulkindern, wie lange sie dieser Versuchung standhielten und verfolgte in den kommenden Jahren ihre schulische Entwicklung. Das Ergebnis: Wer sich früh beherrschen konnte, war später erfolgreicher.

Job "Die meisten Mitarbeiter spielen nur Arbeit"
Job

"Die meisten Mitarbeiter spielen nur Arbeit"

Wirtschaftsautor Lars Vollmer erklärt, warum er Meetings für sinnlos hält und was jeder Einzelne tun kann, um aus dem "Business-Theater" auszubrechen.   Interview von Sarah Schmidt

"Durchsetzungsvermögen und die Fähigkeit, Belohnungsaufschub auszuhalten" - das hält auch Rüdiger Hossiep für eine entscheidende Voraussetzung, um Karriere zu machen. Eine gewisse Leidensfähigkeit brauchen Erfolgreiche offenbar auch angesichts ihrer Arbeitszeiten. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts sind sie bei 38 Prozent der Führungskräfte "überlang". Hossiep verweist auf das Wechselspiel zwischen Persönlichkeit und Umfeld: "Bestimmte persönliche Dispositionen sind dafür verantwortlich, welche Situation ich aufsuche." Das heißt: Nicht jeder macht freiwillig Überstunden, die Bereitschaft dazu zeichnet die Karrierewilligen aus. Ob es bei aller Anstrengung dann auch mit dem Aufstieg klappt, sei jedoch nicht vorhersehbar. "Es gehört auch eine Portion Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein."

"Pausen sind wichtig für frische Gehirnzellen." Heike Meier-Henkel, Olympiasiegerin und Coach

In Deutschland sind Pausen bei der Arbeit gesetzlich vorgeschrieben. Nach sechs Stunden besteht Anspruch auf eine halbe Stunde Auszeit. Hannes Zacher, Professor für Organisationspsychologie im australischen Brisbane, erforscht die Wirkung von Pausen auf den beruflichen Erfolg. Er hat herausgefunden, dass sogenannte Minipausen wichtig sind fürs Wohlbefinden bei der Arbeit, was wiederum die Leistungsfähigkeit steigert. "Die Vitalität nimmt im Laufe des Arbeitstages stetig ab, mit Minipausen lässt sich das zumindest kurzfristig stoppen", sagt Zacher. Dabei sei es egal, ob man etwas isst, ein paar Minuten spazieren geht oder aus dem Fenster schaut - Hauptsache, die Aufmerksamkeit richtet sich auf etwas anderes als die Arbeit.

Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin lässt mehr als jeder vierte Beschäftigte seine Pause oft ausfallen. Das rächt sich langfristig: Die Pausenschwänzer leiden häufiger unter psychosomatischen Beschwerden wie Schlafstörungen. Zacher zufolge ist es besser, jede Stunde eine kurze Pausen zu machen als einmal am Tag eine lange. Das gilt besonders dann, wenn die Anforderungen hoch sind.