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Jobwechsel:Die Suche nach der "unique selling proposition"

Branchen- oder Positionswechsel sind nicht so spektakulär wie komplette Berufswechsel, sind heute aber auch ein sehr großer Schritt, weil die Spezialisierung immer stärker geworden ist", sagt Irmgard Reule. Sie destilliert aus den Berufserfahrungen ihres Klienten, was ihn einzigartig macht - im Personaler-Jargon heißt das "unique selling proposition". "Es geht um die Frage, wo jemand konkret etwas Besonderes geleistet hat", erklärt Reule. "Der Stellenmarkt ist dann zwar klein, aber genau auf diesen Menschen zugespitzt." Tests zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung macht sie nur bei jedem dritten Klienten. "Eigenschaften wie zum Beispiel Führungsstärke oder Detailfixiertheit werden dadurch zwar gut herausgearbeitet, aber Tests ersetzen nicht Gespür und Erfahrung des Beraters."

Neben freiberuflichen Karriereberatern helfen auch Arbeitsagenturen und Volkshochschulen bei der beruflichen Neuorientierung. Ihre Beratung ist kostenlos, aber zeitlich eng begrenzt. Zudem schnitten die Arbeitsagenturen mit der Note "ausreichend" miserabel ab, als die Zeitschrift Test kürzlich verschiedene Anbieter von Weiterbildungsberatungen testete. Der Beratungsbereich der Arbeitsagenturen sei bei der Reform in den neunziger Jahren eben stark beschnitten worden, sagt Rainer Thiel vom Deutschen Verband für Bildungs- und Berufsberatung (dvb), der hauptberuflich bei der Arbeitsagentur Lüneburg tätig ist. "Die Rahmenbedingungen sind schlecht. Wie professionell die Beratung bei der Agentur ist, hängt sehr stark vom einzelnen Berater ab."

Auch Volkshochschuldozenten betreiben Berufsberatung nur nebenbei. Wer einen freiberuflichen Karriereberater aufsucht, sollte darauf achten, dass das erste Gespräch kostenfrei angeboten wird, rät Rainer Thiel. Außerdem müsse eine klare Vereinbarung über die Ziele des Klienten, das Angebot des Beraters und die Dauer der Beratung getroffen werden. "Als Berater muss man hellwach sein. Wenn der Klient von sich erzählt, gibt es immer einen Moment, in dem die Augen anfangen zu leuchten", sagt Thiel.

Bei Winfried Fischer dürfte das beim Thema Ökologie so gewesen sein, bei Christiane von Burkersroda beim Thema Gärten. Beide Berufswechsler konnten auch bestimmte Fähigkeiten, die ihnen in der ersten Laufbahn wichtig waren, in die neue hinüberretten: Burkersroda profitiert bei der Gartenplanung von ihren Erfahrungen als Projektmanagerin. Und Fischer kann heute sogar sein Chinesisch anwenden, denn die wichtigste Tochter seines Unternehmens sitzt in Qingdao: "Die Kollegin dort spricht nur schlecht Englisch - zum Glück."

© SZ vom 17.12.2011/tina

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