Fachkräftemangel Für Verwaltungsstudenten gibt es schon vor dem Abschluss feste Stellen

Ingenieure, Chemiker, Informatiker oder Mediziner werden mit Abstand am dringendsten gesucht. Doch auch Bewerbungen von Juristen werden knapper. Und während früher längst nicht alle Absolventen von Verwaltungshochschulen eine feste Stelle bekamen, haben die heutigen die Wahl. Die Verwaltungshochschule Kehl fragt ihre Studierenden immer im Januar vor den Abschlussprüfungen nach ihren Zukunftsplänen. "In den letzten Jahren hatten zu dem Zeitpunkt schon etwa 95 Prozent unserer Studierenden eine Stelle in Aussicht", sagt der Rektor der Hochschule, Professor Paul Witt. "Spätestens im Mai ist niemand mehr auf dem Markt." Einige Städte, die versucht hatten, mehr Stellen für Angestellte auszuschreiben, hätten umdenken müssen: "Die Absolventen wollen natürlich verbeamtet werden."

Laut dem aktuellen "Nachwuchsbarometer Öffentlicher Dienst", für das die Beratungsagentur Next Public bundesweit Studierende aus acht Fachrichtungen befragt hat, können sich 58 Prozent durchaus vorstellen, beim Staat zu arbeiten - auch wenn diese Neigung bei Informatikern, Ingenieuren und Ökonomen geringer ausgeprägt ist als im Durchschnitt.

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Das letzte "Schülerbarometer" des Marktforschungsunternehmens Trendence fiel für Bund, Länder und Gemeinden als Arbeitgeber ebenfalls vielversprechend aus: Im vergangenen Jahr wünschten sich mehr als ein Viertel der Schüler einen Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst, deutlich mehr als zwei Jahre zuvor.

In der Theorie stehen die Chancen auf Nachwuchs für den öffentlichen Dienst also gar nicht schlecht. Junge Leute fänden das sichere Beschäftigungsverhältnis attraktiv, meint Petra Schütt vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) in München. Auch bei den Möglichkeiten zur flexiblen, familienfreundlichen Arbeitszeitgestaltung oder bei der Gleichstellung ist der öffentliche Dienst der Privatwirtschaft überlegen.

Wege in den öffentlichen Dienst

Auch nach mehreren Reformen des Beamtenrechts in Bund und Ländern werden Verwaltungskarrieren immer noch wesentlich durch die Berufsausbildung oder den Studienabschluss bestimmt. Für angehende Verwaltungsbeamtinnen und -beamte im mittleren nichttechnischen Dienst dauert die Vorbereitungszeit in der Regel zwei Jahre. Mindestens sechs Monate davon besuchen die Anwärter eine Verwaltungsfachschule. Landes- und Kommunalverwaltungen bieten außerdem duale Ausbildungen an, beispielsweise zu Verwaltungsfachangestellten. Auch deren Absolventen können nach dem Abschluss verbeamtet werden.

An den etwa 40 Verwaltungshochschulen von Bund und Ländern sind derzeit mehr als 50 000 Studierende eingeschrieben. Die Zahlen sind deutlich gestiegen, da mehr Beamtenanwärter eingestellt wurden. Die Hochschulen bilden Verwaltungs- und Finanzbeamte, Rechtspfleger und Polizeibeamte im gehobenen Dienst aus. Viele dieser Hochschulen sind als nachgeordnete Behörden organisiert. Die meisten der gut 100 Bachelor-Studiengänge stehen nur Beamtenanwärtern, andere allen Abiturienten offen.

Unabdingbare Voraussetzung für die Beamtenlaufbahn im höheren Dienst ist ein Mastertitel oder ein gleichwertiger Hochschulabschluss, oft gefolgt von einem Referendariat. Entsprechend der deutschen Tradition hat die große Mehrheit der höheren Beamtinnen und Beamten im nicht-technischen Verwaltungsdienst Jura studiert.

Spezielle verwaltungswissenschaftliche Master-Studiengänge bieten viele Verwaltungshochschulen sowie die Universitäten Speyer, Duisburg-Essen, Konstanz und Potsdam an. Der Master-Studiengang "Öffentliche Wirtschaft" der Universität Speyer bereitet Kandidaten mit einem ersten Abschluss in Rechts-, Wirtschafts- oder Verwaltungswissenschaften gezielt auf Karrieren in öffentlichen Unternehmen vor. Miriam Hoffmeyer

Starre Einstellungskriterien

"Aber der Arbeitsalltag in der Verwaltung hat ein verheerendes Image: starr, dröge und grau. Auch deshalb kommen zu wenige der jungen Leute, die an den Umfragen teilnehmen, am Ende in den Verwaltungen an", sagt Schütt. "Die Kommunen müssten viel besser vermitteln, welche Gestaltungsmöglichkeiten ihre Beschäftigten haben: dass man an seinem Wohnort etwas bewegen kann und sinnvolle Arbeit für das Gemeinwohl leistet."

Allerdings schrecke nicht nur das unverdient schlechte Image den Nachwuchs ab, sondern auch die hierarchische Organisation und mangelnde Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten. Vor allem seien die Einstellungskriterien zu starr, meint Arbeitsmarktforscherin Schütt: "Wenn eine Stelle in einer bestimmten Lohngruppe ausgeschrieben ist, fallen Bewerber ohne Bachelor-Abschluss raus, auch wenn sie aufgrund ihrer Berufserfahrung das nötige Wissen mitbringen. Das sind Hürden, die abgebaut werden müssen."

Jede Kommune habe inzwischen erkannt, dass sie sich mit dem Thema Nachwuchsgewinnung befassen müsse, sagt Uwe Lübking, Personaldezernent beim Deutschen Städte- und Gemeindebund. Möglichkeiten gebe es viele: Die Kommunen könnten soziale Medien und Ausbildungsmessen viel besser nutzen, ihre eigenen Azubis als Werber in Schulen auftreten lassen, mehr duale Studiengänge beispielsweise in Informatik anbieten. "Auch die Einstellungsprozesse müssen schneller laufen, junge Leute wollen umworben werden."

Als wegweisend gilt eine Kampagne der Stadt Bonn, die seit acht Monaten unter dem Motto "Bonn macht Karriere" im Internet, auf Plakaten und auf Veranstaltungen intensiv um Personal wirbt. Im Zentrum stehen Videos mit echten Mitarbeitern: Der Leiter einer örtlichen Kläranlage tritt als "Klarspüler" auf, der städtische Forstwirtschaftsmeister als "Waldmeister". Die 25-jährige "Datenträgerin" Andrea Wagner, die eine Ausbildung zur Verwaltungswirtin macht, beschreibt ihre Tätigkeit im Video so schlicht wie authentisch mit den Worten: "Telefonieren, Bürger beraten, Kram eingeben, einheften in Akten." Der Erfolg der Kampagne ist durchschlagend - die Stadt Bonn erhält auf ihre Stellen jetzt fast doppelt so viele Bewerbungen.

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