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Job:Wer den richtigen Ton trifft, macht Karriere

Laughing business people at computer in office Laughing business people at computer in office PUBLI

Was für ein Spaß: Humorvolle Kollegen werden mit höherer Wahrscheinlichkeit in eine Führungsposition befördert.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Humor verbessert im Beruf den Status des Scherzenden und lässt ihn kompetenter erscheinen. Doch es gibt auch ein Risiko.

Von Sebastian Herrmann

Wenn Mitarbeiter ihre Kollegen zum Lachen bringen, sollten Führungskräfte misstrauisch werden. Es könnte sein, dass der Spaßvogel gerade am Sessel des Chefs sägt. So hat der ehemalige Twitter-Boss Dick Costolo einmal vorgeführt, wie sich ein ehrgeiziger Angestellter an die Spitze einer Firma witzelt. Am Abend bevor er Leiter des operativen Geschäfts des Unternehmens wurde - Chief Operating Officer (COO) -, setzte er folgenden Tweet ab: "Morgen habe ich meinen ersten Tag als Twitter-COO. Ziel#1: Autorität des CEO untergraben, Machtbasis ausbauen." Beim Twitter-Publikum kam der Spaß gut an - und Costolo stieg tatsächlich zum Chef auf: Ein Jahr später hatte er den bisherigen Chief Executive Officer ersetzt.

"Humor kann ein effektives Werkzeug sein, um seinen Status zu verbessern", sagt Bradford Bitterly von der University of Pennsylvania. Zusammen mit dem Verhaltensökonomen Maurice Schweitzer hat er eine Studie veröffentlicht, in der die karrierefördernde Wirkung des Scherzes empirisch gestützt wird. Wer sich traut, beim Meeting einen Spruch rauszuhauen, und das Bürovolk zum Lachen bringt, wird in einem positiven Licht gesehen. Der Spaßvogel wirkt dann besonders selbstsicher und kompetent. Diese Attribute helfen ihm, seinen Status in einer Gruppe zu verbessern - vorausgesetzt, die Kollegen lachen, so die Forscher.

Ein gelungener Witz beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung desjenigen, der ihn erzählt hat. "Er verändert auch das Verhalten der anderen", sagt Bitterly. So wählten die Studienteilnehmer humorvolle Kollegen mit höherer Wahrscheinlichkeit in eine Führungsposition. Überspitzt formuliert: Wer das Team zum Lachen bringt, darf auf dem Thron Platz nehmen.

Die aktuellen Ergebnisse passen zu zahlreichen Studien, in denen die positive Macht des Spaßes bereits demonstriert wurde. So verbessert es die Leistung einer Gruppe, wenn die Teilnehmer Grund zum Lachen haben; vor allem steigert dies die Kreativität und erhöht den Ausstoß guter Ideen. Laut anderen Untersuchungen bewerten Angestellte humorvolle Vorgesetzte als besonders intelligent, kompetent und effektiv.

"Es ist billiger, seinen Status mit Humor zu verbessern, als etwa eine teure Louis-Vuitton-Handtasche zu kaufen", sagt Bitterly. Gilt also: Wer Witze macht, steigt auf? Nicht unbedingt. "Humor ist auch sehr riskant", sagt Schweitzer. Nicht jeder Scherz zündet, und wenn nach einem Spruch peinliche Stille herrscht, verbessert das weder den Status noch entsteht der Eindruck von Kompetenz - eher im Gegenteil. Richtig in die Hose geht die Strategie, wenn sich jemand im Ton vergreift und einen unangemessenen Witz erzählt. Statt im besten Licht steht der Spaßvogel dann als übler Idiot da. So wie Justine Sacco, die vor einer Afrikareise in einem Tweet witzelte, sie als Weiße müsse ja nicht befürchten, sich mit HIV zu infizieren. Der Spruch war nicht lustig, und er kostete sie ihren Job als Leiterin der Unternehmenskommunikation der Internetfirma IAC.

Möglich ist beides: sich nach oben zu scherzen oder aus dem Job zu witzeln. Es kommt darauf an, den richtigen Ton zu treffen. Eine Kunst, die nur wenige beherrschen.

© SZ vom 15.11.2016/mkoh

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