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Job:"Es reicht nicht zu sagen, ihr seid keine Konkurrenten"

Der Leithammel? Das klingt nach einem ziemlich überkommenen Hierarchieverständnis.

Ich finde den Vergleich zu einer Schafherde gut, weil es um Rivalitätskonflikte, um Konkurrenzdenken geht. Es reicht nicht zu sagen, ihr seid keine Konkurrenten. Da ist dieses Gefühl, er oder sie nimmt mir etwas weg - und dann fliegt im Meeting Spucke über den Tisch.

Mitarbeiter spucken sich an, weil sie Angst um ihre Macht haben?

Ein Geschäftsführer hat mich angerufen und gesagt: Kommen Sie bitte, meine Mitarbeiter haben sich angespuckt. Die beiden haben dann behauptet, es sei vielleicht eine nasse Aussprache gewesen, aber angespuckt hätten sie sich nicht. Jedenfalls haben die beiden miteinander gekämpft. Einer der beiden war schon länger im Unternehmen. Er hat den neuen Kollegen nicht Fuß fassen lassen. Die haben sich gegeneinander ausgespielt und schlecht gemacht.

Stephanie Huber

Stephanie Huber arbeitet hauptberuflich als Mediatorin mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsmediation und Konfliktmanagement.

(Foto: ; privat)

Konkurrenz ist in vielen Unternehmen gewünscht, weil sie zu besserer Leistung anspornen kann. Aber lassen sich solche Konflikte noch moderieren oder muss da einer der Beteiligten gehen?

Eine Konferenz, in der sich zwei Beteiligte anspucken, können Sie nur beenden. Entweder Sie schicken die beiden raus oder Sie sagen, wir brechen das hier ab und machen morgen weiter, wenn sich die Gemüter beruhigt haben. Das fatale in diesem Fall war, dass es schon der dritte Versuch war, eine Führungskraft von außen zu etablieren. Zwei Leithammel wurden schon weggebissen, wenn Sie so wollen.

Also ist bei der Einarbeitung und Integration der neuen Führungskräfte etwas grundsätzlich schief gelaufen?

Chefs müssen achtsam sein, um Sorgen der Mitarbeiter zu erkennen. Sie sind oft nicht so ehrlich zu sagen, Chef, ich mache mir Sorgen um meinen Einfluss. In dem besagten Unternehmen haben die Kontrahenten schließlich ein gemeinsames Projekt bekommen. Dafür waren nur die beiden verantwortlich, sie mussten sich vor niemandem profilieren, waren nur dem Chef Rechenschaft schuldig. So haben sie sich kennengelernt und gemerkt, dass der andere gar nicht so blöd ist.

Viele Kollegen sind miteinander befreundet, andere wollen Berufliches und Privates strikt trennen und reden am Arbeitsplatz gar nicht über Persönliches. Was ist aus Ihrer Sicht besser für die Zusammenarbeit?

Man muss nicht mit den Kollegen befreundet sein, damit es flutscht. Aber mal gemeinsam ein Bier trinken zu gehen, kann sehr hilfreich sein. Einmal sollte ich zwischen zwei Firmen mediieren, die zusammenarbeiten mussten. Die hatten bei anderen Aufträgen schlechte Erfahrungen miteinander gemacht und haben nur übereinander geschimpft. Mir ist dann aufgefallen, dass die sich nur über E-Mails und Telefonate kannten. Daraufhin habe ich vorgeschlagen, sie sollen nach Feierabend auf halber Strecke zwischen den Standorten in einem Biergarten treffen und mich danach nochmal anrufen.

Und was passierte bei dem Umtrunk?

Am nächsten Tag haben zwei Abteilungsleiter angerufen und gesagt: So blöd sind die gar nicht, wie wir immer gedacht haben. Wenn Menschen an einem Tisch sitzen, fällt es ihnen schwerer zu sagen, du bist der Depp und ich mache alles richtig.

Sind Ihren Medianten die Vorfälle eigentlich peinlich?

Oh ja. Ich hatte mal zwei Wissenschaftler, die sich vor ihren Studenten geohrfeigt haben. Da ging es bei einem Forschungsprojekt um das richtige Vorgehen und die Frage, wer darüber entscheiden darf. Die waren in der Mediation bereit, über alles zu sprechen - außer über die Ohrfeige. Wahrscheinlich habe ich deshalb häufig eine relativ weite Anreise zu meinen Klienten. Die wollen mich nach der Mediation ungern zufällig beim Einkaufen treffen.

© SZ.de/mkoh/rus
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