Job:Frauen in Leitungsfunktion verdienen 24 Prozent weniger als Männer

Arbeitsplatz mit Computer

Das Statistische Bundesamt präsentiert neue Zahlen zur Jobzufriedenheit der Deutschen.

(Foto: dpa)
  • Das Statistische Bundesamt hat sich in einer aktuellen Studie mit dem Arbeitsleben und der Jobzufriedenheit deutscher Erwerbstätiger befasst.
  • Vollzeitbeschäftigte arbeiten demnach durchschnittlich umso mehr, je älter sie sind.
  • Frauen verdienen weiterhin deutlicher weniger als Männer, selbst bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit.

Nicht für jeden bedeutet die Arbeit das Leben, sie nimmt aber doch einen großen Teil der Lebenszeit ein. In seiner Studie "Qualität der Arbeit - Geld verdienen und was sonst noch zählt" hat das Statistische Bundesamt sich damit beschäftigt, wieviel Zeit das Arbeitsleben bei den Deutschen einnimmt und welchen Einkommensbedingungen sie dabei unterliegen. Die wichtigsten Ergebnisse:

So viel arbeiten die Deutschen

Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbringen mehr Zeit im Job, als ihnen für Familie und Freizeit zur Verfügung steht. Durchschnittlich 41 Stunden pro Woche arbeiteten Vollzeiterwerbstätige im Jahr 2016, bei den Teilzeitbeschäftigen lag der Durschnitt bei 19 Stunden. Für alle Erwerbstätigen berechnet, verbrachten die Deutschen 2016 also etwa 35 Stunden pro Woche im Job. Mehr als jeder zehnte Vollzeitbeschäftigte arbeitete sogar mehr als 48 Stunden pro Woche - das gilt als überlange Arbeitszeit.

Je älter Arbeitnehmer werden, desto häufiger sind sie in Jobs, die eine überdurchschnittlich lange Arbeitszeit mit sich bringen. Während nur zwei Prozent der jungen Vollzeiterwerbstätigen zwischen 15 und 24 Jahren 2016 mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiteten, waren es bei den 55- bis 64-Jährigen sogar 14 Prozent. Einer der Gründe ist der hohe Anteil überlanger Arbeitszeiten bei Führungskräften, die eher in den höheren Altersgruppen zu finden sind.

Ebenso anfällig für überlange Arbeitszeiten sind Selbstständige: Mehr als die Hälfte arbeitete gewöhnlich mehr als 48 Stunden pro Woche. Bei den Angestellten in Vollzeit waren es nur sechs Prozent. Georg Thiel, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, meint: "Überlanges Arbeiten ist bei Führungskräften und vor allem Selbstständigen fast normal."

Wie Frauen am Erwerbsleben teilhaben

Frauen verdienen laut Statistischem Bundesamt weiterhin durchschnittlich deutlich weniger als Männer. Laut Studie liegt ihr Bruttostundenverdienst etwa um 21 Prozent niedriger. Auffällig: Die Unterschiede fielen in Westdeutschland (und Berlin) mit 23 Prozent deutlich höher aus als im Osten (sieben Prozent).

Für den Verdienstunterschied führen die Forscher altbekannte Gründe an: "Frauen und Männer unterscheiden sich in ihren Erwerbsbiografien und der Wahl von Berufsfeldern. Dies führt häufig zu unterschiedlichen Karriereverläufen und Verdienstunterschieden", heißt es in dem Bericht. Weitere Berechnungen zum Jahr 2014 zeigen allerdings, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit oft schlechter bezahlt werden. Der Verdienstunterschied zwischen männlichen und weiblichen Fachangestellten lag demnach bei elf Prozent. Bei Jobs mit Leitungsfunktion verdienten Frauen im Mittel sogar 24 Prozent weniger als männliche Arbeitnehmer.

Deutsche melden sich häufiger krank

Der Bericht führt die Unterschiede auch auf Brüche in der Erwerbsbiografie zurück, etwa aufgrund der Betreuung von Kindern. Das bestätigen Zahlen zur Arbeitszeit von Eltern. Fast 71 Prozent der Frauen ohne Kinder oder mit Kindern von mindestens sechs Jahren waren aktiv erwerbstätig, aber etwa 47 Prozent der Mütter mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren. Bei den Väter gab es kaum einen Unterschied zwischen den beiden Kategorien (75 vs. 83 Prozent). Kurzum: Frauen stellen den Beruf häufiger zugunsten der Kinder zurück.

So viel Stress haben Erwerbstätige und so oft melden sie sich krank

Arbeiten unter hohem Arbeitstempo und Termindruck bestimmt häufig den Berufsalltag. Im Jahr 2015 waren 40 Prozent der Erwerbstätigen mindestens drei Viertel der Zeit einer hohen Arbeitsintensität ausgesetzt. Männer waren dabei mit 44 Prozent etwas stärker betroffen als Frauen mit 36 Prozent. Besonders viel Stress hatten unter anderem Führungskräfte. Die Ergebnisse basieren auf der Selbsteinschätzung der Befragten.

Auch über den Krankenstand informiert das Statistische Bundesamt. Demnach waren 2016 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 10,8 Arbeitstage krank gemeldet. Etwa ein Tag mehr als im Jahr zuvor und fast drei Tage mehr als 2007, wo mit durchschnittlich 8,1 Krankheitstagen der niedrigste Stand gemessen wurde.

Allerdings: Bei der Berechnung werden nur Krankmeldungen erfasst, die eine Abwesenheitsdauer von drei Tagen überschreiten. Die Zahl der Krankheitstage dürfte also faktisch höher liegen.

© SZ.de/mkoh/stein
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