Job Der Nachlasspfleger

Der Nachlasspfleger

Erbschaftsteuer "Wer wohlhabend werden will, sollte erben"
Tabuthema Erbschaft

"Wer wohlhabend werden will, sollte erben"

Als Freunde reicher wurden, stieß die Journalistin Julia Friedrichs auf ein Tabu-Thema: den Wohlstand der Erben. Im Gespräch fordern sie und SPD-Politiker Peer Steinbrück eine massive Steuerreform.   Von Claus Hulverscheidt und Alex Rühle

Die junge Frau fällt aus allen Wolken, als sie per Brief erfährt, dass sie Erbin einer großen Stadtwohnung ist. Sie gehörte ihrem kürzlich verstorbenen Onkel, mit dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte. Für Überraschungen dieser Art zu sorgen, gehört zum Beruf des Nachlasspflegers. Eine seiner wichtigsten Aufgaben besteht darin, im Auftrag des Nachlassgerichts die gesetzlichen Erben zu ermitteln. Er wird aktiv, wenn wohlhabende alleinstehende Menschen sterben und kein Testament vorliegt.

Der Nachlasspfleger verwaltet den Nachlass. Das heißt, er dokumentiert genau, welche Wertgegenstände sich in der jeweiligen Wohnung befinden und wie viel Geld auf der Bank liegt. Außerdem sucht er nach dem Testament, das in einer Wohnung versteckt sein kann. Zu einer Nachlasspflegschaft gehört auch, dass man bei Standesämtern nachhakt oder in Kirchenbüchern und Archiven nach Hinweisen auf mögliche Erben sucht, manchmal führt die Spurensuche ins Ausland.

Ein aufwendiger Fall könne einen Nachlasspfleger ohne Weiteres 20 Stunden pro Woche in Anspruch nehmen, sagt Falk Schulz aus Münster, der seit mehr als 15 Jahren als Nachlasspfleger tätig ist. "Viele Fähigkeiten sind hilfreich in diesem Beruf. Nachlasspfleger brauchen detektivisches Gespür und organisatorisches Talent", sagt er. "Nützlich sind auch Kenntnisse in der Immobilien- und Vermögensverwaltung." Von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich sei juristisches Wissen, sagt er. Wenn man Archivar oder Standesbeamter sei, wenn man über Fremdsprachenkenntnisse verfüge oder privat Ahnenforschung betreibe, seien das ebenfalls gute Voraussetzungen für diese Tätigkeit.

Zum Nachlasspfleger kann sich im Prinzip jeder ausbilden lassen. Mit dem Ziel, die Ausbildung von Nachlasspflegern zu verbessern, hat Falk Schulz den Berufsverband Bund Deutscher Nachlasspfleger (BDN) und die dazugehörige Nachlass-Akademie mitgegründet. An der Akademie kann man sich unter anderem in einem Fachlehrgang zum "Zertifizierten Nachlasspfleger" ausbilden lassen. "Wenn man diesen Beruf ernst nimmt, sollte man sein Wissen immer wieder auf den neuesten Stand bringen", sagt Schulz. Deshalb lädt der BDN auch zu sogenannten Qualitätszirkeln ein. "Dort geht es immer um die neuesten Entwicklungen. Vor Kurzem hatten wir zum Beispiel einen ausgebildeten Geldsuchhund zu Gast. Solche Hunde können Scheine erschnüffeln", erklärt Schulz, der selbst Jurist ist. Nicht selten sind es auch Sozialpädagogen, Altenpfleger, Betriebswirte oder Bankkaufleute, die sich für solche Fortbildungen anmelden.

Der Beruf erinnert Schulz "an eine Wundertüte". Jeder Fall bringe neue Fragen und oft große Überraschungen. So hatte er es einmal schon fast aufgegeben, das Testament zu finden. Da entdeckte er ein Backbuch, in dem irgendwo zwischen Obstkuchenrezepten der Letzte Wille steckte.