Job:Chef-Typologie: Nach-oben-Gefallene, Choleriker, Intrigante

Welche neun Führungskräfte Sie in jedem Büro finden und wie Sie mit ihnen zurechtkommen.

Von Sarah Schmidt und Matthias Kohlmaier

Der Karrierist

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht ihn aus: Sein Loft, sein Porsche, seine Rolex und sein bequemer Sessel im Eckbüro. Der Karrierist ist aus genau einem Grund Chef geworden: Er will Macht, genauer die Insignien der Macht. Fachlich ist er maximal Durchschnitt, menschlich eine Katastrophe, doch er weiß genau, welche Hebel man betätigen und mit wem man Golf spielen muss, um die Karriereleiter aufzusteigen. So kommen Sie gut mit ihm zurecht: Stehen Sie ihm nicht im Weg. Machen Sie ihm klar, warum er Sie auf dem Weg weiter nach oben braucht - dann wird er Sie in Ruhe lassen (ihm ist es nämlich völlig egal, wer Sie sind und was genau Sie arbeiten). Hauptsache, Sie werden ihm nicht gefährlich und bringen ihm angemessen Bewunderung entgegen. Ein typischer Spruch im Meeting: "Der Senator-Status ist doch auch nicht mehr, was er mal war. Diese Flughafen-Lounge in Monaco: eine Kat-as-tro-phe, sag ich euch." Dann kommt er ins Büro, dann geht er wieder: Er kommt früh ("Dann ist die Autobahn schön frei. Sonst lohnt sich so ein 911er doch gar nicht...") und geht früh ("Ich muss weg, bin noch mit dem Vorstand im Golf-Club verabredet, ein paar Bälle schlagen.")

Die Cholerikerin

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht sie aus: Sie hat wirklich alle Eigenschaften eines nicht ganz zu Ende entwickelten Formel-1-Autos: Sie ist schnell (allerdings im Kopf), laut und überhitzt gerne mal. Hat sie einmal Feuer gefangen und speit ihren Funkenregen über die gesamte Belegschaft, bleibt Ihnen nur eins: Deckung! Oder, wenn sie ganz mutig sind: der Griff zum Feuerlöscher. So kommen Sie gut mit ihr zurecht: Wie das so ist bei cholerischen Zeitgenossen, kann man sich auf sie nur schwer einstellen: Sie kann morgens bei der Ankunft im Büro die Fröhlichkeit in Person sein - und eine halbe Stunde später den armen Mann anbrüllen, der doch nur die Kaffeemaschine reparieren wollte. Wollten Sie sich nicht ohnehin mal nach einem anderen Job umsehen? Ein typischer Spruch im Meeting: "Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich nach dieser Präsentation kotzen möchte." Dann kommt sie ins Büro, dann geht sie wieder: Sie ist Workaholic und eigentlich immer da. Nur am Dienstagmorgen bis 9.30 Uhr haben Sie Ihre Ruhe - da ist sie im wöchentlichen Termin mit ihrem Therapeuten.

Der Nach-oben-Gefallene

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht ihn aus: Ein ganz schwieriger Chef-Typus! Er ist zwar weisungsbefugt und Sie sind damit von ihm und seiner Gunst abhängig. Er hat seinen Posten allerdings nicht wegen seiner überragenden Fach- und/oder Führungskompetenz bekommen, sondern weil er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Als dann die Meier in Rente gegangen ist, war er ja irgendwie auch schon lange im Unternehmen und ist dann halt befördert worden. So kommen Sie gut mit ihm zurecht: Gehen Sie nach Hause und sehen sich alle fünf Staffeln "Stromberg" an. Das wird Sie zwar nicht vor den mäßig qualifizierten Eingaben Ihres eigenen Vorgesetzten bewahren. Aber immerhin können Sie sich schon mal ein wenig darauf vorbereiten, was in Ihrer Firma alles passieren könnte. Ein typischer Spruch im Meeting: "Diese Entscheidung erschließt sich jetzt vielleicht nicht gleich jedem. Aber vertrauen Sie mir einfach, ich bin lange genug dabei." Dann kommt er ins Büro, dann geht er wieder: Spät und früh. Er ist jetzt schließlich Chef und darf das.

Die Intrigante

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht sie aus: Für die Intrigante geht es nicht einfach um einen Job, sie sieht Arbeit als Kampf - bei dem es Gewinner und Verlierer gibt. Und sie will auf jeden Fall zu den Gewinnern zählen. Wie ein Feldwebel positioniert sie ihre Untergebenen, sie schmiedet Allianzen, plant Manöver. Alles für den Sieg - sei es beim Pitch um ein Projekt oder beim Firmenfußballturnier. So kommen Sie gut mit ihr zurecht: Zeigen Sie den nötigen Biss! Nichts bringt die Intrigante mehr auf die Palme als Mitarbeiter, die mit "Ich mach' hier nur Dienst nach Vorschrift"-Haltung in den Schreibtischstühlen hängen. Ein typischer Spruch im Meeting: "Hah, wenn der Müller darauf reinfällt, dann haben wir die Produkt-Abteilung sowas von in der Tasche. Aber der Plan muss natürlich unter uns bleiben." Dann kommt sie ins Büro, dann geht sie wieder: Sie passt ihre Ankunft genau so ab, dass sie dem Geschäftsführer bereits im Fahrstuhl begegnet - dann kann sie gleich beiläufig fallenlassen, dass das Nachbarteam beim Projektplan zeitlich hinterher hängt. Sie geht dann, wenn zumindest ein kleiner Triumph erreicht wurde.

Der Abwesende

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht ihn aus: Das weiß von seinen Angestellten keiner mehr so genau, schließlich haben die ihn alle schon eine Weile nicht mehr analog gesehen. Digital, klar, da sendet er immer mal wieder ein Lebenszeichen - gerne in E-Mails mit dem Betreff "Bis zu meiner Rückkehr". Die informieren über die Zuständigkeiten während seiner ausgiebigen Dienst- und Lustreisen. So kommen Sie gut mit ihm zurecht: Das ist gar nicht so einfach: Gewöhnliche Arbeitnehmer haben einen Chef und müssen sich entsprechend auch nur bei einer Person von ihrer kompetentesten Seite zeigen. Sie haben zwar auch einen Chef, aber der hat je nach Fachbereich viele wechselweise diensthabende Stellvertreter. Und mit all denen gut auszukommen, bedarf einigen Aufwands. Ein typischer Spruch im Meeting: "Können Sie mich alle einigermaßen verstehen? Das Netz ist hier am Empire State Building nicht sonderlich gut." Dann kommt er ins Büro, dann geht er wieder: Zur Weihnachtsfeier schaut er vorbei, kann aber nicht lange bleiben, weil doch am nächsten Tag dieses Symposium in London ansteht.

Die Kümmererin

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht sie aus: Sorgsam wie eine Enten-Mama hält die Kümmererin ihr Team beisammen und geleitet es sicher durch die Irrungen und Wirrungen des Job-Alltags. Dabei achtet sie nicht nur auf die ordnungsgemäße Ausführung der zugeteilten Aufgaben ihrer Schützlinge, äh, Mitarbeiter, sondern auch auf das körperliche und seelische Wohl. So kommen Sie gut mit ihr zurecht: Fügen Sie sich in Ihr Schicksal (das sehr viel schlimmer sein könnte) und hören Sie auf, sich gegen die Bemutterung zu wehren. Nehmen Sie den Kuchen, schütten Sie der Kümmererin Ihr Herz aus, geben Sie ihr das Gefühl, gebraucht zu werden. Ein typischer Spruch im Meeting: "Jetzt machen wir erst einmal unsere Morgenrunde und jeder erzählt, was er am Wochenende erlebt hat." Dann kommt sie ins Büro, dann geht sie wieder: Pünktlich wie ein Uhrwerk erscheint die Kümmererin jeden Tag um 8 Uhr. Genauso pünktlich geht sie am späten Nachmittag - nicht ohne ihre Mitarbeiter zu ermahnen: "Jetzt macht aber auch nicht mehr so lang!"

Der Patriarch

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht ihn aus: Er ist ein Chef der alten Schule. Der ganz alten Schule. Seine Briefe sind von seiner Sekretärin, die ihm schon seit 34 Jahren treu dient, unterzeichnet, darunter sein Name und die Zeile: "Nach Diktat verreist." Bei Gehaltsgesprächen bietet er Ihnen schon mal einen Cognac an und kneift sie zum Schluss väterlich lächelnd in die Wange. Aber unterschätzen Sie ihn nicht: Er weiß vielleicht nicht, was dieses "WottÄpp" ist, aber unternehmerisch hat er eine Menge drauf. Er hat die Firma nicht nur mit Glück durch sämtliche Krisen der vergangenen Jahrzehnte gebracht. So kommen Sie gut mit ihm zurecht: Sagen Sie ja zum Cognac, auch wenn Ihnen davon im Magen etwas mulmig wird. Und fragen Sie gelegentlich, wie es seinem ersten Urenkel geht. Ein typischer Spruch im Meeting: Bei der Vorstellung der grandiosen Jahresabschlussbilanz: "Wie schon Ludwig Erhard zu sagen pflegte: 'Mit dem Reichtum fertig zu werden, ist auch ein Problem.'" Dann kommt er ins Büro, dann geht er wieder: Um Punkt 7.45 Uhr sitzt er an seinem Schreibtisch und um Punkt 17.30 Uhr rollt sein Jaguar vom Hof, wie an jedem Tag in den letzten 45 Jahren.

Die Delegiererin

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht sie aus: Leiden kann sie eigentlich kaum jemand. "Was arbeitet die eigentlich?" und "Die sitzt sich doch hier nur ihren Hintern platt, und wir müssen den Laden am Laufen halten!" sind nur zwei Meckereien, die man regelmäßig in der Kaffeeküche hört. Dabei macht sie einfach nur ihren Job: Wichtige Entscheidungen treffen und den ganzen Rest von Angestellten abarbeiten lassen. Wie eine kluge Chefin eben. So kommen Sie gut mit ihr zurecht: Vertrauen Sie ihr, wenn sie Ihnen wieder einen Haufen Arbeit ins Mail-Postfach schleudert. Sie hat Wichtigeres zu tun. Wirklich. Ein typischer Spruch im Meeting: "Um die Quartalszahlen kümmert sich diesmal Hubert, ich muss mich voll und ganz auf die Verhandlungen mit unserem neuen Investor konzentrieren." Dann kommt sie ins Büro, dann geht sie wieder: Früher als alle anderen und nach allen anderen. In der Kaffeeküche wird ihr das immer als Show ausgelegt: "Die tut doch nur so, als müsste sie immer ewig arbeiten". Wenn die wüssten, dass die Firma ohne die Delegiererin schon längst am Ende wäre...

Der Kumpelige

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(Foto: Illustration Jessy Asmus für SZ.de)

Das macht ihn aus: Am liebsten wäre der Kumpelige ja Kollege geblieben - aber irgendjemand muss schließlich Chef sein. Trotzdem will der Kumpelige, dass sich nichts zwischen ihm und dem Team ändert. Er will mit herumalbern, dreckige Scherze machen und best friend mit allen sein. Blöd nur, dass er zwangsläufig manchmal Entscheidungen treffen muss, die nicht allen gefallen. So kommen Sie gut mit ihm zurecht: Geben Sie ihm das Gefühl, weiterhin dazuzugehören. Erzählen Sie ihm Klatsch und Tratsch weiter, laden Sie ihn ab und an beim Feiarbendbierchen mit dazu. Und passen Sie auf, dass er auf keinen Fall mitbekommt, wenn Sie mit den Kollegen doch mal über ihn lästern. Ein typischer Spruch im Meeting: "Boah, hey, lass mal alle Päuschen machen und eine Runde Kicker spielen. Ich schmeiß' auch 'ne Runde Club Mate." Dann kommt er ins Büro, dann geht er wieder: Der Kumpel-Chef gibt sich große Mühe, keinesfalls zu früh zu erscheinen und so die Mitarbeiter zu stressen. Abends lungert er dafür noch ewig bei "seinen Leuten" im Büro herum: "Naaa, sollen wir gleich noch um die Häuser ziehen? Wie, ihr trefft euch gleich noch zum Volleyball?"

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