Frage an den Jobcoach Lassen sich Selbständigkeit und Teilzeitjob vereinbaren?

Jobcoach fragen

(Foto: Jessy Asmus)

Anke W. möchte künftig neben einer Anstellung auch freiberuflich als Mediatorin arbeiten. Vom Jobcoach will sie wissen, wie sie damit bei einer Bewerbung umgehen soll.

SZ-Leserin Anke W. fragt:

Ich bin 50 Jahre alt und habe Sprachen und Pädagogik studiert. Zwischen zwei Anstellungsverhältnissen habe ich kürzlich ein gutes Jahr für meine berufliche Umorientierung als Coach und Mediatorin benötigt. In diesem Jahr war ich ohne Beschäftigung, habe aber auch drei zertifizierte Abschlüsse in Weiterbildungen erworben. Nun suche ich eine Teilzeitbeschäftigung (beispielsweise im Personal- oder Bildungsmanagement) und möchte nebenbei freiberuflich arbeiten. Wie verpacke ich diesen Umstand elegant in der Bewerbung? Und wie kommt so etwas bei Unternehmen an?

Christine Demmer antwortet:

Liebe Frau W., es ist verständlich, dass Sie für sich das Beste aus beiden Welten mitnehmen möchten: die Sicherheit einer Festanstellung und die Freiheit der Selbständigkeit. Ihr Ziel kann bestimmt jeder Personalverantwortliche in einem Unternehmen nachempfinden. Ob er oder sie es jedoch auch schätzt, ist eine ganz andere Frage. Und die lässt sich nicht pauschal beantworten.

Manch ein Personaler wird es clever finden, ein anderer maßlos; der eine wird nicken, die andere ihre Stirn in Falten legen. Es kommt darauf an, wem Sie gegenübersitzen. Da Sie das bei der schriftlichen Bewerbung um eine Teilzeitstelle noch nicht wissen, lassen Sie diesen Punkt am besten heraus. Streichen Sie Ihre Qualifikation und Ihre Motivation heraus und heben Sie sich das Thema Selbständigkeit besser für das persönliche Gespräch auf.

Xing, Linkedin und Co.

Wie man mit Netzwerken Karriere macht

Wenn ein Unternehmen eine Teilzeitstelle für einen Coach oder einen Mediator anbietet, wird man sich darüber im Klaren sein, dass der künftige Stelleninhaber oder die Stelleninhaberin in der anderen Tageshälfte kaum Däumchen drehen wird. Bei Menschen mit Berufen, die eine Freiberuflichkeit erlauben, haben Personaler die 50/50-Option immer im Hinterkopf.

Ist aber eine Vollzeitstelle ausgeschrieben, und Sie werden zum Vorstellungsgespräch eingeladen, obwohl Sie in Ihrer Bewerbung darauf hingewiesen haben, dass Sie gerne Teilzeit arbeiten möchten, dann wird man Sie nach dem Grund fragen. Jetzt können Sie Ihren Plan, nebenberuflich auf eigene Rechnung tätig werden zu wollen, offenlegen.

Und das sollten Sie auch. Denn es gibt zwar keine gesetzliche Pflicht für Arbeitnehmer, den Arbeitgeber über ein geplantes oder bereits laufendes Nebengewerbe zu informieren. Eine solche Pflicht kann sich jedoch aus dem Arbeitsvertrag oder aus einem anzuwendenden Tarifvertrag ergeben. Verpackt ist sie in der Regel in Sätzen wie: "Nebentätigkeiten bedürfen des schriftlichen Einverständnisses des Arbeitgebers."

Wenn Sie Ihre Absicht im Vorstellungsgespräch noch nicht zur Sprache bringen wollen, weil Sie nicht einschätzen können, wie Ihr Gegenüber darauf reagiert, dann prüfen Sie bei einer Zusage unbedingt alle relevanten Verträge auf entsprechende Vorbehalte. Denn nur dann, wenn es keine Vorbehalte gibt, dürfen Sie Ihr Nebengewerbe für sich behalten. Und auch nur dann, wenn Sie mit Ihrer Nebentätigkeit nicht die Interessen Ihres Arbeitgebers verletzen.

Würden Sie beispielsweise in eine Wettbewerbssituation eintreten oder gegen das Arbeitszeitgesetz verstoßen, dann müssen Sie Ihr Nebengewerbe von sich aus anzeigen. Da sich beide Genehmigungspflichten unschwer konstruieren lassen, halte ich es für besser, von Anfang an mit offenen Karten zu spielen und Ihre Pläne offenzulegen. Glauben Sie mir: Es schläft sich dann ruhiger.

Christine Demmer arbeitet als Wirtschaftsjournalistin, Coach und Sachbuchautorin vor allem zu Personal- und Managementthemen in Deutschland und Schweden.

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