Internationaler Bildungsgipfel:Party ohne Gäste

Es hätte ein internationales Gipfeltreffen werden sollen - und endet womöglich als afrikanisches Kaffeekränzchen. Die traurige Geschichte des Bildungsgipfels in Kapstadt.

Maria Holzmüller

Es sollte ein Gipfeltreffen von internationaler Bedeutung werden - und droht nun zu einem Nachmittagsplausch von Lokalpolitikern zu verkommen. Inspiriert von der globalen Bildungskampagne, die im Rahmen der Fußball-WM mit der Aktion 1Goal -Bildung für alle für weltweiten Zugang zu Grundschulen kämpft, kündigte Südafrikas Präsident Jacob Zuma Anfang Juni einen internationalen Bildungsgipfel in Kapstadt an - für den 7. Juli. Im Scheinwerferlicht der Fußballweltmeisterschaft sollte die Weltgemeinschaft endlich mal wieder über die Bildungsförderung in Entwicklungsländern sprechen.

Schüler in Kenia, 1998

Schulen in Afrika sind vielfach überfüllt und es fehlt an gutausgebildeten Lehrern.

(Foto: dpa)

"Für uns muss Bildung der wichtigste Nebeneffekt der WM sein. Als Regierung planen wir für den 7. Juli einen 1Goal-Bildungsgipfel am Rande des Halbfinales in Kapstadt. Wenn er erfolgreich umgesetzt wird, könnte er 72 Millionen Kindern, die bislang ohne Schulbildung aufwachsen, ermöglichen, die Grundschule zu besuchen. Es wird das nachhaltigste Erbe der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 sein, und wir drängen alle Nationen der Welt dazu, diese Kampagne zu unterstützen", verkündete Zuma noch im Juni im Rahmen einer Pressekonferenz.

Aus dem nachhaltigen Erbe wird wohl erst einmal nichts. Erst wenige Tage vor dem ursprünglich angesetzen Termin gab die Regierung von Südafrika bekannt, dass der Bildungsgipfels verschoben wurde. Auf Sonntag, 11. Juli, den Tag des Finales. Möglicherweise soll die Bildungsproblematik so noch mehr Medienaufmerksamkeit bekommen - wahrscheinlicher aber ist, dass sie im Finaltrubel noch mehr untergeht, als das zu einem anderen Termin der Fall gewesen wäre. Bundeskanzlerin Angela Merkel oder Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel wäre der Zeitpunkt vielleicht entgegengekommen. Eine Reise zum Finale lässt sich mit einem internationalen Bildungsgipfel ganz gut verbinden. Ein Argument zur Rechtfertigung der Fußballreise wäre das internationale Treffen allemal gewesen.

Doch Angela Merkel ist gar nicht eingeladen. Aus dem internationalen Bildungsgipfel ist inzwischen ein rein afrikanisches Treffen geworden."Wir haben lange darauf gewartet, dass endlich ein Vetreter der Bundesregierung eingeladen wird. Und jetzt erfahren wir, dass lediglich afrikanische Politiker zum Bildungsgipfel zusammenkommen werden. Für gerade einmal zwei Stunden. In der Zeit lässt sich sicherlich keine Strategieplanung erstellen", sagt Barbara Fürst, Bildungsexpertin der Welthungerhilfe. Wer genau eingeladen ist, sei noch nicht bekanntgegeben. Ihre Enttäuschung ist groß: "Es gab durchaus die Hoffnung, dass der Gipfel am Rande der Fußball-WM mit internationaler Beteiligung den Druck auf die afrikanischen Staaten ebenso erhöht wie auf die Geberländer, die Versprechen in der internationalen Bildungsförderung auch umzusetzen. Jetzt wird es aber wohl kaum konkrete Ergebnisse geben."

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