Integration auf dem Schulhof Kultusminister gegen Deutschpflicht

Auf deutschen Schulhöfen soll nur noch deutsch gesprochen werden, fordern Koalitionspolitiker. Die Kultusminister der Länder erteilen diesen Plänen jetzt eine Absage.

Der Vorschlag aus Koalitonskreisen sorgte für Aufregung, jetzt kommt die Absage von Seiten der Kultusminister. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich gegen eine Deutschpflicht auf Schulhöfen ausgesprochen. Die Länderressortchefs wiesen den Vorschlag nach einem Gespräch mit Migrantenverbänden in Berlin klar zurück. Sie stellten sich damit gegen das Plädoyer führender Koalitionspolitiker, darunter der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU) und FDP-Generalsekretär Christian Lindner.

Die Kultusministerkonferenz sprach sich gegen eine Deutschpflicht auf deutschen Schulhöfen aus.

(Foto: ddp)

Der KMK-Präsident, Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), sagte zwar, freiwillige Regelungen an einzelnen Schulen könnten "durchaus interessant" sein. Er könne darin "auch keine Diskriminierung der Muttersprache erkennen". Ein flächendeckende Deutschpflicht auf dem Pausenhof sei aber nicht denkbar.

Andere Länderkollegen lehnten den Vorschlag rundweg ab. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) sagte, die Idee sei "in keiner Weise geeignet", Integrationsprobleme zu lösen. Es sei "traurig", dass in aller Regelmäßigkeit die gleichen unbrauchbaren Vorschläge wieder auftauchten.

Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) bezeichnete den Vorstoß als "nicht hilfreich". Die Bedeutung des Deutschlernens für die Integration sei zwar unbestritten. "Von oben herab" zu verbieten, dass Jugendliche auf dem Schulhof ihre Muttersprache sprächen, sei allerdings nicht sinnvoll.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland reagierte erleichtert auf die Positionierung der Länderminister. "Es bedurfte eines Signals der KMK", sagte der Bundesvorsitzende Kenan Kolat, "ein Verbot der Muttersprache ist nicht hinnehmbar." Dies wäre ein "Signal der Unterwerfung" und eine "Stigmatisierung" von Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln, betonten die Migrantenverbände in einer gemeinsamen Erklärung.

"Die Erstrangigkeit der deutschen Sprache ist für uns selbstverständlich", versicherten sie. "Nur über die Wege dazu sollte gesprochen werden." Es sei ein Skandal, dass Schulen ausgezeichnet werden, weil sie Kindern mit ausländischen Wurzeln in der Pause die Benutzung ihrer Muttersprache verbieten.

Die Verbände erinnerten an die UN-Kinderrechtskonvention, die der kulturellen Identität und Sprache der Kinder bei der Bildung einen besonderen Stellenwert einräumt. "Die Fokussierung allein auf den Erwerb der deutschen Sprache lenkt von den eigentlichen Problemen wie selektives Bildungssystem, geringe Ausbildungsbeteiligung aufgrund von Diskriminierungen und hohe Arbeitslosigkeit unter Menschen mit Migrationshintergrund ab", heißt es in der Erklärung.

Zu den Unterzeichnern zählen die Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände, der Verband Deutsch-Arabischer Vereine und die Türkische Gemeinde in Deutschland. Ähnlich positionierten sich der Deutsche Kulturrat gemeinsam mit den Migrantenorganisationen. "Die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, inklusive der Muttersprachen der Zuwanderer, muss verstärkt Anerkennung und Wertschätzung erfahren", forderten sie. Der Geschäftsführer des Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: "Dialog statt Ausgrenzung ist das Geheimnis von Integration."

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