bedeckt München

Inklusion:Den Einzelnen fördern, aber auch fordern

Die Universität Paderborn konzentriert sich auf Kunstvermittlung speziell für heterogene Gruppen.

Von Stephanie Schmidt

Viele Universitäten, die Experten für Kunstvermittlung ausbilden, setzen in der Lehre spezielle Akzente. An der Universität Paderborn ist die Kunstdidaktik am Institut für Kunst/Musik/Textil der Kulturwissenschaftlichen Fakultät angesiedelt. Dort wird intensiv zum Thema Inklusion geforscht und unterrichtet. Rebekka Schmidt, die an der Uni Paderborn die Professur Kunstdidaktik mit besonderer Berücksichtigung von Inklusion innehat, formuliert den zentralen Gedanken dieses Schwerpunkts so: "Jeder Lernende soll in der Schule individuell und bestmöglich gefördert werden." Dabei gehe es um eine konkrete Aufgabe, die jeder Teilnehmer einer heterogenen Gruppe - ihr können zum Beispiel Jüngere und Ältere oder Menschen mit Handicap oder Migrationshintergrund angehören - auf seine persönliche Art ausführt: Die kann etwa darin bestehen, sich ausgehend von einem Selbstporträt der Künstlerin Frida Kahlo mit dem Thema zu befassen: "Und ich? Welches Bild habe ich von mir selbst?" Bei der Ausführung greift der eine zur Schere, der andere zu Wasserfarben, der Dritte erstellt eine digitale Collage. Seit drei Jahren bietet Schmidt in Kooperation mit der Stiftung Bethel Seminare an, bei denen ihre Studenten in Kontakt mit geistig Behinderten kommen. "Die Studierenden müssen erst mal ihre Scheu verlieren. Aber sie berichten mir immer wieder, dass die Begegnung eine riesige Bereicherung für sie ist", sagt Schmidt.

Im Bereich der Kunstpädagogik bietet die Uni Paderborn zwei verschiedene Ausbildungswege: Man kann sich für den Zwei-Fach-Bachelor Kunst und Kunstvermittlung einschreiben - und dieses Studium mit zahlreichen anderen Fächern der Geistes- und Sprachwissenschaften kombinieren. Außerdem wird das Lehramtsstudium für verschiedene Schularten angeboten - auch fürs Gymnasium. Schmidt unterrichtet vorwiegend Lehramtsstudenten und konzentriert sich - neben dem Thema Inklusion - auf den Einsatz neuer Medien im Kunstunterricht. "Digitale Werkzeuge eignen sich gut für Experimente", stellt Schmidt fest. Mit ihren Studenten probiert sie etwa aus, wie sich ein durch Farbkontraste geprägtes Kunstwerk verändert, wenn es auf einmal in Schwarz-Weiß-Optik erscheint. "Ein riesiges Gemälde in einer großen Halle - diese Raumwirkung geht dagegen völlig verloren, wenn man das Bild online zeigt", gibt Schmidt zu bedenken, die eine distanzierte Haltung gegenüber digitalen Methoden im Kulturbereich einnimmt. "Doch ich sehe eine große Chance, über digitale Medien Lernende zu erreichen, die sonst keinen Zugang zur Kunst fänden."

Ein Blog der Hochschule informiert über neue Entwicklungen in der Kunstvermittlung und liefert Anregungen für Praxis-Projekte: https://blogs.uni-paderborn.de/kunstdidaktik.

© SZ vom 05.06.2020
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema