Imam-Ausbildung an deutscher Uni Brückenbauer im Hörsaal

30 Plätze für 90 Bewerber: In Osnabrück startet ein bisher einmaliges Bildungsangebot für Imame. Sie sollen lernen, ihre theologischen Inhalte in der deutschen Gesellschaft zu vermitteln.

Von Ralf Wiegand

Mit 30 Teilnehmern hat am Montag an der Universität in Osnabrück das "Universitäre Weiterbildungsprogramm für Imame und seelsorgerisches sowie religionspädagogisches Personal in Moscheegemeinden" begonnen - so heißt die erste Fortbildung für Imame in Deutschland offiziell. Die niedersächsische Hochschule folgt damit als erste Uni bundesweit einer Empfehlung des Wissenschaftsrats, wonach Imame und islamische Religionslehrer im Land ausgebildet werden sollen.

Warten auf Kursbeginn: Teilnehmer der Fortbildung für Imame an der Universität Osnabrück.

(Foto: dapd)

In zwei Semestern sollen die Imame vor allem ihre Deutschkenntnisse verbessern, "damit sie sich ohne Schwierigkeiten verständigen und auch theologische Inhalte auf Deutsch weitergeben können", sagt Bülent Ucar, Professor Islamische Religionspädagogik in Osnabrück. Daneben werden ihnen Geschichte, Politik, Recht und Gesellschaft vermittelt. Als dritter Schwerpunkt der berufsbegleitenden Ausbildung stehen pädagogische Kenntnisse für die Jugend- und Gemeindearbeit sowie der interreligiöse Dialog auf dem Lehrplan.

Die niedersächsische Ministerin für Soziales und Integration, Aygül Özkan (CDU), sagte, der Imam sei in Deutschland "längst nicht mehr allein traditioneller Vorbeter", sondern helfe als eine Art "Brückenbauer zur Mehrheitsgesellschaft" auch bei Eheproblemen, Behördengängen oder in Erziehungsfragen. Dazu brauche er "pädagogische, soziale, kulturelle und sprachliche Kompetenzen". Das Angebot der Uni in Osnabrück bezeichnete Özkan in diesem Zusammenhang als "längst überfällige Pionierarbeit". Die Weiterbildung von Imamen sei für die Integration von großer Bedeutung. Besonders junge Menschen bräuchten jemanden, der ihnen bei Alltagsproblemen zur Seite stehe.

Für die 30 Plätze in Osnabrück hatten sich 90 Bewerber gemeldet, "wir haben damit einen Nerv getroffen", sagte Özkan. Laut Rauf Ceylan, ebenfalls Professor für Religionswissenschaften an der Hochschule, werde es allerdings Jahre dauern, bis man angesichts von 2500 Moschee-Gemeinden in Deutschland den Bedarf werde decken können. Derzeit kämen rund 90 Prozent der in Deutschland arbeitenden Imame aus dem Ausland. Deshalb würden viele die Lebenswirklichkeiten von Kinder und Jugendlichen nicht kennen. Eine Studie unter der Leitung Ceylans hatte ergeben, dass Imame aus dem Ausland oft mit ihrer eigenen Integration überfordert seien.

Für die Uni Osnabrück soll das Weiterbildungsangebot nur ein Anfang sein. Die Hochschule will Standort eines der vom Wissenschaftsrat geforderten Institute für den Islam werden. Geplant ist ein Bachelor-Studiengang zur Imam-Ausbildung. Sollte Osnabrück vom Bundesbildungsministerium den Zuschlag zur Einrichtung eines Islam-Instituts erhalten, sollen fünf weitere Professorenstellen hinzukommen. Ceylan sagt: "Wir werden den Einfluss der Herkunftsländer unterbinden und so einen europäisch geprägten Islam fördern." Die meisten Islamischen Verbände begrüßen die Initiative, wollen aber weiterhin selbst Imame ausbilden.

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