HWP Hamburg Ende der Einmaligkeit

Deutschlands einzige Uni für Studierende ohne Abi, die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP), wird aufgelöst.

Der Protest gegen die Auflösung von Deutschlands einziger Universität für Studierende ohne Abitur ist nicht gerade lautstark. Selbst vor den Türen der bestreikten Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) sind die Parolen zahm. "Besetzt" oder "HWP-Gesetz verhindern" steht auf den wenigen Transparenten.

Studenten bestreiken die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik

(Foto: Foto: dpa)

Dabei hat die HWP als bundesweit einmalige Hochschule des Zweiten Bildungswegs eine bewegte Geschichte mit vielen prominenten Absolventen. Dazu gehören der frühere schleswig-holsteinischen Ministerpräsident Björn Engholm (SPD) ebenso wie der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel oder der langjährige Vorsitzende der früheren Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG), Roland Issen.

"Der CDU-Senat in Hamburg will die HWP mit ihrem einmaligen Bildungs- und Forschungsprofil zerschlagen", sagt AStA-Sprecher Bela Rogalla. Der jetzt verabschiedete Gesetzentwurf zur Bildung einer gemeinsamen Fakultät von HWP und den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Uni Hamburg sei alles andere als ein "Bestandsschutz". Der besondere Hochschulzugang für Menschen ohne Abitur, das interdisziplinäre Studienprofil und das Teilzeitstudium seien nicht abgesichert.

Wissenschaftssenator Jörg Dräger (parteilos) hatte lediglich erklärt, in der Gründungsphase bis zum Wintersemester 2008/2009 blieben die Zugangsmöglichkeiten für Bewerber ohne Abitur erhalten.

An der HWP studieren nach Angaben ihrer Präsidentin Dorothee Bittscheid zur Zeit knapp 3000 Frauen und Männer. Vom Sommersemester 2005 an soll Hamburgs kleinste Uni ihre Eigenständigkeit verlieren.

"Ich finde die ideologisch gefärbte Entscheidung, die HWP aufzulösen, grundfalsch", sagt Bittscheid. Die Kompetenz der Hochschule liege darin, "die Unterschiedlichkeit von Erfahrungs- und Bildungshintergründen für den Studienerfolg zu nutzen". Das sei für den gesamten Arbeitsmarkt interessanter denn je.

Rund ein Drittel der HWP-Studenten haben kein Abitur, sondern eine Aufnahmeprüfung erfolgreich bestanden, betont Bittscheid. Der Rest seien Abiturienten mit einem guten Notenschnitt.

"Wir haben besonders motivierte und leistungsstarke Studenten", sagt die Präsidentin. So sind die Berufschancen für HWP-Absolventen nach ihren Worten "nach wie vor besonders gut".

Studienbegleitende Prüfungen, wie es sie hier schon seit Jahrzehnten gebe, seien an einigen Unis immer noch Reformziele.

Die HWP startete am 1. November 1948 als bundesweit erste - und inzwischen wieder einzige - Hochschule des zweiten Bildungsweges als "Akademie für Gemeinwirtschaft".

Gründungsrektor war der Volkswirtschaftsprofessor und spätere Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller (SPD). Die Vorlesungen begannen zunächst mit 71 Studierenden in einer alten Villa.

Das Lehrangebot richtete sich vor allem an Menschen mit Berufserfahrung. Die Idee für die HWP-Gründung war von Gewerkschaften, Konsumgenossenschaft und der SPD ausgegangen. 1991 erhielt die HWP Promotions- und Habilitationsrecht.