bedeckt München

Homeoffice in Deutschland:Sollte man Unternehmen zu ihrem Glück zwingen?

Und doch klappt es hierzulande nicht so richtig mit dem Homeoffice. Nur ein Drittel der Betriebe bietet es ihren Mitarbeitern an. Der Rest hat es lieber, wenn die Mannschaft jeden Tag an der Planstelle sitzt und sichtbar arbeitet. Präsenz ist dort wichtiger als Performance, Kontrolle wiegt schwerer als Vertrauen. Das ist eine traurige, aber verfestigte Geisteshaltung, was man daran ablesen kann, dass die Zahl der Unternehmen mit Homeoffice-Arbeitern seit 2013 nicht gestiegen ist - obwohl Laptop, Smartphone und Tablet es immer leichter machen.

Stellt sich die Frage, ob man die Unternehmen nicht einfach zu ihrem Glück zwingen sollte. So wie die Niederlande es machen, wo es seit Sommer eine gesetzliche Homeoffice-Pflicht gibt. Will ein Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten, kann er das. Es sei denn, es sprechen gewichtige dienstliche Gründe dagegen. Nicht irgendwelche, sondern nur solche, die das Gesetz genau vorgibt. Und es ist der Chef, der nachweisen muss, dass es nicht geht.

Ein Vorbild? Nein. Der paternalistische Ansatz der Niederlande sollte nur der wirklich allerletzte Weg sein. Es braucht keinen mahnenden Zeigefinger des Staates, um einer guten Idee zum Durchbruch zu verhelfen. Da hilft vor allem reden und überzeugen. Wer sein Homeoffice gegen den erklärten Willen des Chefs unter Berufung auf ein Gesetz durchsetzt, wird kein großes Vergnügen mehr in seinem Betrieb haben. In der sozialpartnerschaftlich geprägten Bundesrepublik sollte es möglich sein, Vereinbarungen zum Homeoffice auf Betriebsebene hinzukriegen.

Dabei darf es nicht ausschließlich um alles oder nichts gehen - also nicht nur darum, ob die Mitarbeiter jeden Tag zu Hause arbeiten oder nie. Es kommt darauf an, flexibel zu bleiben. Wenn es Bedarf im Betrieb gibt, wird dort geschafft. Wenn die Arbeit auch von zu Hause aus erledigt werden kann oder ein Kind plötzlich krank wird, heißt es eben: "Ich bin heute im Homeoffice. Bei Fragen bitte Anruf, E-Mail, SMS oder Skype."

Die Flexibilität kann man sogar auf Stunden runterbrechen. Warum sollte man zum Beispiel am Wochenende nicht die Arbeit zu Hause nachholen können, die man in der Woche nicht erledigen konnte, weil es einen dringenden privaten Termin gab? Das Homeoffice ist eine der großen Versprechungen der Digitalisierung. Eine Idee, die viel zu gut ist, um sie am eingefahrenen Denken scheitern zu lassen.

© SZ vom 17.11.2015/mkoh
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema