Hochschule: Juniorprofessur Gegen allen Widerstand

Die Juniorprofessur wurde als "McDonaldisierung" der Lehre verspottet. Jetzt ergattern immer mehr Juniorprofessoren Dauerstellen an deutschen Universitäten.

Von Christine Schniedermann

Sie wurde bejubelt, für verfassungswidrig erklärt, zur Karrierechance erkoren, als "McDonaldisierung" der Lehre verspottet: die Juniorprofessur. Bei aller Skepsis in der wissenschaftlichen Gemeinschaft sind viele Juniorprofessoren mittlerweile auf ordentliche Professuren berufen worden. Einer von ihnen ist Martin Prominski. Der 41-Jährige absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner, studierte in Berlin und Cambridge, wurde 2003 Juniorprofessor an der Uni Hannover und hat nun dort seit April den Lehrstuhl für "Urbane Landschaftsentwicklung" inne.

"Die zeitaufwändigsten Ämter der Selbstverwaltung müssen noch nicht übernommen werden. Das schafft Freiräume für die Forschung", sagt Prominski über die Juniorprofessur. Selbständig forschen und lehren zu können, sei großartig. Anders als bei der traditionellen Habilitation sind Juniorprofessoren rechtlich und fachlich nicht vom Lehrstuhlinhaber abhängig.

Das begrüßt auch Kurosch Rezwan, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft Juniorprofessur. Er bemängelt allerdings die schlechte berufliche Planbarkeit. Die Stellen der Juniorprofessoren sind auf höchstens sechs Jahre befristet, in Nordrhein-Westfalen sind sieben Jahre möglich. Man frage sich schon, ob man die Stadt schnell wieder verlassen müsse, "und das in einem Lebensabschnitt, wo über Familienplanung nachgedacht wird", sagt der 34-Jährige, der selbst einen Sohn hat. Rezwan und seine Familie können nun in Bremen bleiben. Zwar übernahm er erst vor drei Jahren eine Juniorprofessur, im August ist er aber auf eine Lebenszeitprofessur in Bremen berufen worden. Für ihn hat sich die Juniorprofessur gelohnt.

Vor sieben Jahren führte die damalige Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) die Juniorprofessur ein. Ursprünglich sollte sie die Habilitation vollständig ersetzen, doch der Widerstand war zu groß. Einige Universitäten nahmen die Idee nur zögerlich auf. Die Uni Münster stellte erst 2005 Juniorprofessoren ein; die Universität München und die Unis in Bonn und Heidelberg waren ebenfalls Nachzügler. Vorreiter waren dagegen Göttingen und Bremen, die schon 2001 Juniorprofessoren einstellten. Die FU Berlin und die Humboldt-Universität, die TU Darmstadt, die Unis Frankfurt und Jena boten ebenfalls früh Stellen an.

Brüsten mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs

Trotz anfänglicher Skepsis brüsten sich nun die meisten Hochschulen mit ihrem wissenschaftlichen Nachwuchs. "Ich beobachte jetzt öfter, dass Rektoren stolz ihre Juniorprofessoren präsentieren", sagt Rezwan. Allein, eine langfristige Perspektive fehlt vielerorts noch immer - den tenure track, der guten Juniorprofessoren eine ordentliche Stelle in Aussicht stellt, gibt es nur vereinzelt. Immerhin aber wenden nun auch andere das "Bremer Modell" an: Es sieht vor, Juniorprofessoren dort einzustellen, wo in ein paar Jahren ein Lehrstuhlinhaber emeritiert wird, den der Nachwuchswissenschaftler dann beerben kann.

Dass Forschungsprogrammen die Kontinuität fehlt, weil der Juniorprofessor nach sechs Jahren - oder schon früher - an eine andere Uni wechselt, findet Stefan Heinze nicht optimal. Allerdings schätzt auch er das unabhängige Arbeiten. Heinze kam im September 2003 für eine Juniorprofessur aus den USA zurück, weil das Angebot sehr gut war. Seit Mai ist der 38-Jährige Professor für Physik in Kiel. Die verbreitete Ansicht, ein Juniorprofessor genieße nicht genügend Anerkennung, teilt er nicht. Als Naturwissenschaftler hat er es allerdings leichter, denn Vorbehalte hegen vor allem Geisteswissenschaftler, die gern an der klassischen Habilitation festhalten möchten. Mit der Habilitation legen Geisteswissenschaftler ihr zweites "großes Buch" vor, auf das vielerorts weiterhin großen Wert gelegt wird, und den Juniorprofessoren fehlt oft die Zeit, neben der Lehre und anderen Projekten eine umfangreiche Monographie zu verfassen.

"Transparenz muss gegeben sein"

"Die Juniorprofessur ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Qualifikationsweg zur Professur", betont Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart. Entscheidend sei, dass junge Wissenschaftler selbst Verantwortung übernehmen könnten. Diese Linie vertreten viele Hochschulpolitiker und Professoren. Auch Rezwan von der Deutschen Gesellschaft Juniorprofessur betont, er sei nicht per se gegen die Habilitation. "Aber Transparenz muss gegeben sein. Das ist bei der Juniorprofessur aufgrund der strengen Evaluationskriterien gegeben. Bei der Habil hängt viel vom Lehrstuhlinhaber ab."

Derzeit gibt es ungefähr 800 Juniorprofessoren in Deutschland und die gefühlte Zufriedenheit unter ihnen sei hoch, sagt Rezwan. Allerdings gibt es, vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften, noch immer viele, die lieber auf Nummer sicher gehen wollen und auch als Juniorprofessor zusätzlich an einer Habilitation arbeiten.