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Hochschule als Marke:Meine Zeit in Stanford

Wer in seinem Lebenslauf Harvard, Stanford oder NYU erwähnt, profitiert von dem Ruf dieser Hochschulen. Man traut Absolventen von dort mehr zu. Illustration: SZ

Das Vorbild Ursula von der Leyen macht es kinderleicht, den eigenen Lebenslauf mit amerikanischen Elite-Unis aufzuwerten. Unser Autor sagt: "Danke, Frau Ministerin!"

Man ist ja selten zufrieden mit der Arbeit seiner Regierung, aber Ursula von der Leyen gebührt hier doch mal besonderer Dank. Immerhin hat sie vielen Menschen übers Wochenende dazu verholfen, dass sie ihren Lebenslauf akademisch sehr viel beeindruckender formulieren können.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Ergänzung um: Harvard, Massachusetts Institute of Technology, Oxford University und die School of Medicine an der New York University. Was das bedeuten kann, soll gleich untersucht werden. Kurz zur Erinnerung, wie es dazu kam.

Die Stanford University hatte laut Presseberichten bemängelt, dass die Ministerin in ihrem Lebenslauf in der Rubrik "Beruflicher und wissenschaftlicher Werdegang" drei von fünf Stationen in Stanford ansiedelt, obwohl sie dort weder eingeschrieben noch sonst irgendwie aktenkundig geworden war. Die erste Angabe "1992 - 1996 Aufenthalt in Stanford" scheint zu stimmen, weil ihr Ehemann Heiko dort einen Forschungsauftrag im Feld der kardiovaskulären Gentherapie hatte.

Beim zweiten Eintrag "Auditing guest: Stanford University, Graduate School of Business" handelt es sich um eine Gasthörerschaft, denn auch in Amerika kann man ohne Immatrikulation eine Vorlesung besuchen. Beim dritten Eintrag "Marktanalyse, Stanford Health Services Hospital Administration" wird es allerdings etwas ungenau, weil damit auch eine Inventur des Erste-Hilfe-Kastens im Krankenzimmer der Universität gemeint sein könnte.

Harvard genießt mehr Vertrauen als Coca-Cola, Apple und Levi's Jeans

Weil man aber sehr viel informierter über die eigene akademische Laufbahn schreiben kann als über die der Ministerin, zurück zum Gedankenspiel. Um die Ernsthaftigkeit des Anliegens zu unterstreichen - nämlich den Lebenslauf um die genannten Universitäten zu erweitern -, sei noch darauf hingewiesen, dass die Stanford University ihre Beschwerde inzwischen zurückgenommen hat.

Eine Universitätssprecherin sagte der Welt, "Aktivitäten dieser Art würden nicht registriert, eine Auflistung davon sei aber keine missbräuchliche Benutzung des Namens der Hochschule." Das wiederum bedeutet, dass man die Aufbereitung des eigenen Lebenslaufs nicht mit einem moralisierenden "Wenn die das kann, kann ich das auch"-Unterton vornehmen muss, sondern mit der Sanktionierung einer der besten und teuersten Universitäten der Welt.

Gleich zu Eingang sei darauf hingewiesen, dass die nun besprochenen akademischen Stationen im Gegensatz zu denen der Ministerin belegbar sind. Das ist ein klarer, wenn auch nicht ganz fairer Vorteil, weil man als Journalist je nach Neugier und Neigung sehr viel leichter Zugang zu verschiedenen Welten und ihren berühmtesten Protagonisten bekommt als etwa adelige Medizinstudentinnen. Und das Dokumentieren ist ja sozusagen Kerngeschäft.

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