Hitze-Dresscode:Barfuß im Büro? Undenkbar

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Sommer im Büro - Tipps für die Job-Garderobe bei Hitze

Auch bei Temperaturen über 30 Grad eigentlich verboten: Mit Sandalen ins Büro gehen

(Foto: dpa-tmn)

Bei 30 Grad verliert so mancher im Büro die Lust auf Anzug und Krawatte. Darf man bei dieser Hitze ausnahmsweise in Flipflops zur Konferenz schlappen? Zwei Knigge-Experten antworten.

Nicola Holzapfel

Der Schreck aller Etikette-Experten trägt keine Strümpfe. Die gehören zum deutschen Büroleben offenbar dazu wie der graue Schreibtisch und die Hydrokultur. Egal wie hoch die Temperaturen steigen: Nackte Füße im Schuh sind tabu. Genauso wie zu kurze Hosen. Beides soll übrigens insbesondere für Männer gelten - aber nicht nur.

Am schlimmsten: Kurze Hemden mit Krawatte

Dabei machen sogar Dresscode-Ratgeber Unterschiede und haben mit manchen und Manchem ein Einsehen. "Es gibt nicht den einen Dresscode. Das hängt von der Umgebung ab", schickt Alexander Freiherr Knigge, der wegen seines Ururonkels oft um Rat zu Umgangsformen gefragt wird, vorweg. "Kleidung ist immer auch eine Frage des Geschmacks."

Und dann legt Knigge los: "Ich persönlich finde fürs Büro bei Männern kurzärmelige Hemden mit Krawatte furchtbar. Sie sind unangebracht, sobald es seriöser sein soll. Sandalen gehen nicht. Strümpfe sind klar."

Elisabeth Bonneau, Kommunikationstrainerin und Mitglied im Deutschen Kniggerat, sagt: "Kunden wünschen sich, dass man ihnen Wertschätzung entgegen bringt. Sie erwarten bei Männern ein Jackett, bei Frauen einen Blazer. Je höher in der Unternehmenshierarchie der Kunde sein Gegenüber sieht, desto formvollendeter wünscht er ihn sich. Die Erwartungen ändern sich nicht mit der Jahreszeit."

Wo der Kundenkontakt die Kleidersitten bestimmt, kann mehr Lockerheit höchstens von oben kommen: "Als Vorgesetzter kann ich mit meinen Mitarbeitern besprechen, ob alle zum Beispiel die Krawatte weglassen." Durch so eine Kleiderabsprache sei der Einzelne geschützt. Wer hingegen als einziger unter lauter Anzugträgern im Polohemd zum Termin kommt, sei falschen Interpretationen ausgesetzt.

Der Chef gibt die Kleiderodnung vor

Heißt also auch: Wer morgens suchend vor dem Kleiderschrank steht, überlege erst einmal was der Chef so trägt. Nichts anderes würde übrigens Alexander Freiherr Knigge empfehlen: Man orientiere sich bei der Kleiderwahl am besten am Vorgesetzten.

Und wie schaut's ohne Kundenkontakt aus? Ist dann (fast) alles erlaubt? Knigge-Experten schütteln den Kopf: Dresscode-Regeln gibt es auch jenseits der Bankenviertel. Wo der Anzug nicht zur Pflicht gehört, ist es für den Einzelnen womöglich sogar schwieriger, das Richtige zu wählen. Falsch kann man dabei offenbar vieles machen:

Der größte Fehler sei es, "sich ausziehen" und es sich zu leger zu machen, meint etwa Bonneau. "Sie sind nicht zuhause. Sie sollen sich in der Arbeit wohl, aber nicht privat fühlen."

Für Frauen gilt: nicht zu wenig anziehen

Frauen rät Elisabeth Bonneau, allein aus Selbstschutz nicht zu wenig anzuziehen: "Eine Frau, die ihre weiblichen Reize zeigt, läuft Gefahr, dass man ihr einen Kompetenzmangel zuschreibt - nach dem Motto: Die will mit ihrem Aussehen ihre fehlende Kenntnis verdecken." Also gelte: "Nichts Nackiges". Spaghetti-Tops zum Beispiel hält Bonneau für "indiskutabel".

Und was meint Herr Knigge? "Bei Frauen sehe ich immer nur das Gesamtbild. Sie müssen nicht ganz so zugeknöpft sein, wie die Männer." Aber: "Bauchfrei im Büro geht nicht - egal wie der Bauch aussieht."

Und wie schaut's bei Männern mit kurzen Hosen aus? "Als Bademeister: ja", meint Bonneau.

Und Flipflops? "Die gehören nicht in den Beruf".

Sonnenbrillen im Haar? "Bei Männern eine Lachnummer."

Barfuß laufen? "Undenkbar."

Mehr Form, also! Alexander Freiherr Knigge, der beim Gespräch einen hellen Anzug mit Hemd trägt, meint: "Die Selbstwahrnehmung ändert sich, wenn man einen Anzug anhat."

Und Bonneau erklärt: "Kleidung muss man immer unter dem Aspekt sehen: Was sieht der andere. Genauso wichtig ist es aber zu fragen: Wie will ich gesehen werden?"

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