Hilfe bei Berufswahl "So ähnlich wie Partnerschaftsvermittlung"

Es kommt nur zusammen, was zusammen passt: Zwei Münchner Jungunternehmer entwickeln ein Portal, bei dem Schulabgänger und Firmen sich finden.

Von E. Müller-Jentsch

Natürlich wird es nicht die Partnerschaft für ein ganzes Leben sein. Aber es könnte doch eine Verbindung für viele Monate oder Jahre werden. Und klar, beim ersten Mal wollen beide möglichst attraktiv dastehen: Ob man auch wirklich zueinander passt? Den richtigen Beruf zu finden, ist mindestens so wichtig wie die Suche nach der richtigen Frau oder dem richtigen Mann. Denn man wird viel Zeit miteinander verbringen - und das soll auch nach langer Zeit noch Spaß machen. "Dass Schulabgänger und Ausbildungsbetriebe zueinander finden, ist so ähnlich wie Partnerschaftsvermittlung", sagten sich auch zwei junge Münchner und entwickelten ein neuartiges Online-Portal. Der Kern ist die passgenaue Zusammenführung von Kandidaten- und Stellenprofilen.

Die Münchner Jungunternehmer Joachim Geitner und Florian Meyer (rechts)  haben das Online-Portal  Azubiyo gegründet.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein besseren Zeitpunkt hätten Joachim Geitner und Florian Meyer für ihre Ausbildungsoffensive München/Oberbayern gar nicht finden können. Schon im vergangenen Jahr blieben in diesem Raum rund 1500 Lehrstellen unbesetzt, obwohl auf jeden Bewerber fast zwei offene Plätze kamen. Besonders stark betroffen vom Nachwuchsmangel sind technische Berufe, wie etwa Fachinformatiker. Der Wettbewerb um junge Talente wird sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Auf der anderen Seite träumen viele Schulabgänger von Karrieren in Trendberufen, beispielsweise in der Medienbranche - hier herrscht schlichtweg ein Überangebot.

Während also viele Betriebe sehr gerne Azubis einstellen würden, rennen anderen Firmen die oftmals ungeeigneten Bewerber die Türen ein. Das Resultat: Frust auf allen Seiten. Denn Arbeitgeber zahlen drauf, weil zu viele und oft unbrauchbare Bewerbungen das Auswahlverfahren teuer und aufwendig machen. Das gilt auch für die seit Jahren mit rund 20 Prozent relativ gleichbleibend hohe Abbruchquote, weil der geleistete Ausbildungsaufwand verloren ist. Gerade bei den Firmen wird sich der Wettbewerb um den vielversprechenden Nachwuchs in den kommenden Jahren verschärfen. Eine Job-Börse im Internet, wie es viele gibt, halten die beiden Azubiyo-Jungmanager für ein ungeeignetes Mittel. Sie entwickelten ein komplexes Matching-Verfahren, also eine musterbasierte Suche: So sollen Streuverluste vermieden und die Passgenauigkeit auf beiden Seiten erhöht werden.

Die Azubiyo GmbH wurde im Januar 2010 von Kaufmann Joachim Geitner und Volkswirt Florian Meyer gegründet. Geitner hat berufliche Erfahrung als Unternehmensberater bei Bain & Company gesammelt, Meyer als Berater bei der KPMG. Ihr Unternehmen ist eine sogenannte Ausgründung der Ludwig-Maximilians-Universität und wird seit Ende 2009 vom Bundeswirtschaftsministerium und vom europäischen Sozialfonds im Rahmen des Exist-Gründerstipendiums unterstützt.

Schon in der Testphase konnten die Jungmanager große Firmen als Kunden gewinnen, etwa die Allianz, den ADAC, den Reisekonzern FTI, Autovermieter Sixt oder die Bayerische Landesbank. Und sie sprechen seit Wochen sehr viele weitere Ausbildungsbetriebe aus unterschiedlichen Branchen an, um ein möglichst breitgefächertes Sortiment an Arbeitgebern den künftigen Azubis präsentieren zu können. Speziell große Handwerksbetriebe sind bei ihnen zurzeit sehr gesucht. Heuer im Sommer wurden dazu auch mehrere hundert Schüler von 13 Realschulen aus der Region München für eine geschlossenen Testphase ausgewählt. Gemeinsam mit den jungen Münchner Softwareentwicklern der SpiritecGmbH, die etwa die Internetauftritte der Münchner Kammerspiele oder des Staatsschauspiels Dresden gestaltet haben, wurde dann das Azubiyo-Portal realisiert.

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