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Hebammen:"Die Frauen geben einander Kraft"

Cato Warm ist Hebamme im queer-feministischen Kollektiv Cocoon. Es begleitet Menschen, die sich in starren Geschlechterrollen unwohl fühlen.

(Foto: privat)

Deutschland führt das Hebammen-Studium ein. Wie vielseitig und anspruchsvoll der Job ist, zeigen diese drei Beispiele.

Von Judith Jenner

Hebammen müssen schwangere Frauen an der Tür abweisen, sie finden keine Urlaubsvertretung, zahlen horrende Versicherungssummen und sind immer erschöpft. Abschreckende Meldungen über die prekären Arbeitsbedingungen der "weisen Frauen" haben dazu geführt, dass immer weniger Menschen in der Geburtshilfe arbeiten wollen - und das, obwohl der Beruf der Hebamme zu den vielseitigsten und verantwortungsvollsten im Gesundheitswesen zählt. Nun soll die Akademisierung den Job attraktiver machen. Als letztes Land in Europa hat Deutschland zu Beginn dieses Jahres die Hebammenausbildung an die Hochschulen verlagert. Weil es noch nicht genug Studienplätze gibt, gilt eine Übergangszeit: Wer bis Ende 2022 mit der klassischen Ausbildung beginnt, kann in Deutschland als vollwertige Hebamme arbeiten und dieselben Aufgaben übernehmen wie studierte Kolleginnen. Im EU-Ausland könnte das aber schwierig werden. "Deutschland ist das Schlusslicht bei der Überführung der Ausbildung auf hochschulisches Niveau", sagt Yvonne Bovermann vom Deutschen Hebammenverband. "Der Hebammenberuf hat sich weiterentwickelt und wird dies auch in der Zukunft weiter tun." Wie in vielen typischen Frauenberufen passt die große Verantwortung, die Hebammen tragen, nicht zu ihrem eher bescheidenen Gehalt. Das liegt auch daran, dass Hebammen keine starke Interessenvertretung haben - und dass sie im Krankenhausalltag nicht mit den Ärzten und Ärztinnen auf Augenhöhe agieren. Die Akademisierung könnte das ändern.

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