Halle/Erfurt (dpa/th) - In der Altenpflege in Thüringen sind die Verdienste vergleichsweise niedrig und der Fachkräftebedarf enorm hoch. Das geht aus einer Datenanalyse der Landesarbeitsagentur in Halle/Saale zum Tag der Pflege am 12. Mai hervor, die am Montag veröffentlicht wurde. Demnach betrug Ende 2018 das mittlere Bruttoentgelt vollzeitbeschäftigter Fachkräfte in der Altenpflege 2350 Euro. Dagegen lag der Verdienst aller Vollzeitbeschäftigten im Schnitt bei 2553 Euro brutto im Monat und damit um 203 Euro höher. Auch im Vergleich zu anderen Pflegeberufen haben die Altenpfleger weniger in der Tasche.
So bekamen in Vollzeit beschäftigte Fachkräfte in der Krankenpflege im Dezember 2018 im Schnitt 3085 Euro brutto - 735 Euro mehr als ihre Kollegen in der Altenpflege. Der Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens, hält eine Verbesserung bei Löhnen und Arbeitsbedingungen für nötig, um die Fachkräftelage zu entspannen. Zudem müssten perspektivisch auch verstärkt Pflegekräfte aus dem Ausland angeworben werden.
Laut der Landesarbeitsagentur dauert es inzwischen 236 Tage, bis eine Stelle für examinierte Altenpfleger besetzt werden kann. Auf 100 gemeldete Stellen kämen rein rechnerisch 13 Arbeitslose. Zum Vergleich: Nimmt man alle Berufe zusammen, dann sind die Stellen für Fachkräfte den Angaben zufolge nach 169 Tagen besetzt. Bei den Krankenpflegern liege die Vakanzzeit bei 178 Tagen. Auf 100 gemeldete Stellen kämen in dieser Berufsgruppe 125 Arbeitslose.
Zudem seien Pflegeberufe Frauen- und Teilzeitdomänen, hieß es. Mehr als vier von fünf Pflegekräften waren im vergangenen Jahr in Thüringen Frauen. 43 Prozent der Krankenpflegekräfte und 62 Prozent der Altenpflegekräfte arbeiteten in Teilzeit. Die Teilzeitquote von allen Beschäftigten in Thüringen liege bei 28 Prozent.
Im Freistaat ist die Zahl der Beschäftigten in der Alten- und Krankenpflege zuletzt gestiegen. Im Juni 2019 waren den Angaben zufolge 18 500 Altenpfleger sozialversicherungspflichtig beschäftigt und damit 400 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Krankenpfleger stieg um 530 auf 30 200.
Die Diakonie Mitteldeutschland und die Grünen im Landtag forderten ein Umdenken in der Pflege. „Wir brauchen mehr Geld im System, spürbar bessere Personalschlüssel, verlässlich höhere Vergütungen und eine nachhaltig höhere gesellschaftliche Anerkennung, besonders für die Altenpflege“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Mitteldeutschland, Oberkirchenrat Christoph Stolte. Die grundlegenden Probleme der Pflege seien seit Jahren bekannt. An erster Stelle sei es die Arbeitsbelastung, da zu wenige Pflegekräfte zu viele Menschen versorgen müssten.
Die sozialpolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Babett Pfefferlein, erklärte, der Pflegefachkräftemangel werde gerade in Krisensituationen besonders deutlich. Deshalb müsse es einen Richtungswechsel in der Pflegepolitik geben: „Weg von der Unterordnung von Pflegearbeit unter Profitinteressen, hin zu der endlich notwendigen gesellschaftlichen und monetären Anerkennung dieser Arbeit.“
