Guttenberg: Zitate zur Plagiatsaffäre:Von "abstrusen" Vorwürfen und "schmerzlichen Schritten"

Jetzt hat er es schriftlich: Karl-Theodor zu Guttenberg hat bei seiner Doktorarbeit "vorsätzlich getäuscht", sagt die Kommission der Uni Bayreuth. Er selbst sieht das anders. Die gesammelten Zitate zur Plagiatsaffäre.

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Karl-Theodor zu Guttenberg hat bei seiner Doktorarbeit "vorsätzlich getäuscht" - so das Urteil der Kommission der Uni Bayreuth. Er selbst sieht das anders - und hat doch seine Meinung über Monate hinweg etwas geändert. Die gesammelten Zitate zur Plagiatsaffäre. Mittwoch, 16. Februar 2011: Schriftliche Erklärung "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus. (...) Sollte jemand auf die Idee kommen zu behaupten, Mitarbeiter meiner Büros hätten an der wissenschaftlichen Erarbeitung meiner Dissertation mitgewirkt, stelle ich fest: Dies trifft nicht zu. Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung."

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18. Februar 2011: Mündliche Erklärung "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat (...) Sie ist über etwa sieben Jahre neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit entstanden und sie enthält fraglos Fehler. (...) Es wurde allerdings zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht oder bewusst die Urheberschaft nicht kenntlich gemacht. Sollte sich jemand hierdurch oder durch inkorrektes Setzen und Zitieren oder versäumtes Setzen von Fußnoten bei insgesamt 1300 Fußnoten und 475 Seiten verletzt fühlen, so tut mir das aufrichtig leid. Die eingehende Prüfung und Gewichtung dieser Fehler obliegt jetzt der Universität Bayreuth. (...) Ich werde gerne bis zum Ergebnis dieser Prüfung vorübergehend, ich betone: vorübergehend, auf das Führen des Titels verzichten, allerdings nur bis dahin, anschließend würde ich ihn wieder führen."

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21. Februar 2011: Rede vor der CDU im hessischen Kelkheim "Ich habe mir auch die Zeit nehmen dürfen, mich auch noch einmal mit meiner Doktorarbeit zu beschäftigen. (...) Ich sage das ganz bewusst, weil ich am Wochenende, auch nachdem ich diese Arbeit noch einmal intensiv angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe. (...) Und dann gibt es ganz besonders peinliche Beispiele dabei, etwa dass die Frankfurter Allgemeine so prominent in der Einleitung einer Doktorarbeit erscheint." Die Entscheidung, meinen Doktortitel nicht zu führen, schmerzt (...) Ich kann auch eines sagen: Ich habe diese Arbeit selber geschrieben, weil ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich da geschrieben habe."

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23. Februar 2011: Fragestunde des Bundestags "Was die Frage betrifft, was man für ein Signal in die Wissenschaftsgesellschaft sendet, wenn man eine offensichtlich sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben hat, dann kann ich nur sagen, dass das ein schlechtes Signal ist, dass ich hier gesendet habe. (...) Ich habe mehrfach gesagt, dass ich diese Arbeit persönlich geschrieben habe. Auf eine Nennung der jeweiligen Verfasser der Ausarbeitungen der Wissenschaftlichen Dienste habe ich im Übrigen deshalb verzichtet, weil diese als Angestellte der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags nach meiner Auffassung nicht zusätzlich genannt werden mussten. (...) Ich habe mehrfach darauf verwiesen, dass ich ein Mensch mit Fehlern und Schwächen bin. Und dass ich trotzdem mir den Anspruch setze, weiterhin auch als Vorbild, auch was das Eingestehen und das Bekennen zu Fehlern anbelangt, wirken kann."  

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23. Februar 2011: Aktuelle Stunde des Bundestags "Ich habe fehlerhaft gehandelt."

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28. Februar 2011: Am Rande der CSU-Vorstandssitzung "Meine Arbeitskraft, was die Bundeswehr anbelangt, ist vollends gegeben. Ich habe dieses Amt auszufüllen und fülle das mit Freuden auch entsprechend aus."  

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1. März 2011: Rücktrittserklärung "Es ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens. Ich gehe nicht allein wegen meiner so fehlerhaften Doktorarbeit, wiewohl ich verstehe, dass dies für große Teile der Wissenschaft ein Anlass wäre. Der Grund liegt im besonderen in der Frage, ob ich den höchsten Ansprüchen, die ich selbst an meine Verantwortung anlege, noch nachkommen kann. (...) Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten. (...) Es würde nach meiner Überzeugung im öffentlichen wie in meinem eigenen Interesse liegen, wenn auch die staatsanwaltlichen Ermittlungen etwa bezüglich urheberrechtlicher Fragen nach Aufhebung der parlamentarischen Immunität - sollte dies noch erforderlich sein - zeitnah geführt werden können. (...) Ich war immer bereit zu kämpfen. Aber ich habe die Grenzen meiner Kräfte erreicht."  

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10. April 2011: Guttenbergs Anwälte attackieren die Uni Bayreuth - zuvor war durchgesickert, dass die Hochschule in ihrem Gutachten zu dem Schluss kommen würde, Guttenberg habe absichtlich abgeschrieben. "Obwohl die Kommission der Bayreuther Universität ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen hat, wird über deren angebliche Ergebnisse bereits in der Presse berichtet. Das widerspricht allen Regeln eines ordentlichen Verfahrens und dient der Vorverurteilung meines Mandanten."

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13. April: Guttenberg lässt über seine Anwälte ausrichten, dass er einer Veröffentlichung des Gutachtens zu seiner Doktorarbeit zustimmt "Er steht zu seiner Aussage, an der Aufklärung des Sachverhalts mitwirken zu wollen."

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27. April 2011: Stellungnahme per Fax an die Universität Bayreuth Laut Spiegel betonte Guttenberg in seinem Schreiben, die Arbeiten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags habe er nur für seine Abgeordnetentätigkeit verwendet. Die Arbeiten seien überwiegend in den Jahren 2003 und 2004 entstanden, die Dissertation habe er 2006 abgegeben. Aus dieser "zeitlichen Abfolge" lasse sich nicht auf ein "vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten" schließen.

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5. Mai 2011: Kommission der Universität Bayreuth veröffentlicht ihr Gutachten zu Guttenbergs Dissertation Guttenberg habe bei seiner juristischen Doktorarbeit "vorsätzlich getäuscht". Die Standards guter wissenschaftlicher Praxis habe er "evident grob verletzt". Guttenberg habe sich "immer wieder die Autorschaft angemaßt, was bewusstes Vorgehen voraussetzt."

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11. Mai 2011: Die Stellungnahme von Karl-Theodor zu Guttenberg wird bekannt Gegenüber der Universität Bayreuth räumt Karl-Theodor zu Guttenberg eine "ungeordnete Arbeitsweise" mit "gelegentlich chaotischen Zügen" ein. Die "vielfache Arbeitsbelastung" sei ihm "teilweise über den Kopf gewachsen". Er habe weder die Erwartungen seiner Familie noch jene seines Doktorvaters Peter Häberle enttäuschen wollen. Deswegen habe sich Guttenberg nach eigenen Angaben nicht durchringen können, das Promotionsverfahren zu beenden: "Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen."  

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23. November 2011: Die Staatsanwaltschaft Hof stellt ihre Ermittlungen ein Die Staatsanwaltschaft teilt mit, dass Guttenbergs Doktorarbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Enwicklungsstufen in den USA und der EU" in "aufwändiger Recherchearbeit durch Polizei und Staatsanwaltschaft" untersucht worden sei. Dabei seien in seiner Doktorarbeit 23 Passagen entdeckt worden, die strafrechtlich relevante Urheberrechtsverstöße seien. Weil der durch die Doktorarbeit entstandene Schaden für die Urheber der Passagen aber "marginal" sei und Guttenberg keine wirtschaftlichen Vorteile aus seiner Dissertation gezogen habe, sei das Verfahren eingestellt worden.

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29. November 2011: Guttenberg äußert sich in Interview-Buch Fast zeitgleich zur Mitteilung der Staatsanwaltschaft meldet sich auch Guttenberg selbst nach mehreren Monaten wieder zu Wort - und bezieht Stellung zur Plagiatsaffäre: In dem Interview-Buch "Vorerst gescheitert" nennt er seine Doktorarbeit "die denkbar größte Dummheit meines Lebens" und einen "ungeheuerlichen Fehler", den er "von Herzen bedauere". Den Vorwurf des Betrugs aber weist er zurück: "Wenn ich die Absicht gehabt hätte, zu täuschen, dann hätte ich mich niemals so plump und dumm angestellt, wie es an einigen Stellen dieser Arbeit der Fall ist."

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