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Guttenberg und die Folgen:Der positive Effekt

Rieble hofft deshalb neben allem Spott für die Wissenschaft auch auf einen positiven Effekt der Debatte. "Vielleicht kommt es zu einem Umdenken. In der Wirtschaft gibt es die Anti-Korruptions-Kommission, vielleicht ist in der Wissenschaft auch eine Anti-Plagiats-Kommission denkbar", sagt er.

Prominente Plagiate

Seins oder nicht seins?

Wer jedoch auch jetzt schon ohne fremde Hilfe und nach allen Vorschriften an seiner Dissertation feilt, dem bleibt momentan nur der Zorn. Nicht zuletzt deshalb zeigt sich Weiss enttäuscht von der knappen Erklärung der Universtität Bayreuth: "Sie hat es sich vordergründig sehr einfach gemacht. Sie hat zwar festgestellt, daß die Arbeit nicht mal ansatzweise wissenschaftliche Kriterien erfüllt, die Frage nach Vorsatz oder Versehen aber offengelassen. Es wäre schön gewesen, wenn betont worden wäre, dass es sich bei diesem Vergehen nicht um eine Lappalie handelt", sagt er. Eine Dissertation so einzureichen, sei eine große wissenschaftliche Ehrverletzung, die nicht einfach als Kleinigkeit abgetan werden könne.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hatte das Vorgehen der Universität Bayreuth zuvor begrüßt. Die Erklärung zeige, dass die Wissenschaft "souverän" sei und "die Selbstregulierungskräfte" wirksam seien, sagte Schavan im Deutschlandradio Kultur.

Auch der Münchner Jura-Professor Volker Rieble attestiert der Hochschule korrektes Vorgehen: "Die Uni Bayreuth hat alles richtig gemacht. Sie agiert in diesem Fall als Verwaltungsbehörde. In dem Verfahren ging es ausschließlich darum, zu entscheiden, ob Guttenberg der Doktortitel aberkannt wird oder nicht."

Angesichts der Kritik aus der Opposition erklärte Universitätspräsident Rüdiger Bormann jedoch bereits, dass die Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft sich weiterhin mit dem wissenschaftlichen Fehlverhalten Guttenbergs auseinandersetzte und untersuche, "ob es Hinweise auf eine Täuschung gibt". Die Beweisführung sei "sehr komplex und strittig", daher könne sich der Prozess lange hinziehen. Thesis-Vorsitzender Weiss hofft trotzdem auf ein eindeutiges Ergebnis.

Den Schaden, den das wissenschaftliche Ansehen bisher erlitten hat, wird aber wohl auch deren Ergebnis nicht so schnell retten können. "Das Image der Doktorarbeit ist angekratzt, auch wenn sich die Wissenschaft auf lange Sicht auch von diesem Skandal wieder erholen wird", sagt Weiss. Denn wissenschaftliche Skandale gab es schon viele, oftmals wesentlich schwerwiegender als der Fall Guttenberg. Das Interessse der Öffentlichkeit blieb mangels Popularität der Hauptakteure jedoch meistens relativ gering.

Wie tiefgreifend die Folgen der Debatte für Guttenberg selbst sein werden, ist momentan noch nicht abzusehen. Für das Jurastudium an der Universität Bayreuth soll er nun offenbar aber nicht mehr werben. Aufgrund der Aberkennung des Doktorgrades werde der Imagefilm, in dem der Verteidigungsminister das Studium in Bayreuth als lohnenswert anpreist, "derzeit überarbeitet", heißt es auf der Internetseite der Jura-Fakultät. Auch ein Foto Guttenbergs auf der Homepage der Universität wurde am Donnerstag entfernt. Bormann ließ allerdings offen, ob Guttenberg künftig noch als Werbeträger fungieren wird. Das müsse man sich in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, sagte er.