Guttenberg und die Folgen Der Zorn der Doktoranden

An Verteidigungsminister Guttenberg perlt Kritik ab. An anderen geht die Plagiatsdebatte nicht so spurlos vorüber. Die wahren Leidtragenden der Affäre sitzen in den Universitäten. Denn sie müssen Spott ertragen - und Glaubwürdigkeit als Tugend vermitteln. Das Image der Doktorarbeit ist angekratzt. Der Zorn in den Fakultäten ist groß.

Von Maria Holzmüller

Der Doktortitel ist weg, die Karriere möglicherweise gerettet. Also alles gut im Fall Guttenberg? Mitnichten, werden Doktoranden, Studenten und Professoren in Deutschland sagen. Während der Verteidigungsminister versucht, zum Tagesgeschäft zurückzukehren, kämpft der wissenschaftliche Betrieb mit den Folgen der Plagiats-Debatte.

Doktoranden fordern eine ausführliche Erklärung von der Universität Bayreuth zum Fall Guttenberg.

(Foto: ddp)

Kurz und schmerzlos sollte es werden - für alle Beteiligten. Indem Karl-Theodor zu Guttenberg den Dr. vor seinem Namen schon gestrichen hatte, bevor die Universität Bayreuth über die Zukunft seines Doktorgrades überhaupt entschieden hatte, gab er einen Weg vor, den seine ehemalige Hochschule dankbar einschlug. Der Titel wurde aberkannt, die Frage, ob es sich bei der Arbeit aber um vorsätzliche Täuschung handelt, blieb vorerst unbeantwortet.

Ob der Schaden von der Wissenschaft damit tatsächlich abgewendet wurde, bleibt jedoch zweifelhaft. Am wissenschafltichen Betrieb geht die Plagiatsdebatte nicht spurlos vorüber. "Viele Doktoranden fürchten eine Entwertung der Promotion, denn Menschen außerhalb der Wissenschaft fragen sich natürlich, wie konnte das passieren? Wie kann es sein, dass diese Arbeit überhaupt angenommen wurde? Und wie kann es sein, dass sie dann auch noch mit summa cum laude bewertet wurde?" sorgt sich Norman Weiss, Vorsitzender des Promovierenden-Netzwerks Thesis. Auf eine Erklärung der Universität Bayreuth wartet er bislang vergebens.

Auch der Münchner Jura-Professor Volker Rieble räumt ein, dass die wissenschaftliche Arbeit unter der aktuellen Diskussion leidet: "Ich möchte im Moment nicht jemand sein wollen, der seinen Doktortitel oder sein Diplom an der Uni Bayreuth erworben hat. Da ist der Spott groß. Und Summa-cum-laude-Doktoranden werden ebenso verhöhnt", sagt er.

Aber auch seine Studenten zeigen sich angesichts der Debatte tief verunsichert. "Ich bekomme derzeit viele E-Mails mit Fragen zur richtigen Zitierweise", sagt Rieble. Mehr Aufmerksamkeit auf der einen Seite, aber auch mangelnde Glaubwürdigkeit auf der anderen: "Wie will man jetzt als Tutor den Erstsemester-Studenten glaubhaft vermitteln, wie wichtig korrekte Fußnoten sind?" fragt sich Tobias Dillschnitter, Geschäftsführer der Studierendenvertretung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Nicht ganz unschuldig?

Die Leidtragenden sind die Studenten, die ihre Arbeiten mühevoll korrekt erstellen und am Ende substanzielle Inhalte vorweisen.Gerade Doktoranden, die unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen über Jahre an ihrer Arbeit feilen, reagieren verärgert auf den Fall Guttenberg, sagt Thesis-Vorsitzender Weiss, denn sie steckten tatsächlich mühevolle Kleinstarbeit in ihre Dissertation. Trotzdem müssten sie jetzt damit rechnen, dass ihr akademischer Grad durch Guttenbergs Plagiate an Ansehen verliert - ebenso wie der gesamte wissenschaftliche Betrieb.

Der sei an dieser Entwicklung selbst aber nicht ganz unschulidg, sagt Rechtsprofessor Rieble. "Die Wissenschaft erleidet keinen Schaden, den sie nicht verdient. Wir legen an Doktoranden Maßstäbe an, denen nicht einmal die Professoren selbst entsprechen. Es kommt nicht selten vor, dass der Assistent eine Arbeit für seinen Professor schreibt und als Autor überhaupt nicht genannt wird. Das kommt nur heraus, wenn der Assistent seinerseits plagiiert hat."

Seins oder nicht seins?

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