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Grundschul-Reform:"Fünf Jahre Grundschule sind besser als vier"

Ehrgeizige Schulpolitik im Saarland: Der Kultusminister der Jamaika-Koalition, Klaus Kessler, spricht über seine Pläne und die Rolle der Eltern.

Im Saarland regiert eine Jamaika-Koalition, die sich in der Schulpolitik viel vorgenommen hat. Neuer Kultusminister ist der Grünen-Politiker Klaus Kessler.

Saarlands Kultusminister Klaus Kessler (Grüne) will die Grundschulzeit verlängern.

(Foto: Foto: ddp)

SZ: Herr Kessler, kann man als grüner Kultusminister in einer Koalition mit CDU und FDP mehr tun, als lauter schwierige Kompromisse zu schließen?

Klaus Kessler: Durchaus. Wir sind uns in der Koalition einig, dass wir mehr Gerechtigkeit wollen. Bildungschancen dürfen nicht von der sozialen Herkunft abhängen. Ich kann und werde da etwas bewegen und habe Gestaltungsmacht etwa bei Lehrerstellen und der Schulstruktur.

SZ: Die Grundschule wollen Sie auf fünf Jahre verlängern. In Hamburg laufen Bürger gerade Sturm gegen eine Verlängerung auf sechs Jahre. Haben Sie keine Angst, dass Ihnen das im Saarland auch passiert?

Kessler: Mir ist nicht bange. Anders als Hamburg setzen wir auf den Elternwillen. Die Eltern können selbst entscheiden, welche Schule ihr Kind nach der Grundschule besucht, natürlich nach eingehender Beratung mit den Lehrern.

SZ: Die Direktoren der Gymnasien beklagen eine "Amputation" ihrer Schule.

Kessler: Damit war zu rechnen. Längeres gemeinsames Lernen in der Grundschule ist pädagogisch aber sehr wichtig. Der Schulerfolg hängt dann auch nicht mehr so stark vom Elternhaus ab.

SZ: Glauben Sie wirklich, dass es einen Effekt hat, wenn die Kinder ein einziges Jahr länger gemeinsam die Grundschule besuchen?

Kessler: Fünf Jahre sind mehr als vier. Der Kritik daran werde ich mich stellen. Zu prüfen haben wir den Aufwand, insbesondere die Raumfrage und die Ausgestaltung des fünften Jahres. Mehr als ein Jahr war als Koalitionskompromiss nicht drin. Wäre es nach mir gegangen, gäbe es eine Ausdehnung auf wenigstens sechs Jahre.

SZ: Im Saarland ist die Schulstruktur in der Landesverfassung festgeschrieben. Da könnte es bei Ihren Reformen noch Probleme geben.

Kessler: Ja, wenn die Opposition, also SPD und Linke, nicht mitmacht. Das werden wir bis zum Sommer herausfinden. Wir wollen ja nicht nur die Grundschule verlängern, sondern auch die Gemeinschaftsschule als einzige zweite Schulart neben dem Gymnasium einrichten. Das Gymnasium vergibt das Abitur nach zwölf Jahren, die Gemeinschaftsschule nach 13 Jahren. Eigenständige Hauptschulen haben wir im Saarland ohnehin schon seit Jahren nicht mehr.

SZ: Sollte es klappen mit der Verlängerung der Grundschule, gäbe es in Deutschland ein ziemliches Durcheinander: in Bayern vier Jahre, im Saarland fünf, in Berlin sechs. Ist das sinnvoll?

Kessler: Das ist das Ergebnis des Föderalismus. Fünf Jahre gemeinsame Grundschule sind besser als vier Jahre.

SZ: Haben Sie einen Plan B?

Kessler: Ja. Es würde dann, falls es Probleme wegen der Landesverfassung gibt, bei den vier Jahren Grundschule bleiben. Außerdem wären Neugründungen von Gesamtschulen möglich. An den bestehenden Gesamtschulen gibt es derzeit mehr Anmeldungen als freie Plätze. In jedem Falle werde ich auch mehr echte Ganztagsschulen schaffen, in denen der Nachmittag genutzt wird.

SZ: Sie sind gelernter Deutsch- und Sportlehrer. Was ist schwerer: die Arbeit als Pädagoge oder als Politiker?

Kessler: Die Arbeit als Pädagoge wirkt sehr lange bei einzelnen Schülern nach. Ein Politiker ist ja irgendwann wieder weg, ein Lehrer kann seine Schüler unmittelbar prägen. Jeder erinnert sich an gute und an schlechte Lehrer, es sind zum Teil sehr nachhaltige Erfahrungen.

SZ: Was reizt Sie dann an der Politik?

Kessler: Als Pädagoge muss ich mich in einem Rahmen bewegen, den die Politik setzt. Für mich ist es spannend, nun an diesem Rahmen zu arbeiten.

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