Großraumbüro Büroalbtraum made in Germany

Das Drama des modernen amerikanischen Büros, schreibt Saval, bestand darin, dass es Aufstiegschancen bis in die Konzernspitze behauptete, die durch die schiere Ausweitung der in Reih und Glied hinter ihren Schreibtischen stationierten Angestellten-Armeen immer unrealistischer wurden. Man könnte anmerken, dass das für den sogenannten "amerikanischen Traum" - symbolisiert durch die Ozeane von unabzahlbaren Eigenheimen - eigentlich generell gilt.

Die Art von Büros, die heute den täglich durchlebten Albtraum der Amerikaner darstellen, wird übrigens im Ursprung den Deutschen angelastet. Die Quickborner Möbelfabrikanten Wolfgang und Eberhard Schnelle hatten 1958 die sogenannte "Bürolandschaft" entwickelt und 1959 zum ersten Mal installiert - ausgerechnet in einem Verlagshaus, bei Bertelsmann in Gütersloh. Was auf den ersten Blick chaotisch aussah, waren rational geplante Nutzlandschaften aus Teppichböden, Topfpflanzen und Schreibtischen, die nach funktionalen Gesichtspunkten zu einander geordnet waren.

Typologie der Kollegen

"Wärst du so lieb?"

Diese scheinbare Kreatürlichkeit machte in den Sechzigern international Furore. Es war die Grundlage, auf der wiederum in den USA die Cubicles entwickelt wurden. Hier heißt der Schuldige Robert Probst. Probst war ein Kunstprofessor aus Colorado, der im Dienst der Büromöbelfabrik von Herman Miller zusammen mit dem Designer George Nelson das "Action Office" entwickelte, ein System aus flexiblen Trennwänden, später weiterentwickelt zum "Action Office II", mit Regalen und Pinnwänden, also immerhin noch mit dem Angebot zur Individualisierung.

Das wurde als Befreiung gepriesen, als Befreiung gefeiert, und das hatte auch alles, was in den emanzipatorischen Sechzigern im Schwange war: eine anarchisch ungezwungene Anmutung, die Möglichkeit kommunikativer Zusammenstöße, vor allem aber einen "offenen Plan", und Offenheit ist ja bis heute, genauso wie die Transparenz und die Flexibilität, ein Wert, der vor allem moralisch gelesen wird. Offenheit als architektonisch vermitteltes Ideologem schlägt deswegen zuverlässig praktische Erwägungen, die eher auf Abgeschlossenheit zielen würden. Saval: "Interaktion und Kommunikation wurden als Normen in den verlandschafteten Büros begriffen; Introspektion und Konzentration wurden zu Nebensachen. In dem Rausch, die Welt mit offenen Grundrissen zu überziehen, gingen so ein paar entscheidende Werte der Arbeitsleistung verloren."

Büro-Ställe aus billigen Stellwänden

Aber die "Knowledge Worker", wie Probst sie am liebsten nannte, empfanden sich nicht lange als befreit, sondern als eingekastelt in Büro-Ställen aus billigen Stellwänden. Zumal ab dem Moment, in dem das noch einigermaßen ambitionierte Action Office II Probst und Nelson zu dem schnöden, rechteckigen Billig-Cubicle zusammenrationiert wurde, das heute die amerikanische Arbeitswelt prägt.

Saval datiert das große Schisma in die frühen Siebziger, als die betriebliche Mitbestimmung in den westeuropäischen Ländern dazu geführt habe, dass die unbeliebten Bürolandschaften abgeschafft und das Action Office II gar nicht erst angeschafft wurden. Der Europäischen Wirtschaft sei es so schlecht deswegen nicht ergangen.